Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1885)
- Date
- 1885-04-14
- Page
- Seite 263 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Stufe des Erkennens greifbare Gestalt annimmt und ein höheres Aussteigen unnöthig macht. Nichts kommt in dieser Hinsicht den rituellen Vorschriften über die leibliche Verpflegung gleich. Daneben werden die von Begeisterung für den Cultus dieser Satzungen vorzugsweise Erfüllten leidenschaftlich ihre Kräfte anspanncn, um mustergiltig auf dem Boden zu erscheinen, auf welchen sie ihren Fuß gefetzt, und selbst Diejenigen zu belästigen, welche niemals das Speisegesetz übertreten haben, aber es gleichwohl nicht für das Ganze der Religion, sondern nur für einen Theil dessen halten, was auf dem Grund des Glaubens geheiligt ist. Ich habe Ihnen, verehrter Freund, damit eine Spielart jüdischer Kurgäste gezeichnet, welche mit einer Geschäftigkeit, die an der Lauterkeit des Beweggrundes fast Zweifel aufkommen läßt,^) durch die Reihen der Glaubensgenoffen eilen und ihnen die Zuverlässigkeit des Speisehauses in Bezug auf religiöse Observanz verdächtigen. Ich könnte Ihnen erzählen, wie viele Private und Collegen, die durch strengste Beobachtung alles' Rituellen bekannt sind, mißbilligend darüber den Kopf schüttelten, ohne sich Jenen anzuschließen. Ich könnte Ihnen anderer-! seits mittheilen, wie viele mit ihnen gemeinsame Sache machten,! denen dadurch Gelegenheit gegeben war, ihre vielleicht auf schwachen Füßen ruhende Größe vor aller Welt sicher zu stellen. Zum Berständniß der bezeichneten Bewegung gehört freilich noch Eins. Ueberall in namhaften Kurorten bestehen mindestens zwei jüdische Speisehäuser, von denen, wie Aehnlrches auf allen wirthschaftlichen Gebieten vorkommt, das eine wegen seiner mehr ansprechenden Einrichtung oder der Güte seiner Speisen den Vorzug vor dem anderen besitzt. Iltiue tuervmas. Da muß dann das Rituelle zum Losungsworte dienen, mit welchem man in die Concurrenz tritt; im Publikum aber giebt es deren genug, die sich daffelbe aus dem einen oder anderen Grunde aneignen und deffen Verbreitung zum Gewerbe machen. Vor einigen Jahren wandte sich im Badeorte ein College an mich mit der aufregenden Mittheilung, daß wir entschieden in dem bisher besuchten Speisehause nicht mehr verkehren dürften, denn das Geflügel werde dort zum größten Theil nicht rituell geschächtet. Sein Landsmann „Rabe" habe es durch einen Bekannten erfahren, der es von einem Kurgast wisse, der seine Quelle nicht angeben wolle. Ich beruhigte den Freund aus Süddeutschland mit dem Gewicht meiner balneologischen Erfahrungen, die mir aus verschiedenen Badeorten zur Seite standen. Wir traten mit dem Schächter unseres Speisehauses in Verbindung, und dieser, durch die besten Zeugniffe beglaubigt, entrollte uns ein Bild seiner tagtäglich rviederkehrendcn Thätigkeit im Dienste des bezeichneten Hauses, daß mein Freund und noch ein Anderer, der so fromm war, daß er neun Tage vor! Tischah B'Ab nur Brathuhn '') aß, seitdem ohne allen und * jeden Scrupel dem verdächtigten Speisehause treu blieben.?Tas Gebühren, das ich Ihnen heute mehr angedeutet als j beschrieben habe, und das sich an allen Badeorten, wo wenigstens zwei Restaurationen bestehen, wiederholt, schadet der Würde des in Rede stehenden Rituellen in hohem Grade und wirkt widerlich und betrübend auf Jeden, dem an der Hochachtung deffelben gelegen ist. 4) Jeremias 7, 4. 5) Tur Orach Chaj. 8 5,> 2. Anzeigen. Tvi werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die näclist- IIImvI Wi tC folgende 'Wochenntunmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur gefl. »tenntnißnähme, daß der Lolleriekollekieur Her. Hey mau« Coh» seir dem 28. Juli 1884 nicht mehr Vorsteher der Äejelljcha,l der barmherzigen Brüder ist, und ist an dessen Stelle der Leitunterzeichnete Hirschfcld gewählt worden. Um Jrrlhümer zu vermeiden, bitten wir etwaige, zur Vertheilung an Arme kommeude Gelder uns gütig übersenden zu wollen. Dessau, den 28. März 1885. Ter Vorstand der GeseUschaft der barmherzigen Brüder. [B 1761 B. Roseuthal. Hirschfeld. tüm junges Mädchen, in Küche u. Haushalt er iahten, und im Umerrichten von Schulkindern geübt, sucht per sofort Stellung als ■ Paushätreria in einer achtbaren Famrlre.! Franko-Offert. unt. 8.7 postlag. Paderborn. Bröigel. Jsr. Handelsu. Tprach-Jnstitut, Pensionat I. Ranges, gegr. 1863. 166.—170. Chaussee d’ Etterbeck, Brussel, dem Part Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn, F. 8. 8 L. Ehren-Ecnosse der k Gesellschaft der Aiffcnsch., Literatur und Kunst zu London. Das Sommersemester beginnt am 14. April. — Um frühzeitige Anmeldungen wird gebeten. [L. 7 28 Pensionat und Höhere Töchterschule von [L- 850 Frau Dr. Lebersou in Hanuover, Uiergartenftraße Z und 4. —— Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. '