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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-14 · Heft 16 (14.4.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 16 (14.4.1885)
Date
1885-04-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ei« unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippsou in Bonn. ZXpeöilion: Leipzig» Woßptcrh 18. 49. Jahrgang. Leipzig, den 14. April 1885. No. 16. 3«t redaktionellen Angelegenheiten wende man fick» an Dr. L. Philippfon in Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagShandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) find gleichfalls an letztere einzusenden. Diefe Zeimng erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Kr. IN) und Oesterreich bei allen Post- > imtern. außerdem durch den Buchhandel. Induli. Leitende Artikel: JuSaea und die Juden von Theodor Moinmsen. — Die Debatte um deu »Oberhaus-Rabbiner" im unaari'chen Oberhause. V. — Das Judenthum in Sen Ländern latein,'chec Rasse. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin Leipzia Stuttgart, Posen. - Oesterreich-Ungarn: Wien. Krakau, Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Bonn: Notizen. — Bonn- Lüerarische Notizen. — Feuilleton: Balneologische Briefe eines Rabbiners. €Lt-ti&e€. Bonn, 8. April. Zadaea unL die Zadeu von Theodor Mommseu. i. Eine der wichtigsten und interessantesten Perioden der jüdischen Geschichte ist die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer, weil hier die Frage zu beantworten ist: auf welche Weise, durch welche Mittel ist es möglich geworden, den jüdischen Stamm und durch ihn das Judenlhuin zu erhalten? Besiegt, vom eherneu Fuße des Siegers zermalmt, durch alle Länder in größeren und kleineren Gruppen zerstreut, vermochte dieser Stamm mitten unter öeu Völkern, von ihnen allen als fremdartig angesehen, bestehen zu bleiben, und während alle Völker des Alterthums untergingen, auf den Trümmern der antiken Welt seinen Bestand fortzusetzeu bis auf den heutigen Tag. Dieser Uebergang aus seiner nationalen, an einen örtlichen Mittelpunkt allgeschlossenen Existenz zu einer allein in der Diaspora (Zerstreuung) vorhandenen, bildet eine merkwürdige geschichtliche Frage, deren Beantwortung jedoch um so schwieriger ist, als die Quellen sehr sparsam fließen und durchaus einseitig sind, und die Juden selbst, wie wir erst jüngst auseinandergesetzt, den Sinn für geschichtliche Darstellung verloren hatten. Was deshalb über Liesen Gegenstand anfzuklären und Licht zu verbreiten vermag, ist höchst willkommen. Wir unsrerseits haben diefe Frage wiederholt behandelt. Die Faktoren für diese Erhaltung des jüdischen Stammes und Glaubens müpen innere und äußere gewesen sein. Als innere betrachteten wir das Entstehen und Aufblühen der Synagoge neben dem Tempel, also des Gebetcnltns neben dem Opfercultus, lange vor der Zerstörung des Heiligthums, wodurch der jüdische Gottesdienst sich ans leichteste Weise überall hin verpflanzen konnte, so wie den Fortbestand des Sanhedrin, als geistlichen Führers mit weitest hinreichender Wirksamkeit. Die äußeren Faktoren bestanden in der, seit dem babylonischen Exil vorhandenen und von der macedonischen Zeit an immer beträchtlicher gewordenen Colonisirung und Auswanderung, also in der Diaspora, welche den ans Palästina nach dem Falle Jerusalems geflohenen und vertriebenen Juden in den oerschiesensten Ländern neue Heimstätten darbot, so wie in den politisch sozialen Verhältnissen, in welchen die Juden in allen diesen Ländern Aufnahme fanden und lebten. Von allen diesen Momenten ist das letztere bis jetzt das am wenigsten ausgehellte. In diesen Tagen erschien nun der fünfte Band der „Römischen Geschichte von Theodor Mommsen (Berlin, Weidmann 1885). Dieser 5. Band behandelt „die Provinzen von Caesar bis Diokletian". Während also der vierte Band, der die Geschichte der römischen Centralregiernng fortsetzen soll, erst noch zu erwarten steht, erhalten wir hier eine übersichtliche Geschichte der einzelnen Provinzen des römischen Reiches während der angegebenen Zeit, und hier denn auch als elftes Kapitel „Jndaea und die Juden". Selbstverständlich haben wir hier weder über das ganze längst anerkannte Geschichtswerk Mommsens, noch über diesen 5. Band selbst ein Referat zu geben und ein Uriheil zu fällen, sondern uns nur mit dem gedachten Kapitel zu beschäftigen. Allerdings 16

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