Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1885)
- Date
- 1885-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein unparteiisches Organ für alles indische Interesse. i Diese Leitung erscheui: wöchentlich. Preis vierteljährig » Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 111) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- I Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. KXpeöition: Leipzig, Wohpterh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Philippsou in Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagShondlung. Beilagen (Gebühr 13 M.) find gleichfalls an letztere einzusenden. 49. Jahrgang. Leipzig, den 31. März 1885. Ko. 14. Inhalt. Leitende Artikel: Die drei großen Waffengänge der Juden. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Hannover, Breslau. -- Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Brünn. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Rußland: Turek. — Bonn. Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Der als Hochstapler entlarvte ‘Dr. Justus. — Vermischtes. Bonn, 25. März. Die drei große« Vaffeugauge der Juden. Das alte Israel und die aus ihm entsprossenen Juden waren keine kriegerische Nation im eigentlichen Sinne dieses Wortes. Nachdem das Volk sich in den kanaanitischen Landen Wohnsitze erobert hatte, bietet seine ganze Geschichte kein Beispiel eines Angriffskrieges und selbst David, wo er einen kriegerischen Vorstoß unternahm, that dies nur, weil er wußte, daß zu einer nachdrücklichen Bertheidigung es nothwendig sei, zur rechten Zeit auch offenfiv vorzugehen und sein Land mit gesscherten Grenzen zu umgeben. Außer seinem geistigen Inhalt beschränkte sich das alte Israel auf die Pflege der Landwirthschast, auf Ackerbau, Obst- und Viehzucht, da es ein Binnenland bewohnte und selbst seine Handelsbeziehungen nur in verhältnißmäßig geringer Ein- und Ausfuhr bestanden. Dahingegen besaß und entwickelte dieses Volk eine Widerstandskraft sonder Gleichen, die sich, so lange es seine nationale Existenz und Selbständigkeit betraf, auch in glänzenden kriegerischen Thaten bewährte. Und seine äußeren, wie inneren Verhältnisse waren dazu angethan, diese Energie immerfort in Athem zu erhalten. Hieraus ist denn für dasselbe auch eine bedeutsame Geschichte hervorgegangen, die sonst, beidem Mangel an thatkräftigem Auftreten innerhalb der großen weltgeschichtlichen Arena, nichts von ihm zu bemelden gehabt hätte. Daß es seine Wohnsitze anderen Volksstämmen hatte abnehmen müssen, und zugleich in religiöser, sittlicher und sozialer Beziehung einen Gegensatz zu den übrigen Nationen bildete, brachte es mit sich, daß das alte Israel ununterbrochen den Angriffen der benachbarten, zum Theil sehr kriegerischen Stämme ausgesetzt war, gegen die es sich mit wechselndem Geschick, zuletzt jedoch immer mit neuerwachter Energie und darum mit Erfolg vertheidigte. An die Stelle dieser kleineren Völkerschaften traten allmälig die großen erobernden Reiche, die im Osten und Südwesten erstanden waren und gegen einander im Kampfe lagen, namentlich die Assyrer und Chaldäer, mit welchen Aegypten um die Herrschaft rang. Zwischen diesen Uebermächten mußte das kleine Israel trotz nachhaltiger Bertheidigung zerrieben werden. Jerusalem siel nach langer und wiederholter Belagerung durch Nebuchadnezar. Hier war es nun, wo die gefangenen Reste des Volkes in den fernen Ostländern zum ersten Male ihre passive Widerstandskraft bethätigen mußten, indem sie den auflösenden Wirkungen der Herrschaft, die über sie geübt ward, des Heidenthums und der fremden Sitten nicht Nachkommen, sondern sich standhaft in ihrem eigenthümlichen Wesen erhielten und dafür selbst das Martyrium bestanden. Sie wurden dafür belohnt, indem nach dem Sturze der chaldäischen Herrschaft sich günstige Conjuncturen eröffneten und ihnen die Freiheit ward, nach ihren alten Wohnsitzen -zurückzukehren. Die Verhältnisse hatten sich aber wesentlich geändert. An eine neue staatliche Unabhängigkeit von fremder Suprematie konnte nicht gedacht werden. Fanden sie sich doch selbst jetzt noch von feindlich gesinnten Nachbarn umlagert. So vergingen Jahrhunderte unter der persischen Herrschaft, die zwar 14