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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-03 · Heft 10 (3.3.1885) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 10 (3.3.1885)
Date
1885-03-03
Page
Seite 159 (sequence 11)
Language
German
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159 fühlte sich hierdurch zum Judenthume zurückgeführt und von Neuem für dasselbe begeistert. Den ersten Beweis hierfür lieferte uns die studirende Jugend der Universität Wien, welche einen Verein unter dem Namen „Kudima* ins Leben gerufen hat, dessen Zwecke jedem für das Judenthum sich Jnteressirenden hinreichend bekannt sind. Aber auch unsere rumänische Jugend sieht dieser Bewegung nicht gleichgiltig zu, sondern hie und da wird auch schon hier zu Lande eine Begeisterung für das Judenthum bemerkbar. So hat sich hier in Botuschan ein Verein von intelligenten jungen Leuten unter dem Namen „Arielu" ge bildet, der seinen Zweck in folgenden 6 Artikeln ausgesprochen hat: a) Das Judenthum, b) Wohlthätigkeit. c) Humanität, d) Wahrhaftigkeit e) Patriotismus und f) Freundschaft. Es ist hier nicht der Ort, jedes einzelne in dem Sinne zu erklären, wie es der Verein auffaßt, ich will aber nur hervorheben, was der Verein unter dem Artikel Judenthum versteht und wie cs denselben ausübt. Unter Judenthum beabsichtigen die Mitglieder, die jüdische Geschichte und Literatur zu verbreiten, Achtung sür die jüdische Religion der Jugend einzuflößen. Zu diesem Behufe haben sie augeordnet, bei jeder Zusammenkunft Borträge aus der jüdischen Geschichte über Leben und Wirken großer Männer in Israel zu halten, ferner eine Schule zu gründen, wo jüdische Kinder neben den anderen Gegenständen auch in der jüdischen Religion und Geschichte unterrichtet werden. Endlich eine Bibliothek von verschiedenen nützlichen Werken, hauptsächlich aber von jüdischliterarischen Schriften zu eröffnen, in der die Mitglieder ihre Zeit mit Lektüre zubringen sollen. Indem ich für diesen nützlichen Verein das beste Gedeihen erhoffe, schließe ich mit dem Wunsche, daß er in vielen Gemeinden unseres Landes Nachahmung finden möge. H. L. Peller, Lehrer der hebräischen Sprache. Bonn, 22. Febr. (Notizen.) Aus New-2)ork wird der plötzliche Tod des I)r. Leopold Damrosch gemeldet. Auf seinen früheren Wanderungen verweilte er auch in Magdeburg und war oft in unferm Hause. Er war eine echte Künstlernatur und eine sehr sympathische Erscheinung. Die „Boss. Ztg." sagt über ihn: Mit dem in Newport verstorbenen vr. Leopold Damrosch ist wieder einer der berufensten und thatkräftigsten Verfechter der neueren Musikrichtung im besten Alter dahingegangen. Es muß plötzlich gekommen sein, denn erst vor wenigen Tagen lief ja die Nachricht ein, daß die Verwaltung des Metropolitan Opera House einen Vertrag wegen Fortführung der so außerordentlich günstig verlaufenen deutschen Oper abgeschlossen habe. Außerdem stand er im Begriff, mit dem jetzigen Personal dieses von ihm in» Leben gerufenen Unternehmens noch eine große Reise durch die Hauptstädte der Union anzutreten. Damrosch, geboren 1832 in Posen, war einer der begeistertsten Anhänger von Liszt und Wagner, eine Richtung, die seinem Fortkommen in Europa vor Jahren mancherlei Schwierigkeiten bereitete. Ursprünglich Mediciner und als solcher in Berlin auch promovirt, wendete er sich doch schließlich der von ihm so geliebten Frau Musika zu und erregte als Violinist schon in den fünfziger Jahren Aufsehen. Schließlich von Liszt nach Weimar in die Hofkapelle gezogen, trat er in persönliche Beziehung mit allen den Männern der neueren Musikrichtung, denen er dann, als er 1858 nach Breslau übersiedelte, dort als Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft Ausdruck zu verleihen suchte. Schwierigkeiten in dieser Thätigkeit ließen ihn die Stellung nach zwei Jahren wieder aufgeben, aber von 1862 ab war er wieder in Breslau, gründete dort den noch heute unter Max Bruch's Leitung blühenden Orchesterverein, einen Chorverein :c., war auch eine Zeit lang Kapellmeister am Stadttheater, machte Birtuosenreisen und entwickelte überhaupt eine staunenswerthe Arbeitskraft. Da diese sich in der Hauptsache immer nur auf dem Felde der Wagner-Berlioz-Liszt'schen Mufikrichtung bewegten und in Folge dessen die erzielten Resultate ihm verhältnißmäßig unbedeutend erschienen, so kam ihm 1871 ein Ruf, als Dirigent des großen Gesangvereins Arion nach New-Iork überzusiedeln, durchaus gelegen. Dort glaubte er ein fruchtbares Feld zu finden, und er hat sich darin nicht getäuscht. Sein organisatorisches Talent fand in New-Z)ork in der That den gesuchten Boden; die Oratorien- und die Symphonie-Gesellschaft, beides Institute von der höchsten Bedeutung für das Musikleben Amerikas, sind seine Gründungen, und was jenseits des Oceans musikalisch von Bedeutung gemeldet wurde, das hing auch fast regelmäßig mit dem Namen des vr. Leopold Damrosch zusammen. Noch vor wenigen Monaten sprachen wir den noch im kräftigsten Mannesalterstehenden Künstler in Berlin, als er herübergekommen war, für seine deutsche Oper im Metropolitan Opera House Personal zu engagiren, und seine festen Hoffnungen für ein glückliches Gedeihen dieses Unternehmens haben sich ja drüben auch erfüllt. Und nun hat der Tod Allem mit einem Male ein Ende gemacht, ein thatkräftiges Leben ausgelöscht, für die deutsche Kunst in Amerika ein vorläufig unersetzlicher und gewiß lange fühlbarer Verlust. — Aus Dresden wird uns geschrieben: Am 10. v. M. verschied hier im Alter von 74 Jahren Herr Vr. I. H. Jacobson, von dem mehrere Schul- und Erbauungsbücher und eine „Auswahl israelitischer Kanzelvorträge" erschienen sind. Jacobson war zuerst Lehrer in Kempen und Belgard, dann über zwanzig Jahre Rabbiner und Prediger in Marienwerder; die letzten acht Jahre seines , Lebens stand er einem Mädchen-Erziehungsinstitute in Dresden vor. — Aus Großwardein wird uns vom 17. d. M. 10*

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