Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1885)
- Date
- 1885-03-03
- Page
- Seite 157 (sequence 9)
- Language
- German
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keinem weiteren Maße Luft, als im obigen, so wollen wir uns zufrieden geben. Fürth, im Februar. (Privatmitth.) Es ist erfreulich, daß die Stipendienstiftung für jüdische Studirende, welche den Namen Gabriel Riefser trägt, nach dem eben veröffent-! lichten Jahresbericht (vom 21. April 1883 bis 22. April! 1884) fich im besten Wachsthum erweist. Diese Stiftung,! eine der wenigen jüdischen Stipendienstiftungen, die bis jetzt ins Leben getreten, wurde 1866 gestiftet und vertheilte am j 22. April 1867 zum ersten Male ihre Unterstützungen. Wenn! sie damals an drei Studirende M. 171 vertheilte, so war sie 1884 im Stande, an 18 Stipendiaten M. 3120 zu vertheilen. Im Ganzen hat sie seit ihrem Entstehen M. 18173 an 163 Studirende — worunter 45 Seminaristen vertheilt. Bemerkenswerth ist, daß unter allen diesen nur ein jüdischer Theologe, dagegen 55 Juristen, 37 Mediciner, 7 Philologen und 18 Polytechniker sind. Im verstoßenen Jahre wurden durch Legate und Fundationszuschüsie dem Vermögen des Vereins M. 4836 zugeführt, so daß dieses sich gegenwärtig auf M. 15142 beläuft. Da noch immer eine beträchtliche Anzahl Gesuche unberücksichtigt bleiben muß, so ist die Vermehrung der Beiträge und des Vermögens höchst wünschenswerth und empfiehlt sich deshalb diese wohlthätige Anstalt der Berücksichtigung edler Menschenfreunde. Marienwerder, 17. Febr. Nach den Konitzer Schwurgerichtsverhandlundlungen über den bekannten Neustettiner Synagogenproceß war von verschiedenen Zeugen im Instanzenwege Beschwerde über Unregelmäßigkeiten erhoben worden, welche unter Anderem auch durch die mit der Voruntersuchung betraut gewesenen Berliner Criminalbcamten veranlaßt, sowie i in der Hauptverhandlung hervorgetreten wären. Wie nun j im Aufträge des Justizministers und des Ministers des Innern ein Bescheid des Ober-Landesgerichts-Präsidenten von Marienwerder kundgiebt, haben die von der Behörde an gestellten Ermittelungen jene Beschwerde als unbegründet erwiesen. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Februar. (Privatmitth.) Der 42. Jahresbericht des „Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" liegt uns vor. Er zeigt von der einen Seite, daß die Zahl der Zöglinge des Vereins Jahr für Jahr sich vermehrt, so im verstoßenen Jahre von 6i)6 auf 785. Neu ausgenommen wurden 276 Knaben — gegen 250 im Vorjahr —, 101 — gegen 84 — zu Gesellen freigesprochen. Hierdurch wurden aber andererseits die Ausgaben sehr erhöht, und in Folge deßen das Defizit, das schon im Borjahre eingetreten war. Die Einnahmen beliefen sich aus Fl. 10536 und der Ausfall gegen die Ausgaben Fl. 1482. Dadurch ist der mühsam gesammelte Reservefond nach und nach auf Fl. 2208 herabgedrückt, und wenn erst dieser verzehrt ist und die Einnahmequellen sich nicht erhöhen, wird der traurige Augenblick eintreten, wo der Verein viele arme und verwaiste Knaben von seiner Fürsorge ausschließen muß. Niemand kann verkennen, daß der so lange schon wirksame Verein eine unschätzbare Wohlthat gerade für die unteren Schichten unserer Glaubensgenossen ist, und es ist geradezu unerklärlich, wie die Provinzen von Oesterreich-Ungarn demselben nicht viel ausgiebiger ihre Unterstützungen zufließen lassen. Von den gegenwärtigen Zöglingen des Vereins sind 215 aus Ungarn, 128 aus Mähren, 83 aus Wien, 67 aus Galizien, 50 aus Böhmen, 27 aus Niederösterreich, 11 aus k. k. Schlesien, 3 aus Oberösterreich und 2 aus Croatien. Die Verpflichtung für die ersteren Länder, dem Verein Beiträge und Spenden zukommen zu laßen, springt deshalb ins Auge und sollten sich wohl daselbst Männer finden, die sich dieser dringenden Angelegenheit annähmen. Man weiß ja, i wie viel in solchen Dingen auf die nächste Anregung an- I kommt. i Pest, 16. Februar. (Privatmitth.) Der frühere Rabbiner! von Neu-Pest, Herr Albert Sterenyi, ist seit mehreren Monaten unermüdlich thätig, um sich hier eine Gemeinde und zwar eine Reformgemeinde nach dem Muster der Berliner Reform zu schaffen. Es ist ihm auch gelungen, über hundert Personen, größtentheils junge Advokaten, Beamte und Commis, für seinen Zweck zu gewinnen. Diese Gesellschaft j hat sich am 8. d. M. als reformirte Jsraeliten-Gemeinde constituirt und hat vor der Hand ein Actions-Comitv gewählt. Einer der Herren, der ohne sein Wißen und seine Zustimmung in dieses Comite gewählt wurde, veröffentlicht nun im „P. Lloyd" folgende Erklärung. Aus den Zeitungen entnahm ich, daß die am 8. dieses Monats stattgehabte konstituirende Versammlung der Budapester reformirten Jsraeliten-Gemeinde mich ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung mit ihrer Wahl in das Actions- Comitv beehrte. Ich muß mit Bedauern erklären, daß ich diese Wahl nicht annehmen kann. Obwohl ich principiell kein Gegner der Reform bin, nachdem ich bereits im Jahre 1848 ein eifriges Mitglied der hiesigen Reformgemeinde war, so halte ich es derzeit dennoch nicht für opportun, daß wir unter den zerfahrenen Zuständen unserer Eonfession, wo wir, bei gänzlichem Mangel einer Autonomie, mit zwei einander feindlich gegenüberstehenden Landescanzleien behaftet sind, die sehnlichst herbeigewünschte Einigung des ungarischen Juden-; thums durch neuere Reformbestrebungen noch mehr erschweren.! Ich höre, daß der Herr Cultusminister das Zustandekommen! dieser geplanten Reform stark begünstigen soll; wen» dies j auch wahr ist, so ist es für unsere vitalen confessionellen! Interessen dennoch nicht maßgebend, läßt ja doch der Herr 10