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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-02-24 · Heft 9 (24.2.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 9 (24.2.1885)
Date
1885-02-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Äudenthums, Ein unpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Leitung erscheint wöchentlich. , Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne-1 ment in Deutschland (Postzeitungsliste I Kr. LH) und Oesterreich bei allen Post- > | intern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von 9toM>iiier Dr. Ludwig Philipplon in Bonn. Gzepeöitiorr: Leipzig, WoHptcrh 18. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen all die PerlaaShandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 49. Jahrgang. Leipzig, den 24. Februar 1885. JVJ. s. Artikel: Die Kämpfe in Israel. I. — lieber die Abstammungsverhältnisse der Juden. II. — Skizzen über das Ehemals und Jetzt im Judenthume. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hannover, Breslau. Aus der Rheinprovinz. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. Pilsen, Arad.— Schweiz: Aus dem Aargau. — Frankreich: Bonn.— Bonn: Notizen. — Ham bürg: Literarische Notizen. — Feuilleton: Geschichte des Städtchens Sczybow. •Xcilcui)* Öttiltcl. Bonn. 18. Februar. I Die Kämpfe in Israel. | Zn den Eigenthümlichkeiten des Judenthums gehört, daß j in demselben, trotz oft sehr verschiedener Geistcsrichtungen und Bildungsstufen, niemals Spaltungen entstanden, welche von , der Gemeinsamkeit getrennte Kirchen, Confessionen oder Sekten! gebildet hätten, wie sie in allen andern Religionen, auch im; Buddhismus bestehen. Die einzige Ausnahme hiervon mach-; ten die im Berhältniß zur Gesammtheit geringzähligen Karäer. Dennoch war es eine irrige Vorstellung früherer Zeit, i welche die geschichtliche Erkenntniß zerstört hat, nämlich daß! das Judenthum stets dieselbe vollständige Einheit, dieselbe^ Uniformität gebildet habe. Vielmehr zeigt die Geschichte,j daß auch in ihm das Gesetz der Entwickelung geltend und thätig gewesen und daß sich deshalb eine lange Reihe innerer Kämpfe im Verlaufe der Zeiten abgespielt hat. Die Geschichte dieser Kämpfe ausführlich darzustellen, kann an dieser Stelle nicht unsere Aufgabe sein; wie wollen sie nur andeuten und kurz charakterisiren. Der erste und andauerndste Kampf fand von seinem Beginne selbst an zwischen dem Monotheismus und dem Heidenthume. Er fand die ganze Periode des ersten Bestandes, also bis zur Zerstörung Jerusalems durch Rebuchadnezar statt. Die Neigung des Volkes, nach dem Muster seiner Nachbarn dem Götzendienste sich zuzuwenden, brach immer wieder durck, besonders wenn seine Fürsten, schon um ihrer Autokratie wegen, oder um ihrer Verbindungen mit heidnischen Fürstenfamilien willen, dieselbe begünstigten, wie dies ja selbst bei Salomon der Fall war. Typisch hierfür war es, daß das Volk am Fuße des Sinai selbst, wo die grundlegenden Wahrheiten für das religiöse, sittliche und gesellschaftliche Leben verkündet worden, egyptischem Heidenthume sich hingab, da Aaron nicht genug Widerstandskraft besaß, um es zu hindern. Eine andere klassische Stelle dafür ist das Wort des Propheten Elija, als er zum Volke sprach 0- Kön. 18, 21): „Wie lange hinket Ihr nach zweien Seiten, wenn der Ewige Gott ist, wandelt ihm nach, und wenn Baal, wandelt ihm nach. Und es antwortete das Volk ihm kein Wort." — Als mit den ersten Jahrhunderten des zweiten Bestandes der Monotheismus den vollständigsten Sieg errungen und die ganze Volksseele für immer eingenommen hatte; als dann nothweudig die Weiterentwickelung des Gesetzes, die man die Tradition nennt, erstand, und diese die volle Herrschaft über das Volksleben beanspruchte — da entspann sich der zweite Kampf: um die Geltung des traditionellen Gesetzes. Schon im vierten Jahrhundert vor der Zerstörung Jerusalems durch die Römer erhob sich der Gegensatz, welcher, fest an das Wort der h. Schrift sich anschließend, die sogenannte traditionelle Auslegung nnd deren Gesetzesbestimmungen nicht gelten lassen wollte, und der sich im zweiten Jahrhundert vor der gewöhnt. Zeitr. zum Saddncäismus, dem Pharisäismus gegenüber, ausbildete. Ter Kamps der beiden Parteien, mit welchem sich wechselnde politische Einflüsse verbanden, war ein harter. Aber das Volk i neigte sich dem Pharisäismus zu und fand in der Hebung

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