Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-27 · Heft 5 (27.1.1885) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 5 (27.1.1885)
Date
1885-01-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227561--42350-3310896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nttge meine Zeitung des Iudenttimns. ^y / Ein nnpartciischcs Organ fiir alles jüdische Interesse. Diese Leitung erscheint rnöckentlicb. Preis vrerteljährig :t i'iccl. Abonnement in Deutschland (Vostzcitunqsli'te -lir. IN) und Lestcrreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Hcransgegeben von Nabbiner I)r. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeörLion: Leipzig, Wohpterh 18. In redaetionclle» Anaeleaeukeiteu wende man sich an vr.L.PlsiUvpson in Bonn direct, in allen übriqen an 5ic LerlagShandlung. Beilagen (Gebülu I2M.) sind gleichfalls an lelttere eingasenden. 49. Jahrgang. Leipzig, den 27. Januar 1665. •No. d. Inhalt. Leitende Artikel: Die Weisheit Salomoms. — Rückblick auf die Kämpfe des lebten halben Jahrhunderts, lll. — 'Aus dein ungarischen Abgeordnctcuhaufe I. — Ter.Cardinal-Erzbischhof Hayuald über den Antisemitismus. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Eisenach, Memel. Colbcrg. — Österreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Warschau, Petersburg, Aus Polen. — Bonn: Notizen. — Tnrek: Literarische Notizen. — Feuilleton: Balneologische Brief? eines rAabbiners. B o nn, den 21. Januar. Die Weisheit -Zalomonis. 2io<f lu I. Wir bemerkten vor Kurzem, die Folge des neuerwachtei geschichtlichen Sinnes und der mit frischen Kräften anfgc llommenen Geschichtsforschung im Judenthnme sei auch die daß die Gcistescrzeugnisfe des letzteren abseitens der viel betretenen Bahn des halachischen und midraschischen Studiums die innerhalb der jüdischen Kreise iheils ganz unbekannt, theils wenig eultivirt worden, gewissermaßen wieder entdeckt und in den Schoos; des seiner bewußten Judenthums ausgenommen wurden. Tie beiden hauptsächlichsten wiedercrössneten Felder find die griechisch-jüdische Literatur und die spanischarabische Rcligionsphilosophie und Poesie. Tie Kenntniß der letzteren, namentlich in den Hauptwerken von Saadia, Jitda ha-Levy, Maimouides, Atbo war natürlich niemals ganz erloschen; doch gehörte sie nur noch Einzelnen an und im beschränkten Maße. Tie griechisch-jüdische Literatur hingegen war schon während ihrer Ernten; den außerägyptischen Juden so gut wie völlig unbekannt geblieben, und theilte dieses Loos bis zur neuesten Zeit. Selbst die Schriften, welche gewöhnlich die „'Apokryphen" genannt und in den christlichen Bibeln als Anhang gegeben wurden, waren von den Inden völlig unbeachtet geblieben und wurden von denselben erst seit 1830 ins Hebräische und Deutsche übersetzt. Doch war schon 17*0 eine hebräische llebersctznng und ein weitschichtiger hebräischer Eommeutar des apokryphischen Buches der „Weisheit Salomos" von Naphtaly Wessely erschienen?). Taß aber innerhalb dieses griechisch-jüdischen Schristthums, von ter griechischen Uebersetznng der h. Schrift, Septuaginta genannt, an, an welche sich jenes anschloß, bedeutende Geistesschätzc enthalten sind, ist jetzt anerkannt. Sic unterscheiden sich wesentlich von den in Palästina und später in Babylonien verfolgten Tendenzen. Hier war es allein die Durcharbeitung des Gesetzes und die weitere Entwickelung desselben in seinem materiellen Inhalt und die freie, aber formlose Auslegung des Schristwortes zu moralischen Zwecken, welche die Geister unausgesetzt beschäftigten. Hiervon nichts in der griechischjüdischen Literatur. Dem Heidcnthnme und insbesondere der griechischen Enltnr unmittelbar gegenübergestellt, war cs ihre Ausgabe, den Gedanken- und Lehrinhalt des Judenthnms ans Licht zu stellen, die Ideen desselben ans höherem und allgemeinem Gesichtspunkte zu betrachten, und sich hierin an die Propheten und Hagiographcn anzulehncn. Selbst Philo, wenn er vom Gesetze handelt, hebt aus demselben nur die höheren, ethischen und soeialenGedanken und Zwecke, natürlich in seiner Weise,hervor, und bedient sich hierzu allzu häufig der allegorisirenden Methode. — Es kann aber nicht genügen, dem größeren jüdischen Publikum die Kenntniß von dem Vorhandensein dieser Literatur zu geben, sondern es ist erforderlich, sie auch, wenigstens in ihren wcrthvolleren Producten ihm nabe zu bringen und die volle Aufmerksamkeit aus deren Inhalt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.