Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-06 · Heft 2 (6.1.1885) · p. Seite 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 2 (6.1.1885)
Date
1885-01-06
Page
Seite 31 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227558--42313-3310856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

31 das Vertrauen zu ihm von Seiten der ersteren und seine große! Popularität bei den letzteren. Eben solcher Popularität als Persona publica erfreut sich sein Erbe, der gegenwärtige Repräsentant des Hauses Günzburg nicht mehr, was wir doppelt bedauern. Wir bedauern es aus Achtung und Anerkennung gegen den Baron Horace v. Günzburg, noch mehr aber aus Rücksicht auf das Wohl der russischen Juden. Die Popularität des Vaters als Persona publica und seine Autorität als solche bildete ein vereinigendes Band bei meinen vaterländischen Glaubensgenosien, und an einem solchem thut uns jetzt mehr denn je Noth. Aber so aufrichtig wir es auch bedauern und so wenig uns die murrende Unzufriedenheit und die hämischen Ausfälle unserer tadelsüchtigen und thatendürstigen Intelligenz gegen H. v. Günzburg als unfern Vertreter sympathisch find, wir begreifen es doch. H. v. Günzburg steht zwar keineswegs seinem seligen Vater nach, weder an Charakter und Bildung, noch an rusi. Patriotismus und Liebe zum Judenthum, noch an Philanthrophie und Religiosität, allein in einer Tugend, die bei einer Persona publica sehr viel ausmacht, war ihm der „Selige" überlegen: es ist das Berständniß, sich seine Leute zu wählen. Von einem Manne in der Stellung v. Günzburgs, der von riesigen, weitverzweigten Geschäften in Anspruch genommen wird, und dem die Zeit spärlich zugemeffen ist, von einem solchen Manne darf man nicht verlangen, daß er in öffentlichen Angelegenheilen und dazu noch eines so anspruchsvollen Publikums, wie die russische Judenheit, Dank ihrer äußerst bedrängten Lage es ist, selber Alles vollziehe, selbst überall zugegen sei und in alle Details persönlich eingehe; das einzige, was er in solchen Fällen thun könnte und auch thun sollte, ist, sich mit geeigneten Gehilfen und Rathgebern zu umgeben, zu denen man unbedingtes Vertrauen haben könnte. Diese Kunst besaß der in Gott ruhende Baron Josel v. Günzburg in hohem Grade. Er wußte, welche Leute brauchbar wären und sie mit für jeden passenden Missionen zu betrauen, jeder hatte seine spezielle Aufgabe; aber die Seele Aller war er selbst, sein Geist, seine Richtung lenkte sie und leitete und vereinigte Aller Leistungen zu einem großen Werke an Israel. Diese Kunst scheint dem gegenwärtigen Vorsteher des Hauses Günzburg zu mangeln. Unter den Leuten, die ihn umgeben, finden wir Keinen, der sich durch Geist, Wissen oder Religiosität auszeichnet; es sind meist alltägliche Mittelmäßigkeiten, auf ihren Vortheil berechnete Geschäftsmacher, denen es eigentlich um das Judenthum nicht zu thun ist und mit jüdischen Angelegenheiten im Aufträge des „Barons" sich blos deswegen, weil das recht einträglich für sie selbst ist, befassen, dagegen verstehen sie ihren Patron mit einem Netze von Jntriguen zu umspinnen und würdigere Männer von ihm fern zu halten. Das alles kann natürlich nicht ohne Einfluß auf die jüdischen Interessen bleiben, die unter dem Protektorat v. Günzburg stehen, was, wie gesagt, vielfach bedauert wird. Denn an dem guten Willen, seinem armen Volke zu helfen und der großen Opferfreudigkeit des Herrn v. G. zum Wohl seiner Brüder, zweifelt bei uns Niemand. Doch wie dem auch sei, die russische Judenheit, möge sie auch den eben erwähnten Mangel und vielleicht auch noch andere an Baron H. v. Günzburg bedauern und rügen, sie weiß auch seine großen Verdienste dankbar anzuerkennen und auf ihn,! als auf einen der verdienstvollsten und edelsten Männer in Israel, stolz zu sein, und wir glauben, mit vollem Rechte.! Dem „Regierungsboten" zu Folge hatte Baron Horace ^v. Günzburg am verflossenen Freitag, den 12 d. M., das Glück, unfern kaiserlichen Majestäten, dem Zar und der Zarin, in seiner neuen Würde als wirklicher Staatsrath sich vorzustellen. Anzeigen. Ty* 4*0 werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächsttC folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Ludolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Verlag von Bamugärluer'S Buchhandlung in Leipzig. j Chaldäisches Wörterbuch j über die Targumim und einen großen TheU des räddivischen Schriftthums von Dr. J. Levy, Professor an der Universität Breslau. 5. Auflage 1881. In hochelegantem Einband Preis 12 Mark. Victoria zu Berlin Lebens-Aussteuer u.Unfall-Versich.-Gesellsch. Gegründet 1953. Nähere Auskunft ertheilt: Der General - Bevollmächtigte 8. J. Leszynski BERLIN W., Steinmetz-Strasse 8.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.