Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14_ ihn zu sorgen. — Dr. Goldberg in Kalisch nahm sich Heinschloffen war, Frau und Kinder nach Berlin reisen zu lassen, richs wie ein Vater an und ließ ihn mit seinen Kindern Er wollte erst seinen begonnen Stich — der Hofnarr S tan czyk unterrichten. Eines Tages geschah es, daß der Gouverneur, nach Matejko — vollenden, ehe er seiner Familie nachkam. Fürst Galizien, den Arzt Herrn Goldberg besuchte. Heinrich Plötzlich hatte ein Gehirn- und Rückcnmarksleiden die Kraft sah ihn und entwarf sein Portrait. Jubelnd brachten es seine Kameraden ihrem Vater und dieser zeigte die Skizze dem Gouverneur. Fürst Galizien, ein humaner, wohlwollender Mann, schickte den talentvollen Knaben nach Warschau in ein lithographisches Atelier. Hier arbeitete er zwei Jahre, kam dann auf Kosten der Krone in die Kunstschule und widmete sich gegen fünf Jahre dem Portrait- und Genrefach. Im Jahre 1861 erhielt er einen großen Preis für Kupferstiche. In Folge deffen ging er nach Wien, Dresden und München, wo Thäter sein Lehrer war. Bon 1866 bis 1873 lebte er in Wien, wo er in verschiedenen Ateliers Kupferstiche anfertigte und sich im Zeichnen und Malen immer mehr; vervollkommnete. 1873 kam er nach Warschau, wo er für den Kunstverein und für Graf Potozki ganz meisterhafte Kunstblätter nach Bildern Matejko's aus der polnischen Geschichte anfertigte und außerdem mancherlei selbst componirte und skizzirte. Dieses Jahr 1873 war aber auch noch I insofern über sein Schicksal entscheidend, als er ein geliebtes! Weib heimführte, die Tochter des Direktors des ehemaligen! Rabbiner-Seminars zu Warschau I. Tugendhold. Heinrich! hatte gegen alle seine Wohlthäter ein sehr dankbares Gemüth.! Als Familienvater arbeitete er mit eisernem Fleiß an > seinen Kunstwerken. Die berühmtesten derselben sind: Die ' Madonna aus dem Hause Tempi nach Rafael. — Einquartierung polnischer Truppen in Northusen 1659 nach Brandt. — Peter Skarja predigt vor dem polnischen Könige Sigismund III. nach Matejko. (Für dieses Bild! erhielt er im Pariser Salon die große goldene Medaille.) — I Union von Lublin nach Matejko. (DiesesBild trug ihm j eine große goldene Medaille, eine kostbare Sövre-Vase und! das Ritterkreuz des Ordens der Ehrenlegion ein). -- Ko-! pernikus lehrt Astronomie in Rom 1879 nach Gerson. — i Außerdem malte er noch verschiedene Portraits und Alpen-' landscbaften in Oel. Der russische Kaiser ehrte den Künstler, der als der bedeutendste Kupferstecher Polens anerkannt wurde,! mit dem goldenen Adler und ernannte ihn zum Mitglied der Akademie der schönen Künste und zum kaiserlichen Professor der Universität zu Petersburg. Auf der Pariser; und Münchener Weltausstellung, erhielt er je die große goldene Medaille. In Folge zahlreicher Aufträge siedelte er nach 1881 nach Paris über, wohin er ein Jahr später seine Fa- : milie aus Warschau Nachkommen ließ. Aber diese Uebersied lung, sowie die aufreibende Anstrengung, die er machte, den an ihn gemachten Anforderungen gerecht zu werden, zog ihm ein schweres Leiden zu, das ihn an ernster Arbeit immer mehr hinderte. Seine Nerven waren so aufgeregt, daß bedcs kaum vierundvierzigjährigcn Mannes gebrochen, so daß er sich in eine Wasserheilanstalt zu Graz begeben mußte. Unrettbar verloren, holte die Frau R. ihn von dort nach Berlin, wo alle Hilfe vergeblich war und er nach qualvollem Siechthum am 7. November sanft in die Ewigkeit hinüberschlummerte. Am 10. November fand ohne Sang und Klang das Leichenbegängniß auf dem israelitischen Friedhof zu Weißensee statt. Eine junge Wittwe uud fünf Kinder, zwei Mädchen und drei Knaben, umstandeu die schmucklose, wenig bekränzte Bahre, auf der die Ueberreste dessen ruhten, der ihr Liebstes auf Erden gewesen. Seine vortrefflichen Werke und sein Patriotismus sichern ihm ein dauerndes Andenken. Seine letzte unvollendete Arbeit wird ein Berliner Künstler zu Ende führen. Preßburg, am 14. Dez. 1884. Noch einmal die Martimgaufe. Ein Jrrthum bezüglich der Martinigänse schleicht fast alljährlich durch die Blätter, und obwol ich ihn bereits vor Jahren in einem Journal berichtigte so kehrt er doch immer wieder, wie diesmal in Nr. 50 der A. Z. d. I. Es ist nämlich nicht wahr, daß die „israelitische Religionsgemeinde", die sich vor dreizehn Jahren hierselbst gegründet hat, behördlich sanctionirt und mit allen Institutionen, sogar mit besonderem Friedhof, versehen ist, — es ist also unwahr, daß die im Bolksmund genannte Verleger-Gemeinde sich „das Recht des Gänseüberreichens vindizirte". Der „orthodoxen Culturgemcinde" kostet dieser Brauch, den man bei Hofe nur der Tradition halber bestehen läßt, jährlich einige hundert Gulden, und eine Gemeinde, die Tempel, Schule, Friedhof, Fleischbank anzuschaffen hat, hat wahrlich dringendere Ausgaben, als daß sie sich einen solchen Luxus gestatten dürfte. Die fortschrittliche Religiousgemeinde hat also diese Ausgabe gern der orthodoxen Culturgemeinde überlassen und nie daran gedacht, auch nur an dem Acte des Ueberreichens theilnehmcu zu wollen. — lieber den Brauch selbst habe ich schon vor mehreren Jahren einige Versionen in vr. Bergl's „Geschichte der unga rischen Juden" und in Zeitschriften mitgetheilt. — Mit der Bitte, diesen Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben, bin ich re. vr. Julius David, Rabbiner der Religionsgemeinde-