Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- Seite 832 (sequence 12)
- Language
- German
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832 niß seines Vaters errichtet hat. Sie ist eines der schönsten Ländern des Orients und selbst Europas, Typen und Farben gottesdienstlichen Gebäude in dieser großen Hauptstadt des! der mannichfaltigsten Art; wechselte doch selbst ein Chor brittischen Indiens geworden. Am Morgen vor der Eindeutscher Juden mit den liturgischen Gesängen, wie sie in Weihung vertheilte die Gemahlin Ezra's Geldspenden und Jerusalem gebräuchlich sind. — Frau Louise Frank in Kleider an die Armen und die Zöglinge der von Herrn Ezra Chicago hat die Summe von 30000 Frcs. zum Unterhalt gestifteten Schule waren zu einem Festmahl versammelt und israelitischer Waisen in Familien gespendet. Eine christliche erhielten vollständige Anzüge. Einen eigenthümlichen Anblick Dame von St. Louis (Nordamerika) hat der dortigen jüdibot das zu dem feierlichen Akte versammelte Publikum. Man schen Gemeinde eine Summe von 7000 Dollars zum Geschenk sah da Juden, Christen, Muselmänner, Hindus aus allen, gemacht. — Ieuil Markus Prague. (Nach dem Arch. isr.) | In diesen Tagen wurde zu Paris unter allgemeiner! Theilnahme ein Mann bestattet, der in der dortigen Jsraeliten-Gemeinde eine allbekannte und sehr geachtete Persönlichkeit war. Markus Prague hatte es im Leben nicht sehr weit gebracht, aber in seinen Fähigkeiten, seinem Wisien, seinem' Charakter und seiner Thätigkeit kam er über seine beschei-! dene Stellung hoch hinaus. Er war Oberschames und zweiter! Borbeter, jedoch von einer weitreichenden Wirksamkeit. In! ihm verkörperte sich die Geschichte der Pariser Jsraelitengej meinde von ihrem Beginne an; er hatte Alle gekannt, die in den vorangegangenen Geschlechtern irgend bemerkenswerth; waren und war mit ihnen vertraut gewesen. An allen Ereignisien, welche die Gemeinde betroffen hatten, war er betheiligt gewesen und er besaß eine edle Beredsamkeit, um aus seinem treuen Gedächtniß von der Vergangenheit zu erzählen und lebhaftes Jntereffe dafür einzuflößen. Es seien deshalb einige Züge aus seinem Leben hier wieder erzählt.; Markus Prague war in Paris zu Beginn des Kaiserreiches geboren in dem Viertel du lemplo, welches die Wiege der Gemeinde war und wo sein ganzes Leben verfloß. Sein Vater, aus einem Dorfe in der Umgegend von Prag stammend, war nach Paris gegen 1789 oder 1790 gekommen, um hier einen Onkel zu besuchen, welcher die französische Hauptstadt seit langen Jahren bewohnte. Die Revolution, die im vollen Gange war, und die Kriege, die sich daran schloffen und die Communicationen unterbrachen, verhinderten den jungen Mendel, nach seinem Baterlande zurückzukehren. Er war damals erst 17 Jahre alt, aber schon ein ausgezeichneter Talmudist. Die etlichen Israeliten, theils aus dem Elsaß, theils aus Lothringen, theils aus Deutschland oder selbst aus Polen gekommen, welche damals in Paris wohnten, vereinigten sich zu einer Gemeinde und stellten als geistliches Oberhaupt an deren Spitze den ausgezeichneten Rabbiner Seligmann l e 1 o n. Michel, welchen Mendel Prag ihnen empfohlen hatte, nachdem er ihn aus einer Reise im Elsaß kennen gelernt. Mendel Prag ließ sich nun definitiv in Paris nieder und heirathete hier eine Lothringerin, eine Frau von exemplarischer Frömmigkeit, goldenem Herzen, deren sanftes und strahlendes Antlitz lebhaft im Gedächtniß der Juden vor fünfzig Jahren geblieben ist. Aus dieser Ehe, die — eine besondere Merkwürdigkeit — während der vollen Schreckenszeit civiliter in einer Kirche, welche die Conventsmänner ihres Charakters entkleidet haten, geschlossen worden, entsprangen mehrere Kinder, deren jüngstes Herze Markus war, der soeben verstorben ist. Eine so lange und vielbewegte Zeitperiode hat er durchwandert! — Mit einer leidenschaftlichen Pflege der talmudischen Studien verband Mendel Prague ein kleines Handelsgeschäft, das ihn nicht verhinderte, sich den hebräischen Studien zu widmen. Er eröffnete einen höheren Unterrichtskursus und nahm an den Arbeiten des großen Sanhedrin 1807 Theil. Sein großes Wissen und die Schärfe seines Geistes zogen ihm die Achtung seiner eminentesten Collegen zu, die ihn mit Rabbinerdiplomen überhäuften. Später wurde er zum Dajan (Rabbiner - Adjunct) ernannt und erfüllte diese Funktionen bis zu seinem Tode 1842. Die Kindheit des Herze Markus Prague verfloß in der Mitte dieser frommen, redlichen und in der heiligen Wissenschaft unterrichteten Männer, welche den Knotenpunkt der Gemeinde bildeten und die sich zum Gebet in zwei Synagogen in der Uns 8t. Avoye und der Rue du Chaume versammelten. Er studirte den Talmud bei seinem Vater und bei dem Großrabbiner Seligmann Michel, einem ehrwürdigen Greise von damals 96 Jahren. Er kannte und verehrte den berühmten David Zintzheim, Präsidenten des großen Sanhedrin, Ritter Cologna, der — eine Seltenheit in jener Zeit — in der profanen Literatur ebenso bewandert war wie in den heiligen Texten und Michel Deutz, der während dreißig Jahren den ersten Rabbinerstuhl Frankreichs einnahm. Er war der Vertraute des Großrabbinen Marchand Ennery, eines wahrhaften Heiligen und später Salomon Ul-