Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- Seite 822 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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822 thige Literatur hat nur einen geringen Umfang erreicht. —' Haltung der Regierungen als auch dem zur Erkenntniß ge- Zwei Thatsachen sind aus dem ablaufenden Jahre zu verzeichnen:! kommenen Volksgeiste zu, da sich allmälig die gefährlichen die eine ist die Versammlung deutscher Rabbinen in Berlin,! Consequenzen dieser Pöbelaufstände erkennbar machten - zu welcher sich eine so große Anzahl Theilnehmer einnicht aber schreiben wir es der Besserung der Verführer des stellte, wie zu keiner früheren. Sie erließ eine Erklärung Volkes an Einsicht und Gesinnung zu, denn diese Hetzer und über die interconsessionelle Stellung des Judenthums und Verleiter hatten sich immer zur rechten Zeit zu retten und gründete einen deutschen Rabbiner-Verband, der für die Zu-, dem bösen Handel zu entziehen verstanden. Dafür leisteten kunft mancherlei tüchtige Früchte verheißt. Die andere ist! sie den Beweis bei Gelegenheit der Reichstagswahlen im die Feier der Vollendung des hundertsten Lebensjahres Sir j deutschen Reiche und in Ungarn. Bei diesen trat die Hetz- Moses Montefiores. Die Bedeutung dieser Feier liegt nicht 1 wuth der antisemitischen Führer ungescheut und mit aller allein in der dem ehrwürdigen Greise für seine Humanitären > Leidenschaft wieder hervor. Stöcker und seine Genossen Verdienste dargebrachten Huldigung, in der Anerkennung, daß und Jstokzy und seine Genossen ließen es an den unge- Berdienste für die Vertheidigung der Unterdrückten und für die heuerlichsten Anstrengungen nicht fehlen. Aber in beiden Aufrichtung Leidender doch die größten sind und die Dank-1 Ländern erfuhren sie nur ein um so nachdrücklicheres barkeit der Menschen am meisten erregen, sondern auch in Fiasko. Im deutschen Reiche erwies es sich, daß nur noch der allgemeinen Bereinigung zur solennen Feier des Tages Berlin und Dresden einigen Raum für antisemitische Bein allen Welttheilen, in den größten und kleinsten Gemeinden, strebungen bieten. In Berlin hatte sich die conservative in Gottesdienst, Predigt und Adressen, wie darüber von den Partei mit den Antisemiten identisizirt, während in Ufern des stillen Oceans bis in die russischen Steppen und! anderen Kreisen conservative Wortführer jeden Zusammenindischen Städte zu berichten war. Es ist hiermit ein geistiges Hang mit den Antisemiten zurückwiesen. Doch fielen die Denkmal für die Gemeinsamkeit des religiösen und sittlichen jüdischen Lebens errichtet.-— Eine noch günstigere Gestaltung brachte das ablaufende Jahr für die äußeren Verhältnisse des Judenthums. Wir wissen sehr wohl, daß wir den Antisemitismus nicht als erloschen ansehen dürfen. Hat sich überhaupt aus den Ereignissen der letzten Jahre das betrübende Faktum herausgestellt, daß das Borurtheil, ja sogar der Haß gegen die Juden noch immer in unzähligen Geistern lebt, und allzuleicht die Kraft gewinnt, die Oberfläche, die sich durch Kultur und sämmtlichen antisemitischen Candidaten bei der Wahl in Berlin durch. Und gerade hier ereignete es sich, daß die beiden jüdischen Candidaten die einzigen waren, welche schon jin ersten Wahlgang siegten. Der hervorragendste dortige Antisemit, Prof. Wagner, fiel gänzlich durch, Stöcker selbst nicht minder, und kam er nur durch den Landkreis Siegen vermittelst der Gnade der gegen die Deutschfreisinnigen wüthigen Nationalliberalen in den Reichstag. Die nationalliberalen Wortführer unterließen es nicht, hinterdrein die Siegener Genossen zu verurtheilen. Anders in Dresden, wo die Humanität darüber breitet, zu durchbrechen; so ist doch jene antisemitisch - conservative Partei ihren Candidaten durchwüste, revolutionäre Hetzerei zur Bedrückung und Verfolgung I brachte. So nahmen also nur zwei entschiedene Antisemiten der Juden, die man mit dem Namen Antisemitismus und! und erst durch die Hülfe anderer Parteien im deutschen antisemitische Agitation zu belegen pflegt, sichtlich in der Ab- Reichstage Sitze ein. — nähme begriffen. Einen Beweis hierfür liefert die immer schwächer werdende antisemitische Presse. Das Erscheinen antisemitischer Schriften und Flugblätter ist ziemlich verschwunden. Die antisemitischen Blätter sind fast alle eingegangen, und die bestehende Zeitungspresse bringt viel seltener judengehässige Artikel. Das Publikum hat sich gegen diese ganze Literatur abgestumpft und findet daran weder Behagen noch Allerdings war das Resultat in Ungarn ein anderes. Hier gingen 17 Antisemiten aus den Wahlen hervor. Wer aber die außergewöhnliche Aufregung, die in Ungarn herrschte, und die übermüthige Sicherheit der Antisemiten auf einen vollständigen Sieg, sowie daß hingegen die Regierungspartei, welche entschieden gegen den Antisemitismus eintrat, einen glänzenden Triumph in den Wahlen erfocht, in Betracht Nahrung für seine Gesinnungsrichtung. Am wichtigsten ist,! zieht, kann die Beschränkung der antisemitischen Abgedaß die Ausschreitungen gegen die Juden in Ungarn das! ordneten auf die Zahl 17 doch nur als eine schwere ganze Jahr hindurch, in Rußland seit der Mitte des Jahres Niederlage derselben ansehen. Gewiß werden diese 17, wie aurgehört haben, und daß die letzten Versuche in einigen sie es bereits in der Adreßdebatte gethan, noch viele und russischen Städten von der Regierung auf's Kräftigste sofort heftige Reden gegen die Juden halten. Aber je wüthender unterdrückt wurden, und die Strafgerichte in Ungarn und und öfter sie dieses thun, desto mehr schwächt sich ihr Erfolg Rußland, auch in Deutschland boten sich einige Gelegenheiten ab, desto geringer wird das Gehör, das man ihnen schenkt hierzu, die Uebelthäther mit angemessenen Strafen belegten. Als Gegensatz ist anzuführen, daß bei der bevorstehenden Wir schreiben dieses erfreuliche Faktum sowohl der ernsten Reform des ungarischen Oberhauses ein Jude als Vertreter