Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1884)
- Date
- 1884-12-16
- Page
- Seite 818 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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818 denen, die Ihnen Glückwünsche darbringen, in erster Reihe die Vertreter Ihrer Gemeinde. Wenn irgend Jemandem, so ist es uns möglich gewesen, Ihre Gesinnungen und Ihr Wirken während eines langen Zeitraums von 19 Jahren zu beobachten und zu würdigen. Unter schwierigen Berhältniffen walten Sie hier Ihres Amtes: die verschiedensten Richtungen religiösen Standpunktes herrschen in Ihrer Gemeinde, da war es schwer für Sie, Liebe und Versöhnung alle Zeit zu lehren und zu verbreiten. Es ist Ihnen gelungen, und alle, die sonst getrennten Weges wandeln, sehen Sie heute um sich vereint, uw Ihnen gemeinsam den Ausdruck ihrer Hochachtung und Verehrung zu übermitteln. Wodurch ist dieses Wunder bewirkt? Weil alle in Ihnen den Träger des Prinzips der werkthätigen Menschenliebe verehren, den alle Menschen huldigen, wo es, wie in Ihnen verkörpert, vor uns erscheint. Hierauf ergriff der Rabbiner Dr. Bamberger aus Königsberg das Wort. Derselbe hatte einen doppelten Auftrag auszuführen; in erster Linie war er beauftragt, die Glückwünsche des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes dem Jubilar darzubringen und in zweiter Linie stellte derselbe sich als Vertreter des Rabbiner-Verbandes für Ost- und Westpreußen und Pommern, zu deffen Mitbegründern auch der Jubilar gehört, dar; in letzterer Eigenschaft überreichte er eine sehr schön ausgestattete Adreffe. Seine vortreffliche, zum Herzen sprechende Rede lautete etwa folgendermaßen: Die Feier des Tages, an welchem Sie auf ein fünfundzwanzigjähriges Wirken als Lehrer in Israel zurückblicken, hat eine über den engen Kreis Ihrer Gemeinde, über den engen Kreis der Berufsthätigkeit eines Rabbiners hinausreichende Bedeutung, sie gestaltet ihn zu einem Tage des Dankes und der Anerkennung eines gottgesegneten Lebens, das, wie es sich in den Dienst der Gesammtheit gestellt, auch von dieser als ihr angehörend betrachtet wird. Insbesondere begrüßt unsere Glaubensgenoffenschaft den heutigen Tag als eine willkommene Gelegenheit, den Mann zu ehren und dem Manne zu danken, der seit 16 Jahren, seitdem zum ersten Male der Nothschrei unserer Glaubensbrüder über die Grenze herüber an unser Ohr geschlagen, um bis zur Stunde nicht wieder zu verklingen, der erste gewesen, der den Blick der Gesammtjuden auf diese Aermsten der Armen gerichtet und — der Erste geblieben im Kampfe wider diesen Nothstand, gleichviel, ob er durch den Aufruhr der Erdnatur, oder durch Aufruhr und Verwilderung der Menschennatur hervorgerufen worden :c. Es überreichten nun noch Adreffen der Deputirte der israelitischen Gemeinde in Ruff und die Deputation aus der Druckerei des Herrn F. W. Siebert, und nachdem nun auch noch die Vertreter der oben angeführten Vereine ihre Gratulationen dargebracht hatten, ergriff der Jubilar selbst das Wort, um für die vielfachen Beweise der Liebe und Verehrung Allen den besten Dank auszusprechen. Der Festgottesdienst fand Nachmittag statt und Dr. Bamberger hielt die Festprcdigt, in welcher er die Verdienste des Jubilars in begeisterndster Weise schilderte. Der Jubilar dankte tiefgerührt. Es folgte noch eine Schulfeier und ein Festeffen von 50 Personen. Hiermit wären wir aber noch nicht zu Ende. Die „Russen" begnügten sich hiermit nicht, sondern veranstalten am Montag noch ein zweites Festeffen, zu welchem ein „Row" aus einer russischen Grenzstadt hcrüberkam. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, auch sein 50 jähriges Amtsjubiläum in gleicher Geistcsfrische und gesegneter Thätigkeit zu feiern! — Man schreibt uns aus Bamberg: Am 24. Nov. feierten der frühere Weinhändler Herr Leonhard Müller und Frau Babette Müller in voller Rüstigkeit im Kreise ihrer Familie und vieler Freunde die goldene Hochzeit. Das Jubelpaar ist durch seine Frömmigkeit und Wohlthätigkeit allenthalben geachtet und geehrt. Möchte dem Jubelpaare auch die Diamantene Hochzeit feiern zu können, vergönnt sein. Ieuitleton. Zu Chanukah. Moauß zur jeschuoßi. Das bekannte, von einem R. Mordechai um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts verfaßte Chanukalied wurde schon mehrere Male, von Sachs, Kämpf u. A. ins Deutsche übersetzt. Eine der besten poetischen Uebertragungen ist die des sel. vr. W. A Meifel, welche auch mit dem Originale dasselbe Versmaß hat und nach der bekannten Melodie gesungen werden kann. Sie lautet: Nur du, mein Gott, bist Burg und Fels, Nur dir will ich lobsingen. Bau auf den Tempel Israels, Daß dort wir Dank dir bringen. Wenn du Entgelt uns einst geschafft. Am Bösewicht, der hündisch klafft. Erst dann soll schön Mit Psalm-Getön Das Weihlied dir erklingen.