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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-16 · Heft 51 (16.12.1884) · p. Seite 812

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 51 (16.12.1884)
Date
1884-12-16
Page
Seite 812 (sequence 8)
Language
German
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812 er sich selbst um ein politisches Mandat bewerben sollte, Zu diesem Zwecke nun wird zu neuen Sammlungen würde er zu Wahlreden außerhalb seiner Parochie erst die Er-! und zwar am bevorstehenden Chanukkafeste aufgefordert. Möge laubniß feiner Vorgesetzten Kirchenbehörde einholen müssen."! der warm abgefaßte Aufruf den besten Erfolg haben. —, — Im weiteren Verlaufe werden in sehr einsichtsvoller Weise den Geistlichen ihre eigentlichen Amtspflichten in Erinnerung gebracht, wie sie nicht über Dinge sprechen sollten, die außer« halb ihres Gesichtskreises liegen und wie sie durch Parteipolitik die Gemüther eines Theiles der Gemeinde gegen sich aufreizen würden, während sie doch ihres Amtes für die ganze Gemeinde pflegen sollten. Es wäre zu wünschen, daß diese Verfügung auf die Gönner der „Nordd. Allg. Z." einen nachhaltigen Eindruck machte. Diese enthält übrigens in ihrer heutigen Nummer eine auffällige Erklärung. Sie verwahrt sich dagegen, daß der Wiederabdruck der Reußischen Verfügung wider das politische Agitiren der Geistlichen sich „ausschließlich" auf den Hofprediger Stöcker zufpitze, da es auch in anderen Parteien Also doch auch auf Stöcker! Freunden! — Unsere Leser erinnern sich noch eines Julius Ruppel, der frühere fanatische antisemitische Agitator, der Verleger der wieder eingegangenen „Ostend-Zeitung", der Fabrizirer zahlloser antisemitischer Flugschriften und Plakate. Alles dies schützte ihn nicht vor Nothund bitterer Enttäuschung, und dieser Tage verstarb er hier im Alter von 45 Jahren. Nachgerade lichten sich die Reihen der Jünger Stöckers, die einsehen lernen, daß der Antisemitismus keine Goldquelle ist, und daß der Zufluß von Mitteln aus gewisien Kreisen nach und nach aufhört. Berlin, 5. Dez. (Privatmitth.) Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund verschickt einen neuen Aufruf zu Gunsten der unter dem Namen Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung bei Gelegenheit der silbernen Hochzeit des kronprinzlichen Paares gegründeten „ Central-Versicherungs- und Pensionskafse für jüdische Gemeindebeamte in Deutschland." Es wurden damals M. 35,000 gesammelt, und ist es hierdurch ermöglicht worden, daß zu Gunsten jüdischer Beamten und deren Hinterbliebenen bei der Versicherungsgesellschaft Victoria Als bemerkenswerth heben hiesige Blätter hervor, daß bei der allgemeinen Studenten-Bersammlung am 2. Dez., zu der sich etwa 1500 Studirende eingefunden, behufs der Wahl in den Ausschuß die vom Vereine deutscher Studenten nominirten Candidaten mit 710 Stimmen gewählt wurden, während die freie wissenschaftliche Vereinigung auf ihre Candidaten 627 Stimmen vereinigte — Zahlen, welche den Rückgang der antisemitischen Bewegung unter den Studirenden bekunden. Inder Diskussion gab der Präsident des Vereines deutscher Studenten die Erklärung ab, daß feine Corporation keinerlei Beziehung zu Herrn Stöcker unterhalte. Derselbe sei nur mit vielen andern Notabilitäten Gast des Vereins bei einer Festlichkeit gewesen; die Corporation müsie darum jeden agitatorische Geistliche gebe, i Versuch, ihre Bestrebungen mit denen des Herrn Stöcker zu Gott schütze mich vor meinen indentisiciren, energisch abweisen. Nach den Antecedentien dieses Vereins können wir trotz dieser Erklärung unser Mißtrauen nicht ganz aufgeben. Jndeß ist die Thatsache dieser Erklärung ein offenkundiges Zeichen, daß die Strömung gegen den Antisemitismus und namentlich gegen Stöcker zum vollen Durchbruch gelangt ist. — Für die in gewissen Kreisen jetzt hier herrschenden Gesinnungen ist wohl nichts charakteristischer, als daß nach kürzester Zeit für die zu errichtende Lutherstatue ein Platz gefunden und genehmigt worden, nämlich auf dem zu einem „Schmuckplatz" bestimmten Neuen Markt, während für die Lessingstatue, für welche seit langen Jahren ca. 150000 M. bereit liegen, kein Platz gefunden refp. genehmigt worden. — Hiesige Blätter schreiben: Auf Antrag des Unterrichtsministcrs vr. v. Goßler hat der König die Berufung des Professors vr. Hirschfeld von Wien nach Berlin genehmigt, und damit ist für altrömische Geschichte eine ausgezeichnete Kraft gewonnen worden. Hirfchfeld, ein geborener Königsberger, wird im nächsten. Sommersemester seine hiesige Thätigkeit beginnen und im Lehrplan eine Summe von mehr als M. 200,000 versichert worden > der Universität eine Lücke ausfüllen, die dadurch enstanden ist. Außerdem wurden viele Beamte durch Beihilfe der Stiftung Mitglieder der Provinzialhilfskassen. In dem Aufruf heißt es weiter: „Welch ein Segen! 200,000 Mark werden über kurz oder lang kärglich besoldeten, meist vermögenslosen Beamten resp. deren Hinterbleibenden als Eigenthum zur Verfügung stehen. So erfreulich dieser gute Anfang für den Menschenfteund ist, so wollen wir doch nicht vergessen, daß es eben nur ein Anfang ist. Die nüchterne geschäftliche Betrachtung der Angelegenheit belehrt uns, daß, um unser Ziel zu erreichen, nämlich alle bedürftigen jüdischen Beamten Deutschlands auch uur in bescheidener Weise versichert zu ist, daß Mommsen, um ausschließlich feinen Specialforschungen obliegen zu können, von seinen Verpflichtungen als Docent seit einigen Semestern befreit worden ist. Hirfchfeld's Berufung erfolgte namentlich auf Fürsprache Mommfen's, der in ihm den tüchtigsten Kenner altrömischer Literatur und Geschichte erkannt hatte. Frankfurt a. M, 2. Dez. Das alte Frankfurter Ghetto kann nicht zu voller Ruhe gelangen, es soll in einigen Resten conservirt bleiben. Man theilt der „Boss. Ztg." mit: Ueber die Erhaltung des v. Rothfchild'schen Stammhauses in der Judengasse wird nun Genaueres bekannt. Die Familie wissen, obiger Kapitalfonds mindestens seine zehnfache Höhe j hat das Haus, welches, wie viele andere durch Expropriation erreichen muß." | der Stadt zugefallen war, nebst dem anstoßenden Hause, das

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