Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1884)
- Date
- 1884-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein nnpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diele Zeitung erjckieint wöchernlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste ,'Jit. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern , außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von >)ut01'iner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Expedition: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Lerlaashandlung. Beilagen (Gebühr >2M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 16. Dezember 1864. No. 51. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft. II. — Memoire des Israelitischen Central-Consistoriums von Frankreich an die französische Deputirlenkammer. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Leutfchland: Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, äiaiserSlautern, Straßburg i. E. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. - Großbritannien: London. — Rußland: Turek. - Amerika: Bonn. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Zu Chankkah. Mouß zur jefchuoßi. Mit dem 1. -Januar 1885 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Iudenthums" ihren 49. Jahrgang. Wir ersuchen um baldige Bestellung bei allen Postämtern und Buchhandlungen, damit keine Störung in der Zusendung erfolge. Vauwgärlner's Wuchhandtung in Leipzig. OsileitO« ßUttficf. Bonn, 10. Dezember. Das Iu-enthurn in Gegenwart und Zukunft. (Nach Eduard von Hartmann.) II. In den dreißiger und vierziger Jahren war von der per sönlichen Freiheit der Begriff allgemein verbreitet, daß das Individuum den Gesetzen des Staates sich gewissenhaft zu! unterziehen, alle Pflichten gegen Staat und Vaterland ge-! treulich zu erfüllen habe, dann aber nach seinen Ansichten j und Ueberzeugungen, nach seiner theils angeborenen, theils anerzogenen und erlangten Eigenart leben könne; daß der Staat die Vereinigung aller Staatsangehörigen durch gemeinsame Gesetze, die Sicherung seines eigenen Bestandes, des Eigenthums und des Lebens Aller, die Förderung der Bildung, der geistigen und materiellen Wohlfahrt zum Zwecke habe, dann aber dem Individuum die freie Entfaltung seiner Kräfte nach allen Richtungen hin innerhalb der gesetzlichen Schranken verbürge. In den letzten Jahrzehnten hat sich eine andere Strömung Bahn gebrochen, nämlich die gesammten Staatsangehörigen zu einer compacten homogenen Maffe zusammenzuziehen, Alles, was nicht in dieses allgemeine Niveau aufgeht, als fremdartig zu behandeln, ihm das Dasein zu beschränken, womöglich es hinauszudrängen. Dieses echt communiftische und socialistische Streben, das bis jetzt noch i die Maske der Race und Nationalität vornimmt, macht sich , in lärmendster Weise geltend und verlangt nach der Omni- | Potenz des Staates, um die durch die Verfassung verbürgte Gleichberechtigung und persönliche Freiheit zu beseitigen und alle Volkselemente zu schädigen, die noch irgend etwas Eigenartiges an sich tragen und welche man als der Nation schädlich und den Bvlkscharakter entstellend brandmarkt. Von hier aus geschah es, daß man die Trennung in die arische und semitische Race, die doch nur eine althistorische Bedeutung hat, während die geschichtliche Entwickelung die Nackkommen dieser Racen weithin untereinander gerüttelt und auf die verschiedensten Stufen der Cultur, des Charakters, der Sitten gebracht hat, in das modernste Leben einzuführen, in ihm geltend zu machen und daraus Folgerungen für die wirklich bestehenden Berhältniffe zu ziehen suchte. Man grub psychologische Unterschiede, verschiedene metaphysische Vorstellungen aus, erklärte die eine Race für untergeordnet der anderen, und wollte nack diesem Maßstabe die Stellung in Gesellschaft und Staat abgrenzen. Dieses ganze Convolut von offenbaren Jrrthümern neben der kleinen Dosis archäologischer Wahrheit wurde in das allgemeine Bewußtsein, in die öffentliche Meinung geworfen, und obschon sich dem ernster prüfenden Blick bald die Täuschungen offenbarten, die aus diej sem schablonenmäßigen Gesichtspunkte erfloffen, hält es sich bl