Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1884)
- Date
- 1884-12-09
- Page
- Seite 803 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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803 ihren eigenen silbernen Tablettes und gelangten diese werthvollen Gegenstände dann gewöhnlich in die königliche Schatzkammer; in neuerer Zeit aber pflegte das Hofküchenmeisteramt der Deputation Tablettes zu leihen. Woher dieses Privilegium der Preßburger Juden stammt, darüber sind die Meinungen sehr verschieden. Schriftliche Aufzeichnungen sind nicht vorhanden, da das Archiv der Preßburger jüdischen Religionsgemeinde, welches uns in dieser Hinsicht Aufklärungen hätte bieten können, im Jahre 1809 das Opfer einer Feuersbrunst wurde. Die Daten, die wir der mündlichen Uebcrlieferung verdanken, sind diesbezüglich von einander sehr abweichend.! Laut den Aufzeichnungen des Historikers Reiner wäre der Ursprung der Martini-Gänse-Geschichte noch in den Zeiten des Arpadhauses zu suchen, während andere Ueberlieferungen dieselbe mit dem Zeitalter Karls III. verknüpfen und die Erklärung dieser Sitte in folgender Begebenheit suchen. Einst hätte Karl III. den Martinitag in Preßburg gefeiert, bei toelcher Gelegenheit die Hofbeamten in keine geringe Verlegenheit geriethen, als sie nirgends eine Gans für die königliche Tafel auftreiben konnten. Dieser Umstand gelangte der jüdischen Gemeinde zur Kenntniß, sie ließ sechs der fettesten und schönsten Gänse dem Herrscher anbieten und diese schmeckten dem königlichen Gaumen so außerordentlich, daß Karl der Preßburger Religionsgemeinde nebst anderen Privilegien auch die Erlaubniß ertheilte, alljährlich am Martinitage für den Hof Gänse liefern zu dürfen. Während der Regierung Maria Theresia» wurde von dieser Sitte Umgang genommen. Wieder eine andere Version erzählt, Franz II. habe sich im Jahre 1805 vor Napoleon nach Preßburg geflüchtet. Von Niemanden gekannt, sei derselbe in den engen Gassen des Ghetto geirrt, als er plötzlich vor einer jüdischen Restauration, in deren Fenster eine große Auswahl von appetitlich reinem Gänsebraten lag, — vorbeiging, sodann ins Zimmer trat, eine gute Portion von dem Braten verzehrte und dann wiej der ungekannt das Speiselokal verließ. Der Braten dürfte! dem König wohl geschmeckt haben, denn Tags darauf er-! hielt der Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Verordnung, I daß er alljährlich die Martini-Gans für den Herrscher liefern j möge. j Erwähnen wollen wir noch, daß vor einigen Jahren, I als die Preßburger Religionsgemeinde sich entzweite, das Recht des Gansüberreichcns — trotzdem die Neologen sich dasselbe vindizirten — allerhöchsten Ortes den Orthodoxen zuerkannt wurde. Anzeigen. Ty| werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die näclistfolgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Am 1. März 1885 wird die hiesige Kultus- Beamtenstellc vacant und suchen wir einen Beamten, der zugleich jL. 558 Vorbeter, Schächter und seminaristisch geprüfter Religionslehrer ist. Festes Gehalt 1200 Mk., Nebeneinkünste 600 Mk. Bewerber, die obigen Ansprüchen vollständig genügen, wollen sich gefälligst unter Beifügung ihrer Qualifications-Zeugnisse, melden. Hammerstein in Westpreußen, 25. Nov. 1884.: Der Vorstand der Synagogeagcmeinde. LouiS Leibholz. Wir suchen auf Ostern 1885 einen seminaristisch gebildeten, unverheiratheten Lehrer, welcher auch den Dienst als Lchächtcr u. Vorbttrr zu versehen hat. Gehalt 750 M. bei freier Wohnung, sowie 250 M. garantirt für Schächten. Bewerber wollen sich gefl. beim Vorsteher Aro« Frauk melden. Pattensen b. Hannover, im Noo. 1884.i Vorzüglich geeignetes Weihnachts - Geschenk. Im Verlag von Baumgärtuer'S Buchhandlung in Leipzig erschien und ist in jeder Buchhandlung zu haben: AeogrnpHifches Lotto. Ein Gesellschaftsspiel für 2—8 Personen. 4. Auslage. 1883. In eleg. Kasten, preis 4 Mark. Von diesem in ganz Deutschland und Oesterreich bekannten und beliebten Spiele ist soeben vie neue Auflage in eleganter Ausstattung erschienen. Dieses unterhallende Spiel, welches acht sorgfältig in Farbendruck ausgeführte Landkarten enthält, ist zugleich das beste Lehrmittel, um sich in kürzester Zeit eingehende Kenntniß der hervorragendsten Hauptstädte, Länder, Flüsse, Gebirge, Meere, Inseln rc. zu verschaffen. Jeder Spieler erhält eine Karte mit roch ausgezeichneten geographischen Punkten (Bayern, Ostsee, Alpen, Wien u. s. w). Einer der Mitspielenden ruft die Namenskärtchen aus und die Spielenden besetzen mit kleinen Blättchen die ausgerufenen Punkte. Wer zuerst eine ausgemachte Anzahl von Punkten besetzt hat, ist König. Als äußerst amüsante und zugleich in hohem Maaße instruktive Unterhaltung für die Winterabende kann es Alt und Jung nicht warm genug empfohlen werden und sollte in keiner Familie fehlen.