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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-12-09 · Heft 50 (9.12.1884) · p. Seite 796

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 50 (9.12.1884)
Date
1884-12-09
Page
Seite 796 (sequence 8)
Language
German
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796 mögen diese orthodox sein oder nicht, verfaßten Lehrbüchern Opportunitätsgründen verhindert werden würde, sich an dem für jüdische Schulen und nachzusehen, in welchen eine reine; antisemitischen Streite zu betheiligen. Aber er hat bereit- Moral gelehrt, Gerechtigkeit und Liebe gegen alle Menschen! billig meinem Wunsche entsprochen, und es ist damit ohne Unterschied des Glaubens zur Pflicht gemacht werden? : conftatirt, daß Rohlings Fanatismus nichts mit irgend Ich denke nicht. Und warum nicht? Weil die Juden die! welcher Beziehung zum Jesuitenorden zu schaffen hat." — Jesuitenmoral für eine interne Angelegenheit des Christenthums j Der Brief ist abgedruckt auf Seite 30 und 31 der halten und es ihnen als eine Anmaßung erscheint, dieerwähnten Schrift. — Schließlich noch folgende Bemerkung, selbe zum Gegenstände öffentlicher Besprechung zu machen,2ch erachte es für eine Pflicht aller Israeliten, welche noch und ein verwerfendes Urtheil über sie zu fällen. Und unter-> Anhänglichkeit an ihre Glaubensgenoffen besitzen, sich die nähme solches dennoch einmal ein Jude — Querköpfe gibt Schrift des Herrn Prof. vr. Delitzsch') anzukaufen und zu es ja in allen Confessionen und allen Ständen — so könnte man darauf schwören, daß sein Unternehmen, so richtig und gründlich es auch ausgeführt sein möchte, von allen übrigen Juden gemißbilligt und zurückgewiesen würde. Aber warum verfährt man christlicherseits dem Judenthum gegenüber nicht in gleicher Weise? Warum ist man da fortwährend bestrebt, um mit Herrn Delitzsch zu reden, schmutzige Wäsche in irgend einem Winkel zu erschnüffeln und an die öffentliche Leine zu hängen? Ist das vielleicht weniger Anmaßung? O, gewiß nicht. Gerade im Gegentheil, sie ist um so frecher, wenn es sich herausstellt, daß der Erschnüssler die erforderlichen Sprachkenntnisse nicht besitzt, um die aufgestöberte Stelle richtig übersetzen zu können, wovon wir hier ein vorliegendes Beispiel haben. — Man muß cs den Israeliten zum Lobe anrechnen, daß man von ihnen fast nie über den ganzen Jesuitenorden ein so abfälliges Urtheil aussprechen hört, wie man es in christlichen Gesellschaften so oft zu hören bekommt. Mir scheint, die von Josua') b. Perachjah ertheilte weise Lehre: „Beurtheile einen jeden Menschen nach seiner guten Seite" (eig: nach der Wagschale des Verdienstes), die in späteren Sittenbüchern des Weiteren erörtert, beleuchtet, begründet und ausgebildet wurde, habe diese Behutsamkeit und Vorsicht in der Beurtheilung der Menschen, namentlich ganzer Klassen und Stände, den Israeliten eingeprägt und anerzogen. Und in der That finden sich auch in dem Jesuitenorden Männer, die, von gewissen Theorien unbeirrt, der Wahrheit und dem Rechte die Ehre geben, wovon uns Herr Joseph Knabenbauer, Priester der Gesellschaft Jesu, in seinem an Herrn Prof. Delitzsch gerichteten Schreiben, dat. Ditton-Hall (England) den 13. Sept. 1883, ein erfreuliches Beispiel gegeben hat. Letzterer sagt von ihm (Neueste Traumgesichte S. 29.).- „Knabenbauer ist Priester der Gesellschaft Jesu. Als ich ihn um sein Zeugniß anging, besorgte ich, daß er von seinen Obern aus lesen, und geschähe es von Manchen nur deshalb, um den edlen Kämpfer für Wahrheit und Recht Anerkennung und Verehrung zu zollen. — l) Josua b. Perachjah stand mit Nithai dem Arbeliten ungefähr 130 v. Ehr. dem Synedrium in Jerusalem vor, nämlich zur Zeit des Königs Johann Hyrkan. — Im Talmud (Tract. (Sabbath 97) heißt es: rp*6 zmECZ „Wer Unschuldige verdächtigt, heftet sich selbst Makel an an"; denn er zeigt, daß er in sein eigenes Herz gesehen und von dort aus die Menschen beurtheilt habe, also: wozu er selbst fähig sei. — M. Liierarischer Wochenbericht. Bonn, 27. November. Bon der 8.evue des fitudes juives (Paris, Durlacher) ist Nr. 17 (Juli-September 1884) erschienen. Herr Josef Halckvy bespricht die jüngst in Arabien entdeckten Inschriften, und knüpft daran Folgerungen über die früheren Bewohner Arabiens und deren Sprachen. Er stellt hierbei sehr hypothetische Ansichten auf, die einer gründlichen Prüfung noch bedürfen. Die früher begonnenen Aufsätze über die beiden Handelsbücher aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts von Isidore Loeb und die Geschichte der Juden in den französischen Staaten des Papstes im Mittelalter von Maulde werden fortgesetzt. Sehr intereffant ist ein Artikel von Loeb über die Ueberführung verbannter Juden aus Spanien nach Marseille im Jahre 1492. Der Sachverhalt wird folgendermaßen berichtet: „Man weiß, daß die unglücklichen spanischen Juden, aus ihrem Lande vertrieben, sich zum großen Theile nach Afrika flüchteten, und daß andere Zuflucht in Italien und in der Türkei fanden, aber wir erinnern uns nicht, daß irgend ein Chronist Kenntniß von nach Frankreich geflüchteten spanischen Juden hätte. Frankreich hat die Juden ein Jahrhundert vorher vertrieben, dies Land war den spanischen Juden nur über Marseille zugänglich, wo die Juden zu wohnen fortgefahren hatten. Indessen ist es wahrscheinlich, daß selbst in Marseille oder in der Provence die Niederlassung fremder Juden stattgefunden, nicht ohne Schwierigkeiten zu bieten, und das ist ohne Zweifel der Grund, daß die aus Spanien vertriebenen Juden nicht daran dachten, sich dorthin zu begeben. Folgendes jedoch ist der Auszug einer Anzahl von Juden, welche, wie es scheint, gegen ihre Absicht in Marseille gelandet sind und sich dort niederlassen konnten. Das Ereigniß, das wir erzählen wollen, fft aus mehreren Manuskripten gezogen, welche zu den Registern von Darnety ger) „Schachmatt den Blutlügnern, Erlangen, Deichert".

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