Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- Seite 786 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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786 und war glücklich auf seine Weise. Sanft, gut. anspruchs-! veröffentlicht (Wien, Hartleben 1884) Zur Biographie Friedlos, war er der Berather aller Oesterreicher, die nach Leipzig! rich Hebbels, Franz Grillparzers und Ferdinand Raimunds." kamen, wofern sie seines Antheils würdig waren. Weich und In der ersten Schrift erzählt er u. A. von Hebbel, dem ausfreundlich klang seine Rede und fast immer spielte ein wohlj wollendes Lächeln um seine Lippen. Er hatte keinen literarij schen Ehrgeiz, die Arbeit selbst war sein Lohn. Selbst seine gelungensten Artikel Unterzeichnete er nicht, ihm selbst schienen sie zu unbedeutend, während seine Freunde einen Geist darin erkannten, der dem Ludwig Börne's verwandt war. Im Leben war er ein humoristischer Philosoph oder philosophischer Humorist, an Einfällen unerschöpflich. Saß man in der Englisch Tavern oder sonstwo bei Porter und Ale und Jacob Kaufmann kam herein, hastig nach allen Seiten grüßend und zog er den alten hyazinthsarbenen Ueberrock aus, da wußte man auch: nun wird bald gelacht werden, nun wird man viel gescheidte und viel pudelnärrrische Dinge zu hören bekommen. Er war ein Causeur seltenster "Art und man wurde förmlich eingeladen, ihn sprechen zu hören. Bald horchte Alles an den benachbarten Tischen zu ihm herüber. Die Heimat, die hinter ihm lag und die er kaum je wiederzusehen gedacht, erschien ihm nicht selten in rührendgroteskesten Lichte; er wußte von magyarischer Einfalt und slavischer Schlauheit die wundersamsten Anekdoten, die dann wieder als Themata für philosophische und eulturhistorische Betrachtungen dienten. Nie hat Jemand Oesterreich bester gekannt als Jacob Kaufmann; seine Urtheile über den Kaiserstaat haben leider noch heute Giltigkeit. Das Land seiner Borliebe war England, er wurde nicht müde, englische Institutionen zu loben. Mit jedem Glase wurde er wärmer und mehr Engländer: da wollte er schließlich nur englisch sprechen. Unzählige Stellen englischer Dichter wurden ihm gegenwärtig, das Lied vom tine old Englisli gentlemau vor sich hersingend, trat er den Heimweg an. Täglich, sobald es Abend wurde, verließ ich mein Zimmer wo ich von der Kälte auf dem abscheulichen rothen Backstein- Estrich nicht wenig zu leiden hatte und eilte aus der Borstadt trotz Wind, Regen und Dunkelheit in das Cafe du Boule vard, wo allabendlich an einem bestimmten Nagel der hyazinthfarbcue Ucberrock hing. Unweit davon saß der freundliche Philosoph, nie allein, immer von einem Kreis von Bekannten umgeben. Sie waren alle seine Gäste, die er mit seinen Einfällen bewirthete. -- gezeichneten Dramatiker: „Mosenthal's junge Frau war gestorben. Ich ging mit Hebbel, ihr auf dem israelitischen Friedhofe die letzte Ehre zu erweisen. Der berühmte Obercantor Salomon Sulzer sang die bei Leichenbegängniffen üblichen ebräischen Gebete. Hebbel hörte gespannt zu. Plötzlich faßte er mich heftig am Arme und sagte: „Ich hörte heute zum ersten Male die Laute der Bibel und Propheten in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden ans Ohr schlagen zu hören. Weil sie an ihrer Sprache sesthalten, sind die Juden ewig. Kein Volk der Erde hat ein Document aufzuweisen, wie es das alte Testament ist. Die Juden können noch reden, wie Mose sprach, mit denselben Worten und Wendungen. Mir ist, als verstünde ich mehr die vom Prediger in der Ursprache gesprochenen Bibelverse, als die, welche er deutsch vorträgt. Kommen Sie fort, ich leide zu sehr unter der Erhabenheit." — Der tiefe Eindruck, den der Psalmengesang in der Ursprache auf ihn machte, äußerte sich noch auf dem Heimwege vom Friedhofe. Als ich ihm erzählte, daß die Juden ihre Begräbnißstätten „das Haus der Welt" oder „der gute Ort" nennen, blieb er stehen und wiederholte in mächtiger Erregung: „der gute Ort! der gute Ort! Ja. das ist er, es giebt keinen besteren. Wer einen Hauch von der Gottesbegeisterung der Psalmen in sich aufnehmen könnte! Was sind die Hymnen Pindar's gegen die Psalmen. Ein Volk, das aus sich einen Dichter, wie König David einer ist, und die Propheten hervorgehen sah, darf sich mit stolzem Bewußtsein rühmen, ein auserwähltes zu sein. Es rollt selbst in den modernen Juden, trotz starker Verdünnung, etwas wie ererbter Geistespurpur in den Adern. Meine nächsten und vertrautesten Freunde sind Juden, von denen sich auch einige taufen ließen. Ich haste jedes Renegatenthum. 45 Correspon-enz. Parchim i. M. im November. Herr vr. Kayserling ist im Jrrthum, wenn er in Nr. der allgemeinen Zeitung des Judenthums das Jahres Den größten Raum in den Erinnerungen Meißner's! 1785 als Geburtsjahr des vorstorbenen vr. Salomon angiebt. nimmt Heinrich Heine ein. Dieser Dichter steht uns aber zu > fern, als daß wir nicht unsere Leser auf das Buch selbst > verweisen sollten. — Da wir uns einmal auf dem Gebiete der Erinnerungen j befinden, wollen wir noch Folgendes hinzufügen. Ter greise | 2ubtDiQ August Frankl hat jüngst aus dem reichen Schatze seiner Begebniste mit bedeutenden Männern drei Broschüren 1784, nicht 1785. ist das Geburtsjahr. 17. Marcheschwan 5545=1. November 1784. 17. Marcheschwan 554(5 21. Oktober 1785. 1. November 1785 28 Marcheschwan 5548. M. Cohn, Thierarzt.