Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1884)
- Date
- 1884-11-25
- Page
- Seite 771 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227550--42203-3310742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
771 wir wußten, daß es zwischen ihren Ueberzeugungen und den unscrigen keine Brücke gebe." — „Hartmann war Jude, aber die vielen Schmerzen, welche die Juden von heute plagen, hat er meines Wissens nicht durchgemacht. Kränkungen seiner Abstammung wegen hat er nie erfahren. Damals, in einer Periode des Humanismus, hatte man den Juden gegenüber das Gefühl, sie Jahrhunderte lang in ein Ghetto gesperrt und sie darin nicht selten mißhandelt zu haben, und empfand ein Bedürfniß, das Unrecht durch Schonung gut zu machen. Man ignorirte in Gegenwart eines Juden deffen Judenthum und das Judenthum überhaupt; kam doch die Rede darauf, sprach man von den „Israeliten" als abwesenden Leuten. Der gebildete Jude dagegen hatte sich in dieser Zeit des Liberalismus von seinen Traditionen abgekehrt und hatte das lebhafteste Bestreben, durch Erziehung, Bildung. Sitten den Christen gleich zu werden und durch nichts von ihnen abzustechen. Hartmann war kein Verehrer altjüdischer Traditionen, aber das alte Judenchum, wie man es in Prag vollauf zu sehen bekam, hatte für uns Beide den Reiz eines Curiosums." — Was hier Meißner über Humanismus und Toleranz gegen die Juden sagt, beweist, daß diese doch nur die Ober- 1 fläche überdeckten. Man wird unwillkürlich an den Ausspruch Napoleons über den „Kosaken" erinnert. Meißner selbst erwies dies später in seinen Prager Romanen und es leuchtet für damals aus einer Anekdote heraus, die er von dem berühmten Anatomen Joseph Hyrtl erzählt: Der „Mann der Leichen und der Bücher", wie er sich schon damals nannte, war immer unnahbar, feierlich und ernst, aber hatte zuweilen humoristische Anwandlungen, die bei seiner sonstigen Weise um so frappanter wirkten. Nur ein Beispiel davon. Israel war unter uns stark vertreten und wir hatten neben den in Prag stark verbreiteten Bebeles, Fleckeles, Kneipeles und Jeiteles auch einen Collegen Jerusalem. Als nun dieser in der Semestralprüfung Unglück gehabt hatte, trat der Profesior Tags darauf mit grotesker Trauermiene in den Saal, schlug nach der gewohnten langen Pause die Hände zusammen und rief klagend: „Weine, Israel, weine. Zerreiße deine Kleider, bestreue dein Haupt mit Asche. Jerusalem ist gefallen!" Wir aber waren der Ansicht, daß dieser Jerusalem habe fallen müsien, um dem Professor Anlaß zu diesem Witze zu geben."-Uebrigens fiel auch Moritz Hartmann bei der Prüfung in der Mathemattk durch, für welche er jeder Beanlagung entbehrte. So konnte er in die Universitätsllafse nicht Hinaufrücken und ging nach Wien. Hier war es Anfangs schlecht um ihn bestellt und es gefiel ihm daselbst durchaus nicht. Er schrieb u. A. an Meißner: „Ich versichere Dich, die so weit berühmte Wiener Heiterkeit wird Einem unheimlich mit der Zeit. O, die Wiener sind nicht die unschuldigen, heiteren Phäaken, sondern größtentheils dem moralischen Untergänge zutanzende, sardanapalische Eunuchen." Bald aber (1840) kam Hartmann als Hauslehrer zweier Knaben in j das Haus eines Banquiers, wo es ihm sehr gut erging. Später trafen Meißner und Hartmann noch öfters zusammen, stets in der innigsten Freundschaft. Bekanntlich lief Hartmann nach langen Fahrten endlich in den Hafen der Sicherheit ein, nämlich als Redacteur des Feuilletons der damals in ihrer höchster Blüthe stehenden „Neuen Freien Presse", und — starb bald darauf.- (Forts, folgt.) Anzeigen. Ty* 4-p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- XilDCl Ui IC folgende Wochennummer bis spätestens Bonnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Eilialen in Berlin etc. zu adressiren. Bekanntmachung. Die Stelle eines Secretairs der hiesigen Hochdeutschen Jsraelirengemeinde soll in Fotge Ablebens ihres bisherigen Inhabers neu besetzt werden. Das Gehalt beträgt M. 3000.— jährlich, außerdem sind dem Inhaber der Stelle in verichiedenen Testamenten Jahreseinkünste von etwa M. 260.— ausgesetzt. Bewerber, welche den Nachweis eines streng religiösen Lebenswandels und der Befähigung zur Buchführung und Bureauleitung zu liefern haben, wollen ihre schriftlichen Meldungen bis zum 15. December d. Js. an den Unterzeichneten Borstand portofrei einjenden. fit. 2643) itttoao, den 30. Oetober 1884. Der Borjkaad der Lodi deutsch«» 3 |xaclüeagtm<md<. Die Stelle eines IB.112L1 i Religionslehrers und Cantors iri Reumark ist sofort oder per später zu besetzen. Bewerbungen mit Beifügung von Original- Zeugnissen >n,d an Unterzeichneten einzurelchen. Das iUcpräscatantea-Collegium der jüd. evemeiadc za Reumarkt. Kalmus. Ein jüd. Schweizerdegeu, Mll der Tritt-Schnellpresse vertrau!, sowie auch im Accioeuz-Satz geübt, kann bei genügender Leistung sofort dauernde Bejchastigung finden in einer mutteren Accidenz- Dructerei in Kopenhagen (Dänemark). Gehalt monatlich 40 Mark bei freier Kost. (Sabvarh frei.) Offerten mit eingelegten Zeugnissen zu senden an Kalk S. Simoafea, Buchdruckerei- I besitzer, Kopenhagen, Krystalgade 17.! Cfeüt eine Verwandle, Israelitin, ein in ö jeder Beziehung achtbares junges Mädchen, von angenehmem Wefen und hübschem Aeußeren, mir einem disponiblen Vermögen von vorläufig 2>.00 Mk. und Aussteuer, wiro ein Geschäfismann, Lehrer oder Beamter in gesicherter Stellung ge>ucht. Offerten unter L. Si. 238 befördert «adols Moste, Leipzig. Lcha-chauim, welche in feinen Kreisen verkehren, wollen Adresse Mil Angabe von Reierenzen niederlegen bei Rudolf Moste, Berlin 8. W. unter Chiffre J. C. 59Ö0. [B. 232711 ^ß^Cine Schülerin od. j. Mädchen (mos.) find. 1 wiev. vorz. Pens, wie Äusb. in sprach., ÄLijienfchaft u. Lülrryfch. Cmps. d. Hrn. vr. Krault, 1)r. Holzmaua u.l)r.Kirfchstrm. Berlin, Ora- ( nieuburgerstr. 56 a. Frau lvtiuua Wassermann.