Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-11-11 · Heft 46 (11.11.1884) · p. Seite 738

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 46 (11.11.1884)
Date
1884-11-11
Page
Seite 738 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227548--42168-3310705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

738 referirte derselbe dem Vorstände ausführlich. Aus seinem Berichte sind Auszüge in der angeführten Nr. gegeben worden. lieber die Chcdurim sagt er u. A. Folgendes: „Das Cheder ist die Brutstätte des Elends. Hier wird noch heute mehr als die Hälfte der jüdischen Jugend Galiziens planmäßig geistig und körperlich verkrüppelt und arbeitsunfähig gemacht. Mit dem vierten, spätestens mit dem fünften Jahre wird das Kind in diese Folterkammer geschickt, die Opposition des fanatischen Haufens aufs Heftigste entzünden würde. An eine solche plötzliche Beseitigung des Chederunwefens ist daher kaum zu denken. Er schlägt daher eine Reform in der Weise vor, daß man zunächst in den Hauptstädten Galiziens mit fämmtlichen Melamdim (Lehrern der Cheders) ein Uebereinkommen treffe, wonach sie gruppenweise in mehreren gesunden Localitäten mit ihren Zöglingen untergebracht würden und jedem solchen Cheder ein Lehrer für die Volkswo cs durch 10 Stunden täglich und darüber in einer jeder ^"^kgenstände beigegeben nürde. ^zch habe hierbei, sagt Beschreibung spottender Atmosphäre fortwährend mit einem!"' zunächst Lemberg im Auge, wo ich mit Hilfunseres und demselben Gegenstandgemartert wird. Besucht m°n! Vertreters SS Cheder-Melamdin, mit über tausend diese Ch-durim, disas, überall denselben Jammer d-rbi-t-n.! gingen -ruirt Habe. Natürlich giebt es deren noch mehr, so wird man von einer unsäglichen Wehmuth, vom tiefsten. —iunmiliche Melamdim erklärten sich mit einer solchen Reform Schmerze erfüllt über di- Verheerung, welchdieselben aus -inb-rfl-ud-n. .. - Senn ei uns nun gelänge, vorerst auch dizarten und hilflosen Kinderseelen ausüben. ,«cht- bis!"»r in Lemberg -insolch- R-sorm des Ch-derwes-ns dnrchneunjährige Kinder werde» mit den talmudischen T-nktat-n!»>«*-». so wäre damit ei» b-d-ulungsvoll-r Schritt nach „Gittin-! und „Ketnboth-l gequält., In einem engen,!Vorwärts gethan. Eine solche R-s°rm würde bald Nach, schmutzigen, hermetisch verschlost-ncn. von einer greisbar dicke» I °hwung ™ 9«"8«< Lande finden, und wenn di- Cheder- Luft erfüllten Raum sitzen und stehen, je nachdem es die spärlichen, keinen Halt gewährenden Bänken gestatten, 60—.^0 Kinder, welche in vier Gruppen gctheilt sind, deren jede von einem Melamcd (Lehrer) bearbeitet wird. Ein heilloses wüstes Geschrei dringt an unser Ohr beim Oeffnen der Thür. jugend einmal das Schreiben, Lesen und Rechnen erlernt hat, dann ist sie schon der Verwahrlosung und Bettelei entriffen, dann hören auch — das ist eine anerkannte Thalsache — die frühen Heirathen auf." Hinsichtlich der, die öffentlichen Schulen besuchenden Lehrer und Schüler bieten denselben trostlosen Anblick toer ’ jübiWen Kinder, stellt sich aber ein anderer großer Uebel- Verwahrlosung dar. Beide in Hemdarmcln, abgerissenen!'^ h"°us, In diesen Schulen ist sür den jü. Kleidern und fast durchg-h-nds baarsnß. In den G-fich,s. i bisch-n Reli g i °ns u»t°rrich t u icht im m ind-st-n zügen B-id-r hat di- Roth ihrunverwüstlichen Spuren -in. 9Es giebt in Galizien Städte, in welche» nahegegraben. Volle und irische Üinderwangen sind nur feiten' ä“ «‘e der schulpflichtigen jüdischen Kinder die öffent. zu sehen. - Die Lehrer find mit Stocken und Pfeifen be. Schule b-lucht und nicht den geringsten Unterricht in waffnct, betäuben das Ohr mit ihrem Gekreisch und erfülle» der Religion erhält, so daß tausende jüdischer Kinder ahnden Raum mit Rauchwolken. Und als ob es au tem noch! die g-ringst- Kenntnis der Religion und Geschichte ihres nicht genug wäre, dringt aus der angrenzenden rauchigen und finstern Küche erstickender Qualm in die Stube, und in der Küche selbst — liorribile dictu — sitzt eine Schaar Mädchen im zartesten Alter beim hebräischen Unterrichte. In der oben Küche ist nämlich die Mädchenschule. Volkes heranwachsen. Es erfordert dies sicherlich eine thatkrästige Abhilfe, die durch Anstellung befähigter Religionslehrer an diesen öffentlichen Schulen geleistet werden könnte. daß der Landtag hierfür seine gewichtige Stimme abgegeben hat. Was uns hierbei mit Schmerz erfüllt, ist, daß selbst die Gemeindevorstände, in welchen das ch will dieses grauenvolle Biid, dessen Anblick nur das ch„,,-idische Element leinen Platz hat, diese heilige Pflicht zoer; zerriß, nicht weiter aiissübren und nur angedeutet haben, vernachlässigen, so daß selbst in Lemberg mehrere tan. wie dringend nöthig hier eine Abhilfe ist." send jüdische Kinder jedwedes Religionsunterrichtes entbehren. Wer dies liest, wird den Wunsch hegen, daß der oben Tie Reform des Chedcrwescns, die Anstellung von Religionsangeführte Beschluß des Landtages, sämmtliche Chedurirn lehrern an den öffentlichen Schulen und die Gründung einer mit Einem Male auszuhellen, zur Ausführung komme. Aber Lehrerbildungsanstalt werden daher in dem Berichte des Bcrder Berichterstatter der Allianz ist dieser Meinung nicht, einssekretairs der Allianz beantragt. Außerdem sei das Betheils weil diese Aufhebung sich in Galizien nicht durchführen streben, in Galizien stärker anzuregen und möglichst zu unlasse, thcils weil consessionelle Schulen in chassidischen Gemeintcrstützen, einen größeren Theil der jüdischen Jugend zum den zu gründen, jetzt noch eine Unmöglichkeit sei, ferner, weil Erlernen von Handwerken anzuleiten, als es gegenwärtig noch es an der nöthigcn Zahl geschulter Lehrer durchaus fehle der Fall ist. Es müßte dies im Lande selbst geschehen; denn und erst eine Lehrerbildungsanstalt gegründet werden müsse, galizische Knaben, die in Wien ein Handiverk erlernen, kehren Endlich, weil daraus ein gewaltiger Streit entstehen würde, der in der Regel nicht nach ihrer Heimath zurück.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.