Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1884)
- Date
- 1884-11-04
- Page
- Seite 713 (sequence 5)
- Language
- German
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713 Burger Rede, man weiß nicht wen, einhüllen wollte, werfenj Ketzer; ungläubige unwissende Schweinefleischfresser; ich habe die Antisemiten auf den Minister selbst. (Lebhafte Heiterkeit.) i gelesen . . . (Redner erwähnt mehrere Bücher, spricht noch Das Vorgehen des Ministers in Sachen des Ärader! weiter von Juden und Freimaurern.) Confliets ist unpatriotisch und giebt ein eklatantes Beispiels Emerich Jvanka: Man muß dem Menschen das Wort von Socialismus und Communismus; es gehört vor das i entziehen! Man kann keinen Abgeordneten anhören, der hier Strafgericht. (Lebhafte Heiterkeit.) Er beantragt daher, den anwesende Abgeordnete beleidigt. Auch ich bin Freimaurer! Minister Tresort in den Anklagestand zu versetzen. (Langau- Baron Gabriel Andreanßky: Der Präsident muß den haltende stürmische Heiterkeit.)! Herrn Abgeordneten zur Ordnung rufen. Da nur die Antisemiten die wirklichen Liberalen sind,! Präsident: Erst werde ich Sie zur Ordnung rufen, dann können es nicht Jene sein, die auf der anderen Seite des! den Herrn Abgeordneten Jvanka. (Stürmische Zustimmung Hauses sitzen. (Heiterkeit.) Um den Liberalismus der Re-! rechts.) gierungsvartei zur Probe zu stellen, proponirt er als neuestes! Redner fährt fort, zu erzählen, was er in alten jüdischen Testament die „Statuten der neuen religionspolitischen Ge- Gebetbüchern gefunden. sellschaft", in welchen Kaiser und Papst geschmäht und die! Präsident: Ich bitte, ich höre mit großer Geduld Ihre Eommune verherrlicht wird. Elukubrationen an. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Nachdem Präsident: Ich bitte, Herr Abgeordneter, das geht denn Sie jedoch aus jener Zeit des Alterthums, in welcher jede doch auch als Spaß nicht an. (Zustimmung rechts.) Confession ihre Glaubenslehren mit Fanatismus verbreitete... Jgu. Zimandy: Bitte, ich sage das sehr ernst. (Lebhafte Zimandy: Ich will schon schließen. Heiterkeit.) Präsident: Nachdem Sie, wie gesagt, ihre Raisonnements Präsident: Ich bitte Sie, Herr Abgeordneter, sich zu eraus aus alter Zeit stammende Lehren stützen und hieraus innern, daß Sie sich hier im Saale des obersten Berathungs- Ihre Waffen zur Anfachung von Zwistigkeiten schmieden, sorums Ungarns befinden. Ich bitte, sich so zu benehmen, während doch jeder gebildete Mensch heutzutage Religionswie es einem Manne geziemt, den man als Abgeordneten in! gleichheit und Duldung verkündet (Lebhafte Zustimmung rechts), diese Versammlung gesendet hat. (Lebhafte Zustimmung 1 so ist es meine Pflicht, Sie nun zum dritten Male aufmerksam rechts.) i;u machen, daß Sie in dieser Weise nicht sortfahren dürfen. Ignaz Zimandy: Ich frage Sie nun, ob Sie dieses Schon seit vier Jahren bin ich Präsident des Hauses Programm unterschreiben wollen? (Heiterkeit.) Und das haben und noch niemals war ich in die traurige Lage versetzt, Jedie Freimaurer in Ungarn unterschrieben. Emerich Jvanka: Das ist nicht wahr! Zimandy: Ich habe Dokumente. Emerich Jvanka: Auch das ist nicht wahr! Zimandy: Wer stört also den Frieden unter den Confessionen? Wer anders als die Freimaurer! Emerich Jvanka: Es ist nicht wahr! mandem das Wort entziehen zu müssen. Wenn Sie aber fortfahren solche Ausdrücke zu gebrauchen und so zu hetzen, so werde ich gezwungen sein. Ihnen gegenüber meine Pflicht zu erfüllen. (Stürmische Zustimmung rechts.) Ignaz Zimandy schließt seine Rede hieraus mit der Berufung aus ein im Jahre 1664 erschienenes Werk vom Rabbi Vitalis und aus andere moderne rabbinische Werke, in wel- Zimandy erzählt nun, wieso er Antisemit geworden. Er chen das Vergießen vom Blute christlicher Jungfrauen ein zählt eine unendliche Liste von talmudischen Werken aus, die gottgefälliges Werk genant wird. (Eljen-Rufe der Antisemiten.) er gelesen und studirt. Er hat daraus gelernt, daß der Jude S. w. u. die Erklärung der Rabbiner und Professoren mehr dem Rabbiner gehorchen soll als der Bibel und den von Pest. Propheten. Redner giebt sein heiliges Ehrenwort daraus, llldaß dem so sei. (Rufe: Es ist nicht nothwendig!) Nach den Die Adreß« oder Judendebatte im ungarischen Abgeord- Taten des Talmud ist jeder Schächter oder Rabbi unfehlbar, netenhause, das sich durch die Rede Zimandy's lies verletzt In diesem Style fortsahrend, gebraucht Redner einen unfläfühlt, erreichte gestern ihren Höhepunkt durch die sensationelle thigen Ausdruck. (Großer Lärm.) Rede des Minister-Präsidenten. Hervorgerusen wurde dieselbe Präsident: Wenn der Herr Abgeordnete noch einen solchen durch einen scharfen Angriff des Oppositionellen Fenyvessy, Ausdruck gebrauchen sollte, so werde ich ihn niedersetzen heißen, der, nachdem er die Adresse der Antisemiten beleuchtet, sich Wir sind hier im Abgeordnetenhause Ungarns, welches jeder an den Minister-Präsidenten wendet und treffend bemerkt, Ungar zu respectiren hat. der Antisemitismus habe Niemandem so gute Dienste geleistet Ignaz Zimandy: Ich habe gelesen und gelernt aus den wie der Regierung, denn er habe einen großen Theil der Büchern der Rabbiuen, daß die Rabbinen, die für unfehlbar Wähler, die Juden nämlich — in das Lager der Macht gegehalten werden, behaupten, die Christen seien verdammte, drängt und man behaupte auch, er wisse nicht, ob es wahr