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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-10-28 · Heft 44 (28.10.1884) · p. Seite 706

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 44 (28.10.1884)
Date
1884-10-28
Page
Seite 706 (sequence 14)
Language
German
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706 liten aus früheren Zeiten bestehen in den sogenannten Hebammenbüchern. Es sind dies die Aufzeichnungen, welche die herweilige Gemeindehebamme bei der Geburt eines Kindes vorgenommen; doch sind diese Aufzeichnungen selbst insofern wieder nicht ausreichend, weil der Name des Kindes nicht angegeben, und es einfach heißt: Dem N. N., Sohn des N. N., wurde an dem und dem Tage ein Sohn oder eine Tochter geboren. Nun, wer daher die ungefähre Geburtszeit kennt, dem ist es möglich die Identität und den genauen Geburtstag festzusetzen. Solcher Hebammenbücher existiren drei. Das älteste umfaßt den Zeitraum vom Jahre 1748 bis 1780, das zweite vom Jahre 1780-1798, das dritte vom Jahre 1798 bis zu Ende des Jahres 1805. Vom Jahre 1806 an sind die Einträge in regelmäßiger Form vorhanden und haben die Aufzeichnungen durch die Hebamme aufgehört. ' Das Jahr 1786 als das Geburtsjahr Börne's befindet sich daher in dem zweiten Hebammenbuche. In diesem Buche fehlt indessen ein Foliobogen, gleich 4 Seiten, den Zeitraum vom 11. April bis zum 13. Juni 1786 umfassend. Da nun ein urkundlicher Beweis nicht beizubringen, auch von mir bei den Verwandten Börne's eingezogene Erkundigungen einen Erfolg nicht gehabt haben, so darf ich wohl meinem Gewährsmann für den 6. Mai 1766 als den richtigen Geburtstag Glauben schenken. Mein Gewährsmann aber ist Börne selbst. In einem seiner Aussätze: „Testament der Zeitschwingen", vom Jahre 1819 heißt es unter Anderem: Erst gestern sagte ich mit thränenden Augen: ich wollte, ich wäre in meinem 79. Jahre am 6. Mai 1786 sanft gestorben, statt daß ich an diesem Tage erst geboren bin." Nun könnte man vielleicht entgegnen, darauf sei nicht zu gehen, es könne eine poetische Fiktion fein; aber wenn auch hierzu ein Grund gar nicht vorhanden ist, so bringe ich noch den weiteren Beweis, daß Börne eine Zuschrift, welche er am 18. Oktober 1808 an die Gesellschaft „zur ausgehenden Morgenröthe" dahier richtete, unterzeichnet hat: Ludwig Baruch, Doctor der Philosophie, geboren zu Frankfurt am Main den 6. Mai 1786. Correfpon-enz. Tie Benediction "i'-'S'N. Allgemein wird diese unsere alltägliche Benediction aufgefaßt als ein Lob der göttlichen Weisheit, wie wir sie in dem wunderbaren menschlichen Körperbau erkennen. — Hieraus aber ist doch zu fragen: 1) Bekundet nicht schon das kleinste Insekt oder auch jedes einzelne Glied an uns die Weisheit Gottes? — 2) Ist denn wirklich das leicht zerstörbare Gewebe des menschlichen Leibes ein gut gewählter Gegenstand, um dafür Gott zu loben und ihm zu danken? und 3) klingt nicht der ganze Pasius '-ci j:vri ^b: darin recht fade; dem Schöpfer lobend und dankend zu sagen: Dir ist die Schwächlichkeit Deines Geschöpfes wohl bekannt? — Dieser mehrfache Anstoß leitete mich zu einer anderen und nach meiner Einsicht besseren und richtigeren Auffassung. Nämlich das 2 Präfixum von dem Worte nozr-.z.' ist nicht gleich mit dem, wie etwa in "i'j.rrns« urv". (n^np 9, 15) das der Lateiner mit per übersetzt, sondern gleich dem, wie in 1, 16) lateinisch cum; zu Deutsch kann man für beide mit stellen, doch begrifflich richtig für das erste mittels und für das andere zugleich mit. Demnach preisen wir darin unfern Schöpfer, daß er dem Menschen als Krone der ganzen Schöpfung ein Fünkchen seiner unbegrenzten Weisheit eingehaucht, und doch ihn so geschaffen hat, daß derselbe einer leicht eintretenden Hinfälligkeit und Widerlichkeit von allem Fleischlichen unterworfen ist; und dies ist nicht etwa ein gewisses Mißlingen des größten Meisters, vielmehr lag es gerade in der Absicht des allmächtigen und allgütigen Gottes, daß der Mensch, wenn er den kleinen Keim zur Weisheit in sich entwickelt, sich darum nicht überheben, vielmehr durch seine schwächliche, fleischliche Beschaffenheit oft an seine Nichtigkeit erinnern soll. Wir bekennen also und danken zugleich der Vorsehung auch für unsere leichte Zerstörbarkeit, weil wir darin ein Mittel sehen, wenn wir ein Stückchen Weisheit erlangen, uns vor Wahnweisheit zu schützen, die uns auch dahin bringen kann, selbst den Geber der wahren Weisheit zu verleugnen. Sehr weislich ist daher dieser Segensspruch an die Spitze unserer Morgengebete gestellt und wird nachmals täglich noch wiederholt. Möchte er aber auch in diesem Sinne begriffen werden. Lutomirski. Nachschrift der Redaction. Wir theilen die Ansicht unsres geschätzten vieljährigen Corresp. über das in Frage stehende Gebet nicht. Statt der gewöhnlichen Deutung „der den Menschen in Weisheit gebildet", sollen “Dir,:: — rä- ~se\n heißen: „der dem Menschen Weisheit anerschaffen hat." Sehen wir uns das Gebet genauer an. Es endet mit dem Segensspruch: „Gelobt seist Du, Ewiger, Arzt alles Fleisches" und enthält hiernach die Bitte um Beistand und Heilung in den so leicht eintretenden Krankheiten des menschlichen Körpers. Ta lag es aber in der Pietät des jüdischen Geistes, die An- > erkennung vorauszuschicken, daß, ungeachtet dieser leichten Verletzbarkeit, der Mensch von Gott in Weisheit gebildet worden. Dies ist Alles folgerichtig. Von einem Keim der Weisheit und dessen Entwickelung im Menschen findet sich in diesem Gebete nicht die geringste Andeutung. Dagegen spricht sich über das seelische Leben des Menschen, unsrem Gebete über den menschlichen Leib analog, das bald darauf folgende

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