Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1884)
- Date
- 1884-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Iudmthunls. Ein nnpaüciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. iPreis vierteljäbrig 3 Mark. Abonne- Iment in Deutschland (Postzeitungsliste | INr. SS) und Lesterreich bei allen Posrjämtern, außerdem durch den Buch-1 Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig PhUippson in Bonn. GzepeöiLiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. (ln redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Lerlaashandlung. Beilagen (Gebühr >2M.) sind gleicbsall» an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 28. Oktober 1884. No. 44. Inhalt. Leitende Artikel: Unsere Ziele. — Warnung de-5 Board of Guardians for t.he Iltdiet of tlie .Tewisli Poor. — Ans dem Ungarischen Abgeordnetenhause,!. — Petersburger Briefe. Unsere (siegenwart und Zukunft. VI Sdpttfj) — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Teutschla nd: Berlin. Leipzig. Breslau. Gießen. Coslin. Hagen. - Oencrreich-Ungarn: Pest, Krakau.— Frankreich: Algier. — Rußland: Rischny-Nowgorod. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ueber L. Börnes Geburtstag. Bon Elias Ullmartb. — (Korrespondenz. Seiten?? Oiltlscf. Bonn, 22. Oktober. linfere Ziele. Tie Zeiten verändern sich: das heißt die Richtungen, die Erscheinungen und Ereignisse werden andere, modificircn den geistigen Inhalt und schassen neue Bedürfnisse. Gerade deshalb muß ein Zeitblatt, welches durch ganze Perioden dem Laufe der Tinge folgt und seinerseits auf denselben Einfluß zu üben bestrebt ist, sich der Zeitlage stets bewußt sein, ihr zur Seite feste Absichten und Motive haben und diese auch unverhohlen aussprechen. Wir haben dies so gehalten vom Beginne unserer redactionellen Thätigkeit an. Wir verweisen auf die Reihe von Artikeln im ersten Jahrgang dieser Zeitung Nr. 41 ff. „Heber die Grundsätze der Redaction"; und wie oft haben wir uns in derselben Weise unter den Rubriken * 1 geäußert: „Was Noth thut?" „Was wir wollen", und dergl. Denn je klarer Redacteur, Correspondenten und Leser über die i Verhältniffe der Zeit und deren Bedeutung, sowie über die! Ziele und Wege, die innerhalb jener zu verfolgen seien, sind! und denken, desto schneller und bestimmter stellen sich auch die Mittel vor, durch welche man zu jenen Zielen gelangen könne. Nun, daß sich die Zeiten in den letzten Jahrzehnten j söhr geänoert haben, brauchen wir nicht erst auseinander zu setzen. Sie sind verworrener und zerfahrener, von den verschiedenartigsten Leidenschaften bewegt, ja durchschüttelt und unterwühlt worden. Darunter haben Religion, Sittlichkeit und gesunde, vernünftige Anschauung sehr gelitten, und es macht sich so viel Sophisterei und Heuchelei geltend, so viel Parteiverblendung, Parteiegoismus und Parteihaß, daß sich selbst tüchtige Geister nicht mehr gut zurecht zu finden wissen. Ta sehen wir uns denn ausgesordert, kurz und bündig einmal wieder aufzustellen, was unsre Ziele sind, was wir namentlich in dem Rahmen dieser Zeitung und soweit durch dieselbe unser Einfluß sich erstreckt, bezwecken und zu erreichen suchen. Wir wollen sie einfach zusammenstellen. Sie sind: 1) der Kamps gegen den Antisemitismus, den offenbaren und den geheimen; 2) die intellectuelle, sittliche, sociale und po litische Bildung und Hebung unsrer Glaubensgenossen in allen östlichen Ländern; o) die Hebung und Stärkung des religiösen Si..nes nach allen seinen Beziehungen und 1) die wissenschaftliche und populäre Durcharbeitung des Judenthums im Geiste der Eullur. — Es bedarf über alle diese Punkte keiner langen Auseinandersetzungen. Ja, wir halten jene Grundsätze der Humanität und Aufklärung hoch und fest, die aus dem vorigen Jahrhundert in das jetzige hinüberströmten, und welche der heuchlerische Antisemitismus als „hohl und gefährlich" ausschrcit! Ja, wir halten die Gleichberechtigung für das unantastbare Fundament des Rechts- und darum des modernen Staates, der ohne dieselbe zu keiner festen Gestaltung kommen kann, diese Gleichberechtigung, welcher der Antisemitismus den Tod geschworen! Man täusche sich nicht, der Antisemitismus ist nur ein Mittel und eine Larve für die ganze Reaction, welche jetzt wieder die Herrschaft über! die Welt anstrebt, jene Reaction, die theils die unbedingte Ai i