Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1884)
- Date
- 1884-10-07
- Page
- Seite 657 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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657 wie vor das Ziel eifriger Sammlerlhätigkeit für den Ehrgeiz der hervorragendsten europäischen Bibliotheken. Die bibliographische Aufnahme dieses handschriftlichen Besitzstandes erfolgt sogar im Aufträge der Regierungen und aus Staatskosten; aber hierdurch wird nur die wissenschaftliche Neugierde geweckt, nicht befriedigt; wir erfahren nur um so besser, um so vollständiger, was Alles wir entbehren, wie viel der Forschung vorenthalten bleibt. Und doch bildet die jüdische Literatur in hebräischer Sprache einen nicht minder wichtigen Beitrag zur Erkenntniß des Mittelalters, seiner Geschichte, Cultur und Literatur als sonst irgend eine andere. Es ist unzweifelhaft, daß die allgemeine Wisienschaft immer mehr dieses ihres vernachlässigten Gebietes sich annehmen wird und die öffentliche Herausgeberthätigkeit auch den Ueberresten unseres Schriftthums früher oder später die gleiche Liebe zuwenden dürste wie den übrigen. Aber wir können und dürfen nicht warten; wir müssen vielmehr in zuversichtlichem Vertrauen auf die entgegen- und nachkommende Mithülfe weiterer Kreise endlich einmal mit dem Bestreben Ernst machen, die literarischen Schätze unserer Vergangenheit ans Licht zu ziehen." «Was die Schriften betrifft, welche durch den Verein veröffentlicht werden sollen, so betrachten wir es zuvörderst als eine Ehrenpflicht den Mitgliedern des ehemaligen Vereines gegenüber, die, wie wir zuversichtlich annehmen, alle dem neugegründeten sich anschließen werden, die Publicationen, die durch das Erlöschen des Vereins eine Unterbrechung erfahren haben, zum Abschluß zu führen. Wir haben aber nicht nur dafür Sorge getragen, daß z. B. Lampronti's gewaltige talmudische Encyclopädie (pnir ~ns) allmälig bis zum ( herausgegeben werde, sondern auch Anstalten getroffen. die in Ferrara vorhandenen handschriftlichen Nachträge und Ergänzungen unseren Mitgliedern mit der Zeit zugehen sollen. Eine überreiche Liste dringend wünschenswerther Publicationen ist zusammengestellt, aus der in jedem Jahre nach dem Beschluffe des Comitö's einige ausgewählt werden sollen: Tic Responsen-Sammlungen der Geonim mr.trr) aus den Schätzen von Petersburg. Die Halachot-Gedolot rrcr-) in der Vaticana. Einige der ältesten Commentare des Jezira- Buches (---«t '□ bv -^vs). Das Machsor Bitry nach den Handschriften in England und in Reggio. Das 'r von Joseph Kimchi. Der eigentliche Text des so wichtigen Buches der Frommen (zr'rDn “ec) nach der Handschrift der Derossiana in Parma. Die ältesten noch unedirten Commentare zu den Sprüchen der Väter (jten Ein noch unedirter Commentar zum Einheitsgesang (“ht- Li-; turgische Sammlungen der ältesten und vorzüglichsten Paitanim. ,Das sind so einige der Editionen, mit denen der Verein! seine neue Thätigkeit zu eröffnen gedenkt. Strenge Controle; der Copisten, sorgfältige Angabe der Quellen, aus denen die! Edition veranstaltet wurde, gewissenhafte Corrcctur, möglichste Genauigkeit im kritischen Apparat und Vollständigkeit in der Aufsuchung des handschriftlichen Materials setzen sich, um nur das Wichtigste hervorzuheben, die Herausgeber zur Aufgabe. Die wissenschaftlichen Einleitungen, sowie Anmerkungen und Nachweisungen zu den Texten — Alles natürlich in hebräischer Sprache — sollen dagegen auf das eben nothwendige Maß eingeschränkt werden. Ziel und oberste Aufgabe des Vereins ist es, die verborgenen Texte zugänglich zu machen, nicht deren wissenschaftliche Ausbeutung und Bearbeitung; wir wollen Quellen liefern, nicht Darstellungen." Der Jahresbeitrag ist auf 10 M. festgestellt. Ieuillelon. Die Lude» in der Türkei. Die Juden in Aleppo. Der Euphrat, dem Armenischen Hochlande entströmend und in die weiten Ebenen Mesopotamiens eintretend, nähert sich dem östlichsten Winkel des Mittelmeeres, dem Golf von Jskanderun, bis auf 20 Meilen, um dann durch eine Wendüng nach Südosten sich immer weiter von der syrischen Küste zu entfernen. Während dort im Süden die furchtbare syrische Wüste sich, je weiter nach Mittag, in desto größerer Ausdehnung, zwischen das altberühmte Culturland des Euphrat und Tigris und das die Verbindung mit dem Westen herstellende Mittelmeer einschiebt, erhebt sich hier an dieser Stelle, wo beide einander fast berühren, ein wohlbewässertes Kalksteinplateau zu geringer Höhe, das, abwechselnd mit üppigen Gartenlandschaften und reiche Weide gewährenden Steppen bedeckt, der Cultur ein günstiges Feld bietet. Hier in diesem von der Natur zu großer Bedeutung bestimmten Landstrich liegt, ungefähr halbwegs zwischen Küste und Euphrat, die Bilayets - Hauptstadt Aleppo oder Haleb. Bon hier ziehen die Handelsstraßen einerseits nach W. zu dem Hafenplatz Jskanderun oder Alexandrette, andererseits nach O. zum Euphrat und diesen abwärts nach Bagdad, oder auch ihn überschreitend nach Diarbeke am oberen Tigris und weiter nach Persien und Indien. Auch südwärts nach Damaskus und nordwärts nach Anatolien führen belebte Karawanen - Straßen. So ist Aleppo seit uralter Zeit Mittelpunkt eines großen Verkehrs, der nur durch die unbequeme Passage nach der Küste über den Almadagh (den Jmaus der Alten) und den schlechten Zustand der Häfen erschwert wird. Die Stadt ist mindestens viertausend Jahre alt, wenn es wahr sein sollte, daß auf ägyptischen Monu