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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-30 · Heft 40 (30.9.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 40 (30.9.1884)
Date
1884-09-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Audenthums. Ein unpartciischcs Organ für altes jüdische Interesse. Herausgegeben von dltabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. GzepeöiLion: Leipzig, Moßpkcrh 18. 48. Zahegung. Leipzig, den 30. September 18L4. jVo. 40. ®ieU Aeirunc, erscheine wöchentlich. Preis vierteljährig 2 Mark. AbonnejUtent in Deutschland (Postzeitungsliste Pr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. In rcdaclicmellon Angelegenheiten wende man sich an 1>r. L. Pkittippwn in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlu-'g. Beilagen (Gebühr >2 M.) sind gleichsalls an letztere einzusenden. Inlrslt. Leitende Artikel: Zn Sukkoth. — Der Berliner Antisemitismus. II. — Tie Rumänischen Juden. II. — Zur Statistik der Juden in Preußen von 1816 bis 1SS0. — Literarischer Wochenbericht. — Zcitunstsnachrichtcn: Deutschland: Berlin, Minden. Neustadt a. d. Hardt, Aus Bayern. — Oe it er re ich-Ungarn: Aus Ungarn, Brünn, Aus Galizien. — Frau kreich: Paris. — Rußland: Aus Rußland. — Amerika: Nen-Aork. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Corrcspondenz. £citciv?c ö-il'ißcf. Bonn, 24. September. 3u ZaKKoth. i Es ist ein eigenthümlicher Zug des Judenthums und. zwar von seinem Beginne an: die Erinnerung an die Züge durch die Wüste zu einem Freudenfeste zu machen. Die Erinnerung an diesen 40 jährigen mühseligen Zug durch die Wüste konnte an sich nichts Erfreuliches haben. Eine Reihe; von Stationen wird uns aufgeführt, deren meiste bis auf die I letzte Spur verschwunden sind, also kaum etwas Bemerkenswerthes besitzen konnten; einige Namen geben Zeugniß von den Leiden des Volke»; viele mögen wiederholt besucht worden sein, wie es z. B. heißt: „Lange genug seid ihr herumgezogen um das Gebirge Seir." Es war eine große furchtbare Wüste, wie das h. Wort selbst sagt, und die häusigen Ausstände des Volkes bezeugen doch nicht bloß deffen Unglauben und Ungehorsam, sondern auch die voraufgegangenen Entbehrungen, welche zu den Meutereien aufrcizten. Dabei hatte es keine andere Hoffnung, als das ihm verheißene Land mit den Waffen in der Hand zu erobern, ein Land mit vielen befestigten Städten, und an die Waffen war es nicht gewöhnt. Wer im Leben lange traurige und mühselige Zeiten hinter sich hat, der gedenkt derselben meist nicht mit Freuden, sondern die schweren Lasten, die er getragen, die Schwierigkeiten, die er zu überwinden gehabt, Sorge und Verlust, die ihn betrafen, werfen einen Schatten selbst über die Gegenwart, wenn diese sich auch fröhlich gestaltet hat. Aber nein! die Religion des Judenthums will die Erinnerungen an die Trübnisse der Vergangenheit nicht schwinden lassen, vielmehr recht beleben und immer wieder ausfrischen, aber — mit Wohlbehagen und Lust durchsetzen. Durch das Bewußtsein der glücklichen Gegenwart, durch die Verbindung mit anregenden nnd erheiternden Momenten sucht diese Religion ihren Bekennern selbst die Erinnerung an traurige Zeiten zum Freudenfeste zu machen. Darum verlegte sie diese Erinnerung an die Wüstenzüge nach der Beendigung der Ernte und gestaltete die Feier zu einem Verbrüderungsseste des ganzen Volkes. Wcnigstciis that es der Mosaismus, und auch die Propheten betraten diesen Weg, da sie erklärten: Alle Fasttage des Volkes würden zu Freudenfesten werden. Wohl, vergessen wir dieser ursprünglichen Richtung unserer Religion nicht, auch in unserem privaten Leben nicht! Wir haben dessen nöthig, denn an düsteren Erscheinungen, an betrübenden Ereignissen fehlt! es ja nicht im großen Ganzen, wie im Leben des Einzlnen. ^Aber gerade aus dem Boden solcher Erfahrungen sollen wir j unseren Geist mit Muth, unser Herz mit Freude, unsere Seele! mit dankbarer Anerkennung all' der Wohlthaten füllen, die! uns dennoch immer und immer wieder die göttliche Vorsehung spendet, wenn wir nur den offenen Sinn besitzen, diese > zu erkennen und anzuerkenncn. — Fünfzehn Jahrhunderte saßen unsere Väter — mit der Unterbrechung durch das babylonische Exil — in dem verheißenen und eroberten Lande; gewiß ein verhältnißmäßig langer Zeitraum für ein Volk.!das mitten unter kleinere und größere kriegerische Nationen versetzt war und seinem ganzem Inhalte nach mit der antiken 40

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