Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1884)
- Date
- 1884-09-16
- Page
- Seite 610 (sequence 14)
- Language
- German
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610 that war unserm Lehrer zu kündigen. Dieser nahm die sich auch nicht aufs hohe Roß setze und sich überhaupt so Kündigung an, weil die Ungerechtigkeit in der Gemeinde! betrage, daß er auch wirklich als Lehrer, d. h. Vorbild und überhand nahm. Denn man sagte ihm ins Gesicht, der Muster angesehen werden kann. Lehrer dürfe unter keinen Umständen gegen einen Baal'boos auftreten, noch weniger im Gericht, selbst wenn der Lehrer Recht habe; denn der Lehrer sei der Untergebene, die Mitglieder die Herrschaft. Wo der Lehrer sich nun hinwandte, um eine Stelle zu bekommen, schrieb der saubere Patron Vermischtes. Eine gothische Synagoge. Wien besitzt seit Kurzem eine Sehenswürdigkeit — eine hin, daß der Lehrer kein Unterkommen fand. Er war desgothische Synagoge. Die israelitischen Tempel in Europa halb einige Monate stellenlos und wohnte mit seiner Familie und Amerika sind fast durchgehends in morgenländischem im Gemeindehause. Dieser Patron wollte nun sogar den Style erbaut: in Deutschland finden sich aber vereinzelte Lehrer auf die Straße setzen; dazu lieh ihm aber die Polizei Tempel im gothischen Style, so in Worms und Hamburg, ihren Arm nicht. Schließlich wandte sich der Lehrer an Der einzige gothische Tempel in Oesterreich ist die bekannte ganz kleine Landgemeinden, welche ihm aber gar keinen Be- Alt- Neuschule in Prag. Nun hat auch Wien einen solchen scheid gaben, wahrscheinlich weil der Lehrer ein Zögling des! Bau; es ist dies der neue Tempel in der Schmalzhofgasie Münster'schen Seminars ist. Er wandte sich auch an einige! in Mariahilf. Derselbe macht in Folge des sonst für solche Rabbiner. Einige gaben unter Bedauern ablehnenden Be- Bauten nicht gebräuchlichen gothischen Styls einen auf den scheid; andere gar keinen. Darunter einige Herren, welche ersten Blick befremdenden Eindruck. Der Bau ist eine Basilika Polen und Russen als Lehrer empfehlen. Ein Rabbiner, mit drei Schiffen und im Style der italienisch-gothischen Reformer, placirte sogar einen Handelsmann, der mit dem Backsteinbauten gehalten. Den Plafond bildet eine flache, Biehhandel sich nicht mehr ernähren konnte, aber zufällig kaffettirte Decke, welche aus eisernen Taversen hergestellt ist, L'n.r war, als Lehrer (!)- Unserm Freunde gab er keinen ■die mit Holz verkleidet und bemalt find. Die einzige Ab- Bescheid auf sein inständiges Bitten. Resultat: Es muß weichung von der gothischen Bau-Anlage ergiebt sich durch darauf hingewirkt werden, daß Lehrer, aber nur solche, fest Zeinen rituellen Gebrauch, nach welchem für die Frauen abgeangestellt werden, daß sie nicht bei jedem Schritt erwägen! sonderte Räume hergestellt werden müssen. Der Architekt müssen, wird auch Niemand beleidigt? Auch giebt es einge-. war hierdurch zur Herstellung einer Galerie genöthigt, welche bildete Beleidigungen, die aber der Lehrer doch büßen muß. j sich über den beiden Seitenschiffen und rückwärts über dem Ferner sollen unter allen Umständen die nicht geprüften Sub-l Mittelschiffe befindet. Dieses wird durch eine schöne, gejecte beseitigt werden; und die Herren Rabbiner, welche so l giebelte Apsis abgeschloffen, in welcher die Bundeslade aufgern jedes Subject, das nur ein bischen lernen kann, gestellt ist. Die Bundeslade ist aus Holz in reichem gothiempsehlen, sollen es mit solchen Empfehlungen doch nicht schen Styl geschnitzt und mit schönen Schlofferarbeiten geallzu leicht nehmen. Ferner geschieht bei der Aufnahme, wie schmückt. Abweichend von dem sonst in Synagogen herrschenauch bei der Beurtheilung eines Lehrers das größte Unrecht. Man läßt sich verschiedene Lehrer kommen und wählt denjenigen, der am schönsten oren kann; d. h. auf richtigen Bortrag, mit Berständniß, wird nicht geachtet, nur auf den den Brauche ist die Kanzel, welche an der rechten Seite der Apsis am Fuße des Triumphbogens, auf einem Pfeiler ruhend, errichtet ist. Gegenüber der Apsis ist auf einer zweiten Galerie die Orgel untergebracht. Der Tempel ist Gesang. Auf die Tüchtigkeit als Lehrer, oder auf dessen linnen, dem gothischen Styl entsprechend, bemalt. An den Charakter wird keine Rücksicht genommen. Solche Mißstände Längenseiten sind patriotische Sprüche in hebräischer Sprache müssen unbedingt durch einsichtsvolle Männer in den Geangebracht. An der Fa^ade wird das Hauptschiff durch meinden beseitigt werden. Daß die Gemeinde ihr theuerstes! einen großen Giebel, welcher durch zwei Fialen flanknt wird, Kleinod dem Lehrer anvertraut, daran denkt Niemand. Siej markirt. Die Hauptfront ist durch fünf gegiebelte Portale wollen nur schön geort haben. Daß der öftere Wechsel den i belebt, deren Thüren reich mit Eisen beschlagen sind. Rück- Gemeinden insbesondere und dem Judenthum überhaupt keine 1 wärts ist der Hauptbau ebenfalls durch einen Giebel abge- Ehre bringt, das wird auch nicht bedacht; sowie daß die j schlossen. Unter der Apsis befindet sich eiu leerer Raum, in Freude am Berufe bei den meisten Lehrern schwinden muß! welchem eine nach dem Zirkulations-System angelegte Luft- und nur dadurch das Proletariat des Lehrfaches überhand! Heizung untergebracht ist. Die Synagoge wurde von dem nimmt. Wir wollen auch nicht verkennen, daß der Lehrer-; Tempelverein für die Bezirke Mariahilf und Neubau mit stand auch seine Schattenseiten hat, und wollen schließen mit einem Kostenaufwande von 130000 fl. erbaut, welche aus der Mahnung, daß ein jeder Lehrer voll und ganz seine Sammlungen herrühren, die aus Anlaß der Vermählung des Schuldigkeit thue, schlicht und recht lebe, nicht krieche, aber Kronprinzenpaares veranstaltet worden sind.