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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-09-02 · Heft 36 (2.9.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 36 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Audmthums. Ei« «npartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Nabbincr vr. Ludwig Philippson in Bonn. Kzepeöitiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. (tn redactioncllen 'Jtnqcleacitttciteii wende man sich an I>r. L.PHilivpio» i» Bonn direct, in allen übrige» an die Äerlagsdandlniig. Beilagen (Gebühr^ >2 M.) sind gleicbfalls an letztere einzusenden. Diese b^itung erscheint wöchentlich. Prers vierteljährig 2 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste tir. »2) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 48. Jahrgang. Leipzig, den 2. September 1684. No. 36. Inhalt. Leitende Artikel: Tie Erweiterung und Vertiefung der Lehre. V. — Die Lage der rumänischen Juden. IL — Gegen Gildemeister. — Zeitungsnachrichten: Deutsch!«nd: Berlin, Frankfurt a. M-, Tessin, Aus der Prov. Posen, Lrullgarr. — Oesterreich Ungarn: Pest, Bon der Theiß, Brünn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg, Turek.— Bonn: Aorizen. — Fcuilletou: Einige Erinnerungen an Dr. Eduard Lasters Jugendjahre. — Na chlrag: Petersburg. Bonn, 27. August. Die Erweiterung und Vertiefung der Lehre, v. Wir kommen zum zweiten Theile unserer Abhandlung, zu dem Kapitel über die Opfer. Soweit unsere Blicke in die Geschichte des Menschengeschlechts und der Entwickelung religiöser Empfindungen und Ideen zurückreichen, gewahren wir bei allen alten Völkern den Opfercultus. Wenn auch neben demselben das Gebet als natürlicher Ausdruck der Gefühle individuell oder in Chören vorhanden war, so geschah es doch erst in den letzten Jahrhunderten vor der zweiten Zerstörung des Tempels, daß das Judenthum den Gebetcultus mit Ausschluß von Opferhandlungen schuf, der dann nach der Zerstörung des Tempels an die Stelle des Opfercultus trat, vom Christenthume und vom Islam angenommen wurde, und vermittelst deren den ganzen Opfercultus auch bei den anderen Nationen verdrängte. Bei einer so unbegrenzten Verbreitung des Opfercultus und bei seinem langen Bestände während einer großen Culturentwickelung bis etwa 1b Jahrhunderte vor der Jetztzeit müssen wir annehmen, daß der Opfercultus der ganzen Gefühls- und Denkungsweise des Menschengeschlechtes in dieser früheren langen Periode völlig entsprach und aus ihr entsprungen war. Nun kann doch eine symbolische Bedeutung desselben nicht in Frage gestellt werden. Denn das Schlachten und Verbrennen von Thieren oder Thierslücken und vegetabilischen Stofien an sich konnte kein religiöses Element ausmachen; vielmehr mußte darin ein Gefühl und ein Gedanke enthalten sein, der den religiösen Inhalt dieser Handlungen bildete. Auch die h. Schrift zeigt uns das Darbringen von Opfern fast schon beim Beginn des Menschengeschlechts, und wie es durch die Vor- und erste Periode der religiösen Entwickelung des Menschengeschlechts reichte und den unmittelbaren Ausdruck der Empfindung (Abel, Noah rc.) bildete. Aber schon bei Abraham erweitert sich der geistige Inhalt des Opferns, wenn es heißt: „Er; bauete daselbst einen Altar dem Ewigen selbstverständlich um! daraus zu opfern,) und rief au den Namen des Ewigen." (I. Mos. 12, 8.) Wenn nun mit der durch die Offenbarung bewirkten Erkenntniß ein besonders und sorgfältig geordneter Opferritus verbunden wurde, so ergiebt sich daraus, daß dieser Opfercultus mit den Ideen der Offenbarung durchtränkt ward, indem der Ritus nach den Begriffen der Offenbarung geordnet und mit ihm versehen wurde. Wir haben nun aus den Andeutungen des h. Wortes und der thalsächlichcn Gestaltung des Ritus selbst die Bedeutung des mosaischen Opferritus zu erforschen. Denn, wie wir bereits öfter bemerkt haben, vereinseitigten sich mit der fortschreitenden Intelligenz und der daraus hervorgehenden Verflachung des Gemüthslebens bei dem Volke, in Israel, wie bei den anderen Elationen, die mit dem Opfer verbundenen Vorstellungen, was uns der Kampf erweist, welchen Propheten und h. Sänger gegen den ganzen Opfercultus oder doch gegen dessen Mißbrauch unternahmen. Diese falschen Vorstellungen waren namentlich, daß Gott der Opfer bedürfe und sie also als 36 ist U» 'i:

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