Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1884)
- Date
- 1884-08-26
- Page
- Seite 562 (sequence 14)
- Language
- German
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562 lieutenants, dann 1861 den eine» Obersten; im Jahre 1864 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion ernannt und 1868 in den Ruhestand versetzt. Als der französisch-deutsche Krieg 1870 ausbrach machte er die größten Anstrengungen, um wieder in Dienst zu treten, ungeachtet seines Alters und seiner frühzeitigen Gebrechlichkeiten. Wenn nöthig, hätte er auch einen Grad in der Mobilgarde angenommen und machte, um diesen zu erlangen, unaufhörliche Anstrengungen bei der Mairie seines Wohnortes, des 18. Arrondissements. Aber die politischen Leidenschaften herrschten vor und die energischen und glänzenden Thaten, die er der Sache der Ordnung geleistet, machten ihn dem triumphirenden Radikalismus verdächtig; dcr Soldat, der die in Gefahr gerathene Gesellschaft vertheidigt, mar natürlich inmitten der Commune verdächtig. Er erklärte, er würde sich nöthigensalls mit der Rolle eines einfachen Soldaten begnügen. Alle seine Versuche, seine Dienste, wenn auch in den niedrigsten Stellungen, auf's Neue seinem bedrohten Baterlande zu weihen, waren vergebens, man ließ ihn in der Unthätigkeit sich verzehren. Das war diesem lothringischen patriotischen Israeliten ein verzehrender Stummer, nichts mehr für sein gefährdetes Vaterland thun zu können. Seitdem hat ihn der Kummer langsam verzehrt; er war mehrere Male verwundet gewesen, namentlich im Jahre 1848 und hatte im Dienste zahlreiche Gebrechen davon getragen; aber seine Constitution war eine robuste und erst am 13. Juni d. I. ist er verschieden. Während seines Ruhestandes steuerte Boris eifrigst zu allen Werken öffentlichen Nutzens bei, namentlich zu allen, welche seine Glaubensgenossen interesfirten; denn er hatte ein echt israelitisches Herz; die Leiden der verfolgten Juden in diesen letzten Jahren bereiteten ihm eine tiefe Bitterkeit, ja selbst nagenden Kummer, den er öfter aussprach; nicht allein, daß er für sie von seinem bescheidenen Einkommen hergab, er hätte gern für sie sein Blut hingegeben, wäre für sie gestorben, wie er uns ausdrücklich bemerkte — den Degen in der Hand für ihre Sache kämpfend. Die so lebhaften Gefühle der religiösen Solidarität.beeinträchtigten übrigens in keiner Weise seine Sympathie für alles allgeeinzige Bruder des Verewigten ist Chef-Ingenieur der Brücken und Chauffeen a. D. in Nancy, ein Neffe ist Notar in Toul. vermischtes. Der Fisch. Jedermann weiß, daß bei den Juden seit undenklicher Zeit das Fischessen am Freitagabend Sitte ist und sich gewissermaßen zu einem geheiligten Brauche gemacht hat. Kommen doch schon im Talmud einige ergötzliche Geschichtchen darüber vor. In ihrer letzten Sonntags-Beilage enthält die „Boss. Ztg." einen Artikel: „Der Fisch als Symbol und in der Allegorie." In demselben kommen einige historische Züge vor, die wir hier anführen wollen: „Man sollte doch glauben, daß kein Ereigniß hätte im Stande sein können, auch nur zeitweilig die Hebung der löblichen Sitte, gute Fische zum Feiertagsmahle einzukaufen, zu unterbrechen. Und doch war es der Fall. Dieser trug sich vor ungefähr zweihundert Jahren in Nikolsburg zu. Von Freitag zu Freitag stieg der Preis der Fische; mußten ja die Juden, so dachten die Händler, Fische zum Sabbath haben; auch manche Käufer mochten so glauben und bewilligten jede Forderung. Als es aber zu bunt wurde, kamen doch einige zur Besinnung und legten sich die Frage vor, ob denn das Fischessen eine so nöthige religiöse Handlung sei, daß man alles Mögliche aufbieten müsse, mit den Flußbewohnern seinen Tisch zu zieren? Man entschloß sich zu einer Anfrage bei dem Rabbiner, dieser antwortete lächelnd: „Wenn die Speculanten euch die Fische vertheuern, dann kaufet keine!" Das war eine Erlösung, jetzt konnte man ohne Gewissensscrupel von dem alten Gebrauche absehen und — der Strike half. In Frankfurt a. M. hatte der Gemeindevorstand schon durch eine Verordnung Vorkehrungen gegen eine etwa ungerechtfertigte Vertheuerung seitens der Fischer Sorge getragen. In den Zeiten eines dürftigen Fischfangs, wie auch zur katholischen Fastenzeit, da der Kreis der Käufer sich erweimeine Leiden; seine Barmherzigkeit kannte keinen Unterschied ^erte, durfte nur immer eine Seite der Judengasse, und des Glaubens, keinerlei Elend ließ ihn unempfindlich. Welch' zwar alternirend, ihren Sabbathtisch mit Fischen versehen, schöneren Beweis der hohen Unparteilichkeit seines Herzens Die Befürchtung, man möchte den Juden den Vorwurf könnten wir geben, als einen äußerst belobenden Brief, den machen, sie vertheuerten den Christen die Fische, mag auch das Wohlthätigkeitsbüreau des 18. Arrondissements gleich ^e Veranlassung für diese Anordnung in der letztgenannten nach seinem A bleben an einen Verwandten des trefflichen Zeit gewesen sein. Ja, es kam vor, daß die Erlaubniß zum Obersten richtete? j Fischconsum auf nur den vierten Theil der Frankfurter Es betrifft also das Andenken eines thatkrästigen und Judenschast beschränkt wurde." rechtschaffenen Mannes, eines überzeugungsvollen ^fracliteit j und eines Philanthropen ohne Vorurtheile, dem wir diese _ letzte Huldigung widmen: auch an seine Familie richtet sich { diese Anerkennung, denn sie ist eine der verdienstvollsten: der,