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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-08-05 · Heft 32 (5.8.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 32 (5.8.1884)
Date
1884-08-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Beituni Allgemeine -es Zudeirthums. Ein unparteiisches Orgm für alles jüdische Interesse. Diele Zeitung erscheint wöchentlich.!Pre:s vierteljährig 3 Merk. Abonnement in Teutjchland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeörtiorr: Leipzig, Woßptcrh 18. In rcdactionellen Angelegenheiten wende man sich an Nr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die lVerlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 5. August 1884. 32. Inhalt. Leitende Artikel: Die Erweiterung und Vertiefung der Lehre I. — Ist die Antisemitenpartei in Ungarn eine Gefahr? — Menschenliebe — Mcnschenachtung. Von M. Mannheimer. — Zeitungsnachrichten: Deutsch!«nd: Berlin, Aus Westfalen, Dortmund, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Karlsbad, Aus Galizien. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Marseille, Algier. — Ruß land: Petersburg, Turek. — Rumänien: Bukarest. — Palästina: Saffed.— Bonn: Notizen. — Petersburg: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden in Italien während des Mittelalters. Von Rabb. Dr. M. Güdemann. — Erbauliches. Von Dr. S. Kristeller. £citc\xDe dztillcf. Bonn, 30. Juli. Die Erweiterung und Vertiefung der Lehre. i. Der Geist unsrer Zeit ist darauf angelegt, fort und fort nach Erweiterung und Vertiefung auf allen Gebieten zu verlangen und zu streben. Mit jedem Schritte vorwärts erweitern sich die Aussichten und stellen sich neue Probleme dar. Mit dem Hergebrachten und Schablonenartigen ist man nirgends j mehr zufrieden, sondern fordert tiefere Auffassung, gründlichere Erkenntniß. Dieses Bedürfniß unserer Zeit, schon an sich vollberechtigt, wird es um so mehr, wo bedeutende Elemente, großes Material lange Zeit hindurch unbenutzt geblieben. Und dies ist der Fall innerhalb der Lehre des Judenthnms. Wollen wir deshalb Leben und Geist an daffelbe feffeln, wollen wir bei der erweiterten und vertieften Bildung und Wiffenschaft die Anhänglichkeit der Geister ihr erhalten, so muffen wir unsre Kräfte daran setzen, auch den Inhalt unsrer Lehre immer reichhaltiger zu machen und immer tiefer zu legen. Man mißverstehe uns nicht: nicht als ob wir von außen her Doctrinen heranholen und in den alten Geistesbau cinfügen, oder Bausteine aus demselben Herausbrechen und dafür moderne Gebilde einsetzen wollten. Wer uns kennt, weiß, daß wir von Beidem sehr entfernt sind. Vielmehr gilt es nach unsrer Meinung, gewisse Felder innerhalb unsres eigensten Terrains, die seit vielen Zeiträumen brach gelegen, von Neuem aufzubrechen und mit fruchtbarem Samen zu bestellen. Es ist dies bereits vielfach hinsichtlich der Geschichte unsrer Religion, unsres Stammes und Schriftthums geschehen und wird allerdings die historische Forschung und Darstellung eifrig betrieben. Gewiß ist dies von außerordentlichem Werthe. Nur darf man nicht glauben, daß hiermit eine volle Befriedigung geschaffen werde. Die Vermehrung des historischen Wissens und die Schärfung der historischen Kritik hat ihre besondere Bedeutung eben nur für den Fachgelehrten; mit der Zeit dringt etwas von den Ergebnissen auch in das größere Publikum, ohne hier eine besonders wirksame Stätte zu finden. Ein zweiter Schritt geschah auf dem Gebiete der Sitten lehre, und gestehen wir offen, daß wir es uns zum Verdienste anrechnen, ihn zuerst gethan zu haben. Als die Culturbewegung in der Mitte unsrer Glaubensgenoffenschaft begann, da versuchte Mendelssohn dem bestehenden Judenthume eine neue Theorie anzupaffen. Völlig verschieden von unsren spanischen Religionsphilosophen, stellt er in großer Befangenheit das Judenthum als ein bloßes „Gesetz", das unveränderlich sei in allen seinen Theilen hin. Hiermit hatte er nicht bloß die eigentliche Lehre bei Seite gedrängt, sondern auch das gesammte traditionelle Gesetz als integrirend ausgenommen. Diese Einseitigkeit des sonst scharfdenkenden Mannes ist erklärlich aus seinem bekannten Mangel an jedem geschichtlichen Sinne, einem Mangel, den er selbst bekannte, indem er von sich selbst aussagte: ein Geschichtswerk interessire ihn nur, wenn es schön geschrieben ist. Denn sonst würde jeder Einblick in die Geschichte ihm den Jrrthum, in welchen er verfallen, kund gethan haben. Die Wirkung dieser Theorie bewährte sich bei seinen unmittelbaren Jüngern in sehr trauriger 32

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