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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-29 · Heft 31 (29.7.1884) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 31 (29.7.1884)
Date
1884-07-29
Page
Seite 497 (sequence 13)
Language
German
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497 Die Gesammtbevölkerung von Aidin beträgt 30,0001 Seelen, worunter 2,500 Israeliten. Einige unter diesen sind! Blechschläger, Schneider, Schuster. Das Haus Barki, das! bedeutendste und angesehehenste in Aidin, besitzt einen Dampfbetrieb zum Entkörnen der Baumwolle. Andere Israeliten: haben Gärten, Feigenanpflanzungen und Meiereien. Eine große Anzahl unter ihnen beschäftigt sich mit dem Handel; etliche unter ihnen arbeiten nur während 7 Monate des Jahres und leben die übrige Zeit vom Betteln, oder auf irgend welche Art. Es ist anzunehmen, daß der Mangel an Sicherheit unsere Glaubensgenoffen daran gehindert hat, sich der Bodencultur in einem so reichen und von der Natur begünstigten Lande zu widmen. Der Boden, trotzdem er nur in der allerprimitivsten Art behandelt wird, ergiebt in guten Jahren 12% von seinem Werth. Er würde sich viel höher verzinsen, wenn die Bewirthschaftung nicht fehlerhaft wäre und wenn die Sicherheit es dem fremden Capital gestattete, den Bewohnern des Landes zu Hülfe zu kommen. Die Hauptproducte des Districts von Aid in sind: Baumwolle, Feigen, Süßholz, Getreide und Wolle. Man exportirt hiervon Millionen jährlich, und bilden sie die hauptsächlichsten Hilfsquellen des Bilaget. Das Gefühl der Solidarität scheint bei den Israeliten von Aidin nicht sonderlich entwickelt zu sein; sie haben keine Wohlthätigkeitsanstalt. Jedoch giebt es Midraschim in Aidin und versammeln sich deren Mitglieder an bestimmten Tagen, um gemeinsam religiöse Vorlesungen abzuhalten, wovon die! Mehrzahl nichts versteht. Das Ergebniß einer Sammlung! am Midrasch Navö Schalom dient dazu, arme junge Mädj chen mit Mitgift und Ausstattung zu versorgen. Fünf junges Leute haben sich kürzlich zu einer Gesellschaft versammelt.; welcher sie den Namen Lcathid labo oder die Zukunft gegeben; haben. Diese Gesellschaft hat bereits 5000 Frcs. zusammcngebracht; sie hat keinen bestimmten Zweck vor Augen, jedoch ist sie geneigt, einen Theil ihrer Gelder der Erziehung der Kinder zuzuwcndcn.! Die Sitten und Gebräuche der Israeliten von Aidin! gleichen denen von Tireh, doch ist ihr Typus, besonders bei, den Frauen, regelmäßiger. Auch begegnet man in dieser Region dem wahren osmanischen Typus, den Mann des stolzen kriegerischen Aussehens. Die Landfrauen sind sehr arbeitstüchtig; oft sieht man sie zu Fuß ihren zu Pferde sitzenden Männern folgen. Es ist schwer, ein genaues Datum für die Niederlassung der Israeliten in Aidin zu bestimmen. Die Grabschriften reichen nicht über ein Jahrhundert zurück; kein berühmter Rabbiner wurde dort geboren. Die Familie Saragossi aus Aidin feiert am 18. Schebat eines jeden Jahres ein Fest, zur Erinnerung an ein Wunder, welches im Jahre 5110 (1380) zu Gunsten der Israeliten Saragoffa's, woher diese Familie stammt, stattgefuudeu haben soll. Die Begebenheit ist in einem Manuscript aus Pergament — Megillat Sara gossi genannt — niedergeschrieben. Der Styl und die Ab fassung der Erzählung erinnern sehr an diejenige des Buches Ester; am 18. Schewat eines jeden Jahres wird die Megillat Saragossi vorgetragen. Hier folgt in kurzen Worten der Inhalt: „Es gab in Saragossa 5,000 Juden und 12 Synagogen. So oft cs dem Könige gefiel, durch das Judenviertel zu kommen, eilten ihm die Juden von den Sefarim begleitet entgegen. Als die Rabbinen nach Uebereinkunft diese Sitte für eine Entweihung erklärten, beschlossen sie, in Zukunft mit leeren Büchsen und den anderen Verzierungen der Sefarim auvzuziehen und die Rollen in den Synagoge zu belassen. Ein getaufter Jude, Haiin Sami, genannt Mareos, benachrichtigte? hiervon den König, welcher sich der Thatsache vergewissern wollte, um die Schuldigen zu bestrafen. Aber die Vorsehung beschützte die Juden. Am Vorabend eines bereits angemeldeten Besuches des Königs erschien der Prophet Elias dem Sainas Ephraim Baruch im Traume und gebot ihm, die Rollen, welche bereits aus den Büchsen genommen waren, wieder hinein zu legen. Ephraim beeilte sich, diesem Befehl uachzukommen, und ebenso geschah es mit den elf anderen Samai sim der anderen Synagogen. Am nächsten Tage, im Augeu-! blick der Prozession, erschien der König in Begleitung des Berräthers Marcos und seines Hofstaats, ließ sich die kästen öffnen und gegen sein Erwarten fand er darin die Sefarim. Der König ließ Marcos hängen, wie es AhaSverus mit Haman gethan, überschüttete die Juden mit Wohlthaten und befreite sie während drei Jahren von allen Steuern. Zur Errinnerung an diese Begebenheit haben die Juden von Saragossa das Fest des 18. Schewat für sich und ihre Nachkommenschaft eingesetzt." Was dafür spricht, daß diese Legende auf einer historischen Thatsache beruht, ist, daß andere Familien, Namens Saragossi, welche sich in Melasso und Smyrna niedergelassen, gleichfalls das Fest des 18. Schewat feiern. Nazili. — Nazili ist von Aidin 22 engl. Meilen entfernt. Je weiter man in das Innere des Landes dringt, fe schöner werden sowohl die Gegend als die Vegetation.! In der Nähe des Torfes Sultan - Hassir sicht man einen! ganzen Wald von Orangen-, Citronen- und Pomeranzeu-! Bäumen, von ganz außergewöhnlicher Größe und majestä-! tischem Wuchs.! Nazili ist ein reizendes Landstädtchen von 10,000 Seelen, mit breiten gut gepflasterten Straßen und europäisch gebauten Häusern. ' Man findet da 30 israelitische Familien mit 155 Seelen. Die Juden sind Händler und Hausirer, vier derselben sind Blechschläger. Ein junger Rabbiner erfüllt die Funktionen

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