Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- Seite 470 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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470 find da Perioden vorhanden, die wenig Stoff dazu bieten und wir können z. B. nicht absehen, wozu in einem religigiösen Unterricht die Namen und Folge der Könige von Israel und Juda aufgezählt und memorirt werden sollen, da es völlig genügen würde, die Geschichte Ahabs, Athaljah's und Hiskijah's hervorzuheben, und die Gestalten Elia's, Elischa's, Jesaja's und Jeremia's kennen zu lehren. Dann wäre es erforderlich, daß die Geschichte des babylonischen Exils der Makkabäer und des Falles von Jerusalem etwas ausführlich behandelt werde und hierbei die providentiellen Vorgänge hervorgehoben würden, durch welche schon lange Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels und der Zerstreuung des jüdischen Volkes der Fortbestand der Juden und des Judenthums gesichert wurde. Die nachfolgende Zeit muß in einem Gesammtbilde zusammengefaßt werden, da die traurigen Details immer dieselben sind, und eingehender müßte schließlich das letzte Jahrhundert mit seinen Kämpfen und Siegen, mit seinen Bestrebungen und Errungniffen geschildert werden, was gewöhnlich ganz unterbleibt. Aber so wichtig dieser Geschichtsunterricht ist, so darf er andererseits die eigentliche Religionslehre nicht verdrängen. Es ist durchaus nothwendig, daß schon in die Kindesseele die Hauptlehren und Sittengesetze unsrer Religion eingesenkt und dem auswachsenden Knaben und Mädchen eine klare Vorstellung, ein nahegebrachtes Berständniß desselben und zwar im Zusammenhänge gegeben werde. Nur dadurch kann frühzeitig eine ausreichende Ueberzeugung vorbereitet werden, gegenüber den religiösen Dogmen anderer Religionen, die bereits in der Kinnicht schon in früheren Jahren fähig seien, die Lehren und Sittengesetze der Religion zu verstehen und in sich aufzunehmen. Da kommt Alles nur darauf an, wie man es versteht, sie dem kindlichen Geiste klar und verständlich zu machen. Selbst die zarteste Kindesseele ist befähigt und geneigt, mit Herz und Verstand die Lehre von einem einzigen Gotte, dem Schöpfer der Welt, dem Geber alles Guten, der Vorsehung und der Gerechttgkeit zu fasien und mit Liebe zu ergreifen, und ebenso was dieser Gott von uns verlangt, daß wir ihm gefallen und nahe seien. Es wäre vorzuziehen, daß der spätere Unterricht gegen den früheren überflüssig wäre, als daß der frühere Unterricht inhalts- und wirkungslos sei. Aber das hat keine Noth; der Lehrinhalt des Judenthums ist zu groß und umfaffend, als daß er nicht seinen Bekenner in allen Stadien seines Lebens beschäftigen, anregen und begeistern könnte; wie viel mehr in den Jahren der geistigen Entwickelung, wenn der Lehrer ihm etwas zu bieten hat. — Mit der Einrichtung von Jnspekttonen der jüdischen Schule, welche sowohl der Deutsch-Israelitische Gemeindebund als auch die Rabbiner- Versammlung in Aussicht nahmen, scheinen die Lehrer nicht einverstanden zu sein. In einer Lehrer-Conferenz sagte man: die jüdische Schule habe schon von Regierungsseiten Jnspettion genug, den Lokal-Inspektor und den Kreisinspektor und bedürfe deshalb nicht noch des Gemeinde-Jnspettors; der beste Inspektor sei der Lehrer selbst. Diese letzte Behauptung ist etwas kühn, denn jede Anstalt von öffentlichem Jntereffe und jeder Beamte deffelben hat die Controle und Anweisung nöthig, schon um nicht in den leicht einttetenden derwelt verbreitet werden und denen unsre Jugend fast in. Schlendrian zu verfallen. Muffen sich doch selbst die Herren allen Jugendschristen und bei aller Lektüre entgegentreten. Minister die Controle der Volksvertrer gefallen lasten. Jndeß Gerade das, was das eigentliche Panier und der wesentliche muß man zugestehen, daß hinsichtlich der profanen Fächer Inhalt und Zweck des Judenthums ist, muß der jüdischen die Lehrer Recht haben und eine dritte Inspektion überflüssig Jugend von Kindesbeinen an vorgehalten werden. Dies ist. Anders liegt es aber, was den Religionsunterricht beerfordert allerdings mehr Anstrengung und Geistesthätigkeit trifft, mag er in einer Elementar- oder in einer Religionsvom Lehrer; aber wie wir an der Spitze dieser Artikel herschule ertheilt werden, und diesen allein haben doch wohl vorhoben, die Zeiten sind so ernst, daß ohne diese Ander Gemeindebund und die Rabbiner-Versammlung im Auge, firengung und Thätigkeit Vieles verloren geht. Was nutzen Die Jnspizirung des jüdischen Religionsunterrichtes Seitens die Vorbilder der Erzväter, Moses', Samuel's, David's — die doch auch in den anderen Religionen als Borbilder aufder königl. Inspektoren findet entweder gar nicht statt oder doch aus naheliegenden Gründen höchst oberflächlich, und gestellt werden — wenn sie nicht von Anfang an vom Bedoch liegt in vielen Fällen dieser Unterricht so im Argen, wußtsein einer festen Lehre beleuchtet und umstrahlt find?! Es giebt Biele, welche eine solche, natürlich stufenmäßig der daß er einer Beaufsichttgung und Beeinfluffung sehr bedarf. Dem Ausspruch: der beste Jnspettor' sei der Lehrer selbst, Jugend verständlich gemachte zusammenhängende Religions-! setzen wir den Erfahrungssatz entgegen, daß gerade der gute lehre auf die letzte Zeit des Religionsunterrichtes oder auf Lehrer der Inspektion sich freut, um die von ihm erzielten den Confirmanden-Unterricht verschieben wollen, in der Meii Resultate zur Anerkennung zu bringen und auf die Gemeinde nung, daß dann erst die jugendlichen Geister dafür reif seien, einwirken zu lassen, daß sie zur Beseittgung von vorhandenen Aber abgesehen von dem realen Umstande, daß viele Kinder diesem späteren Religionsunterrichte und dem Confirmanden- Unterrichte entzogen werden, ist es nach unserer Meinung und Erfahrung ein Jrrthum, daß die Schüler und Schülerinnen Mängeln die Hand biete.