Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1884)
- Date
- 1884-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles indische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. KzepeöiLiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.PHilippson in Bonn direct, in allen übrigen an die ,'VerlagsHandlung. Beilagen (Gebühr l2 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vrerteljahrig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 48. Zuhrguug. Leipzig, den 22. Juli 1884. ^No. BO. Inhalt. Leitende Artikel: Einige Fragen und Bemerkungen, ll. — Die Vorgänge in Nischny-Nowgorod. — Tic jüdische Bevölkerung in Frankreich, Elsaß, Belgien und der Schweiz. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Leipzig. Frankfurt a. M.. Pr. Stargard, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. Algier. - Rußland: Nischny-Nowgorod, Krakau. — Darmstadt: Literarische Notiz. — Feuilleton. Korrespondenz. — Eine Posener Cholera-Reminiscenz. £eit<yytdc dzti&ef. Bonn, 16. Juli.! Einige Fragen und Lemerkuageu.! ii. Wir haben schon öfter als unseren Grundsatz ausgesprachen, daß wir jedem Lebenszeichen aus unserem Gebiete, jeder Jntereffe weckenden Bestrebung und Thätigkeit unsre volle Theilnahme zuwenden, auch wenn wir von den Erfolgen nicht Vieles erwarten. So stehen wir zu dem jetzt so vielfach ventilirten „Normal-Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht" in den Elementarschulen. Nicht nur in den Conferenzen der Lehrervereine ist die Herstellung eines solchen Lehrplanes besprochen, sondern auch vom deutschisraelitischen ^Gemeindebunde erstrebt worden, dessen Ausschuß zu diesem Zwecke eine Commission gewählt und eine Delegirten-Bersammlung ausgeschrieben hat. Obschon wir meinen sollten, daß in den jüdischen Seminarien etwas Methodologie für den Religionsuntericht getrieben werde, so daß der seminaristisch gebildete Lehrer den Weg, den er im Re-! ligionsunterrichte einzusckilagen habe, zu ordnen befähigt sei, so kann es doch nur nützlich sein, in einem solchen Lehrplanes die Unterrichtsziele aufgestellt und die stufenmäßige Eintheilung des Lehrstoffes angegeben zu sehen. Mancher Lehrer! wird sich dadurch bewußt, daß es überhaupt Ziele und Stufen giebt, aber eine weitere praktische Folge trauen wir ihm noch nicht zu. Zum großen Theile stehen ihm die realen Verhältnisse entgegen. In der großen Mehrzahl der Gemeinde, in den kleineren Gemeinden und mittleren, verlangen noch immer die meisten Gemeidemitglieder vor Allem, daß der Lehrer den Kindern ein geläufiges, ja schnelles „Oren" oder „Davnen" beibringt und daß sie im Siddur vollständig Bescheid wissen; ferner, daß sie die vollständig überflüssig gewordene jüdischdeutsche Currentschrift schreiben und lesen lernen. Dies halten sie für das unumgängliche Bedürsniß, und erst nach diesem legen sie einen Werth darauf, daß die Knaben etwas Pentateuch übersetzen lernen. Sie halten jeden Lehrer, der dies nicht bewerkstelligt, für ungeschickt und unbefähigt. Da komme man nun mit dem besten, pädagogisch und logisch geordneten Lehrplan: die Lehrer müssen sich den Forderungen der Gemeinde fügen. — Eine fernere Bemerkung, die wir zu machen haben, können wir hier nicht unterdrücken, und bitten darin nur nichts Persönliches zu suchen, wozu wir gar keine Veranlassung hätten. Daß die biblische Geschichte einen wichtigen Theil des Religionsunterrichts ausmacht, braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber wir haben es aus der Erfahrung, daß viele Religionslehrer die biblische Geschichte zum alleinigen Gegenstand ihres Unterrichtes machen. Es ist natürlich bequem, den von der Bibel gebotenen, jeden Lehrer geläufigen Stoff immerfort zu behandeln, die Geschichten zu erzählen und abzufragen. Derselbe ist mannigfaltig genug und mit so vielen Namen gespickt, daß man jede beliebige Zeit damit ausfüllen kann. Wir geben zu, daß man mit diesen biblischen Geschichten mancherlei dogmatische und moralische Winke und Folgerungen verbinden kann, und daß! es gut, wenn es in rechter Weise geschieht. Aber einerseits 30