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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 434 (sequence 14)
Language
German
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434 mit den Klängen eines von dem Trompcter-2orps des oft-' preußischen Ulanenregiments Nr. 8 executirten Parademarsches wurde derselbe bei seinem Erscheinen begrüßt. Aus der demnächst folgenden Ansprache des Herrn Löser, in welcher derselbe den Gefühlen des innigsten und tiefsten Dankes gegen alle seine sowohl Berliner als auch Elbinger lieben Mitarbeiter, speciell die zu Prämiirenden, Ausdruck gab, wie auch feines Socius, des Herrn Wolf und dessen Familie in Berlin, mit einem kräftigen enthusiastisch aufgenommenen Hoch gedachte, mögen nur folgende wenige, charakterisirende Worte Platz finden: „Des Menschen, d. h. des würdigen' Menschen Leben ist Mühe und Arbeit. Wenn nun Treue und Fleiß für gethane Arbeit eine innere Befriedigung gewähren, so bedarf doch der Mensch auch der Erholung, ja noch mehr, er schafft sich Tage des Festes, an denen er zurückblickt auf überstandene Mühen, und zugleich erneute Kraft gewinnt zu neuer Thätigkeit. Auch wir feiern heute einen Festtag, einen Festtag eigenster Art. Wir feiern einen Geburtstag der Arbeit im engsten Familienkreise, und wie cs einem Familienvater ziemt, bringe ich Euch, meine Lieben, die Ihr mit mir eine Familie bildet, auch ein Geburtstagsangebinde entgegen, das Euch immer eine freudige Erinnerung an den heutigen Tag und eine Vorfreude auf den künftigen sich nach fünf Jahren wiederholenden Geburtstag fein möge. Und wenn Ihr auf Euer Erinnerungszeichen blickt, so gedenket auch meiner in der Ferne als eines Mannes, der es für die schönste Aufgabe feines Lebens hält, die hohe Würde, die in der Arbeit liegt, anzuerkennen und nach seinen Kräften zu belohnen und so in unserem Familienkreise mit dem Grundsätze „Wahrheit, Liebe, Fleiß und Treue" wahrem Menfchenthum eine wohnliche Stätte zu bereiten." Nach der nun folgenden Vertheilung der statutenmäßigen Geldprämien von 30 Mark und eines Erinnerungszeichens, bestehend in einem ein Kreuz darstellenden, silbernen und schwarz emaillirten Verdienstorden an schwarz weiß-rother Schleife mit der Inschrift: „Für Treue und Fleiß am 10jährigen Arbeitsjubiläum 1884" nebst einem kunst- und geschmackvollen Diplom an 10 Arbeiterinnen ergriff der Director der Fabrik, Herr Pamperin, das Wort und hob in einer längeren Erwidcrungsrede hervor, wie das unerwartet schnelle Emporblühen der Fabrik nur möglich gewesen sei unter der Führung eines Meisters wie Herr Löser, in dessen Hand sie alle doch nur helfende Werkzeuge seien, eines Meisters, dessen nimmer rastender, immer an neuen Schöpfungen arbeitender Geist allein die Seele des Ganzen sei. Ohne ihn und feine rastlose Thätigkeit würde das schöne Heim, die geliebte Arbeitsstätte zusammenbrechen wie ein Gebäude, dem man das Fundament entzieht. Den alten Stamm der Fabrik zur Ausdauer in seinem Bestreben, den jungen Stamm zur Nacheiferung auffordernd, schloß derselbe mit einem Hoch auf Herrn Löser und dessen Familie, das in der nahe an Tausend zählenden Versammlung von Fabrikangehörenden und Gästen begeistert wiederhallte. Zur weihevollen Stimmung trugen im Wechsel mit einander das Trompetercorps wie der Fabrik- Gesangverein wesentlich bei. — Wünschen wir, daß die Fabrik, welche ihr Personal noch im Laufe dieses Jahres auf tausend zu erhöhen gedenkt, zum Segen unserer Stadt auch ferner fortbestehe, gedeihe und blühe! vermischtes. Erzbischof und Kantor. Aus dem Leben des peusionirten Oberkantors der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Prof. Sal. Sulzer, welcher am 30. d. seinen 80. Geburtstag feiert, wird die folgende Episode erzählt: Im Palais des Sanitätsrathes Sterz in Wien herrschte eines Abends reges Leben. Equipage an Equipage rollte heran und die Cröme der Aristokratie, Hofwürdenträger sowie die Spitzen des Klerus, unter diesen Erzbischof Johann Ladislaus Pyrker von Felsö Eör, entstiegen den Wagen und begaben sich in die glänzend beleuchteten Appartements zu der für diesen Abend angesagten Soiröe. Im Gewoge der vielen illustren Gäste bemerkte man auch einen jungen Mann von etwas mehr als mittlerer Größe und kräftiger Gestalt. Kohlschwarze Locken umflatterten das schöne Haupt, Feuer der Jugend und des Geistes blitzte aus seinen ausdrucksvollen Augen. Es war Sulzer. In der bis dahin lebhaft geführten Konversation der Gäste tritt plötzlich Ruhe ein und die Blicke aller Anwesenden sind auf den als „Schubertsängcr" berühmten jungen Sänger gerichtet, der über Ersuchen des Festgebers Schubert's „Allmacht" (Gedicht von Johann Lad. Pyrker, Perlen des Orients) singen sollte, welcher Aufforderung er sich umso bereitwilliger unterzog, da das Lied religiösen Inhaltes ist und nicht blos zur Unterhaltung dient. Wer Sulzer noch vor wenigen Jahren singen hörte und dessen Stimme und Vortragsweise zu bewundern Gelegenheit hatte, kann sich ungefähr einen Begriff von der Macht seiner Gesänge in seiner Jugendzeit machen. Die ersten Akkorde, die Einleitung zu dem Liede waren verklungen. Langsam und feierlich begann der Gesang mit den Worten: „Groß ist Jehova der Herr! Denn Himmel und Erde verkündet feine Macht." Nach und nach wurde die Stimme mächtiger und bei der Stelle: „Furchtbar tönt sie im Donnergcroll und flammt in des Blitzes schnell hinzuckendem Flug" brauste sie einem Orkane gleich durch die Räume. Einige Zeit saßen die Hörer stumm, wie von einem Zauber umfangen. Plötzlich aber erhob sich ein Beifallssturm, der nie enden zu wollen schien. Als sich derselbe endlich gelegt hatte, schritt der greise Erzbischof und Dichter Pyrker, eine lange, hagere Gestalt, auf den von allen Seiten umdrängten Sänger

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