Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-01 · Heft 27 (1.7.1884) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 27 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227529--41832-3310338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

emerne Zeitung -es Au-mthums. Cm miparteiischcs Orgm für alles jüdische Interesse. Heransgegeben von At^rbbiner Or. Ludwig Philippso» iu Bonn. zepeöiLion: Leipzig, WoßpLcrh 18. g» rcdacrioncllen Angelegenheiten wende man iich an I»r. L.Pbilivpson in Bonn direct, in allen übrigen an die Kerlagsbandlnng. Beilagen (Gebühr!l2M.) sind gleichfalls an letztere einzusendcn. Diele Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig :i Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Ar. »Ss und Lesterreich bei allen Postämtern , außerdem durch den Buchhandel. 48. Jahrgang. Leipzig, den 1. Juli 1884. 27. Indnir. Leitende Artikel: Ueber den Gottesdienst für die jüdische Jugend. — Die Wahlen in Ungarn. — Aus der fünften Nabbinerversamm'ung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Leipzig, Bremen, Posen, München. — Rußland: Petersburg, Aus Rußland.— Amerika: Colonie Bethlehem-Juday. — Bonn: Notizen. — Pest: Literarische Notizen.— Feuilleton: Der Zug nach Jerusalem. Eine Erzählung aus alter Zeit. HI. — Ein Arbeitsjubiläum. — Vermischtes. Xcifcn'C'c Orl Bonn, 25. Juni. Ueber den Gottesdienst für die jüdische Jugend. Auf der Tagesordnung der jüngsten Rabbiner'Versammlung stand auch die Frage über den besonderen Gottesdienst für die jüdische Jugend. Es wurde darauf hingewiesen, daß ein solcher;u dringendem Bcdürsniß geworden, da der Zwang der Verhältnisse einen großen Theil der jüdischen Jugend verhindert, an dem Sabbath- und bisweilen auch an dem Festtags-Gottesdienste theilzunehmcn. Hiuzugefügt war die Bemerkung, daß an mehreren Orten bereits ein solcher Gottesdienst am Sabbath-Nachmittag eingerichtet worden, anfänglich genügend besucht ward, dann aber ans Mangel an Thcilnahme wieder eingcgangcn war; daß aber nichtsdestoweniger daraus zurückgckommcn werden müsse. Dies aus der „Begründung". Wir wissen noch nicht, in wie weit dieser Gegenstand in der Versammlung selbst besprochen worden und zu welchen Resultaten man gelangte. Die Sache ist aber wichtig genug, um von allen Seiten besprochen zu werden. — Ueber das Bedürfniß kann man nicht zweifelhaft sein. Ist der größte Theil der Jugend verhindert, am Gottesdienste theilzunehmcn, so erleidet sie nicht allein für diese wichtige Zeit des Lebens die Einbuße religiöser Beeinflussung, sondern sie entwöhnt sich auch des Gottesdienstes überhaupt und wird deshalb auch in späterer Zeit das gottesdienstliche Bedürfniß nur wenig empfinden. Die Hauptfrage wird daher nur darin bestehen: wie ist dieser Gottesdienst cinzurichten, um eine dauernde Anziehungskraft aus die Jugend zu üben und die Eltern zu bestimmen, ihre Kinder zum Besuche desselben anzuhalten? Dies veranlaßt uns zuvörderst, eine Bemerkung über unseren Gottesdienst überhaupt zu machen, die wir allerdings schon öfter ausgesprochen haben. Bekanntlich hatte der uns überlieferte Gottesdienst vorzugsweise aus der thätigen Thcilnahme der ihn Besuchenden beruht. Der Borbeter leitete die einzelnen Gebete rccitativ ein, und das Gebetstück wurde laut von der Gemeinde gesprochen, bis der Borbeter den Schlußsatz wieder intonirte; die Segcnssprüche wurden von der Gemeinde durch Baruch-Hu ubarnch schcmo und Amen beantwortet , einzelne Gebete bestanden überhaupt in Responsen zwischen Vorbeter und Gemeinde. Diese an sich so lobcnswerthe und wirkungsreiche Einrichtung artete aber dadurch aus, .daß in kleineren wie größeren Gcbetstücken das Bereu der Gemeinde theils in ungeregeltes, ja wüstes Geschrei, thcils — namentlich bei den Piutim u. dcrgl. in ein leeres Herplappern verfiel. Es mar selbstverständlich, daß hierdurch der jüdische Gottesdienst würde- und anstandslos, und da nun hinzukam, daß jeder Einzelne zu jeder Zeit ein- und auslaufen durfte, ordnungslos und lärmend wurde. Es mar deshalb überall der erste Schritt zur Verbesserung des Gottesdienstes, diesen Uebelständcn möglichst abzuhelsen. Sehen wir nun aus die Art, wie sich gegenwärtig der verbesserte Gottesdienst gestaltet hat, so kann es uns nicht entgehen, daß er in die entgegengesetzte Beschaffenheit verfallen ist: die Gemeinde ist gänzlich außer aller Mitthäligkeit gesetzt worden. Sie hat nichts weiter zu thun, als zu 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.