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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-05-13 · Heft 20 (13.5.1884) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 20 (13.5.1884)
Date
1884-05-13
Page
Seite 322 (sequence 14)
Language
German
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322 Jeder, der sein Menschthum darin bekundet, daß er Gerechtigkeit übt, Liebe bethätigt und in Demuth wandelt vor Gott, gilt dem Judenthum, auch wenn er in einem andern Bekenntnisse geboren ist, als theilhaftig der ewigen Seligkeit, nach dem Spruche R. Josuas: „Auch die Frommen der Völker haben Antheil an der ewigen Seligkeit." Diese Lehrsätze sind die Grundbestimmungen sür die interkonfessionelle Stellung des Judenthums. Wenn indessen dem gegenüber in dem ausgedehnten jüdischen Schriftthume Aussprüche sich vorsinden, welche sich nicht zu dieser idealen Höhe erheben, so sind dieselben als Meinungen Einzelner zu betrachten, welche durch den Druck der Zeiten hervorgerufen wurden, und welche keine verbindende Kraft besitzen." Münster (Westfalen), 2. Mai. (Privatmitth.) Heute am 100 jährigen Geburtstage des im Jahre 1862 verstorbenen Professors Dr. Alexander Haindorf, des edlen Begründers der unter dem Namen „Marks Haindorfschen Stiftung" segensreich wirkenden Anstalt zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden, wurde der Grundstein zu dem Neubau des Lehrer-Seminars Hierselbst gelegt. Die Feier fand im Beisein des Herrn Oberbürgermeisters Schesser-Boichhorst, der von dem zweiten Herrn Bürgermeister und einem Magistratsmitgliede begleitetwar, unter Anwesenheit des gesammten Vorstandes und der Repräsentanten- Versammlung der hiesigen Synagogengemeinde, sowie des Curatoriums, des Lehrercollegiums und der Seminarzöglinge der Anstalt statt, und nahm den schönsten Verlauf. Der herrlich gelegene Bauplatz, auf dem sich das Gebäude, das nach Fertigstellung sicherlich eine Zierde der Stadt bilden wird, schon bis zum Erdgeschoß erhebt, war durch Fahnen und Guirlanden glänzend geschmückt, die Arbeiter standen im festtäglichen Gewände, mit weißem Schurzfell an dem offen gelassenen Grundsteine und nach einer Ansprache des Präses des Curatoriums, des Herrn F. Blumenfeld aus Burgsteinfurt, wurde ein kurzer Abriß der Geschichte der Stiftung verlesen, demnächst das Protokoll über die Vornahme der heutigen Feier von allen Anwesenden unterschrieben und diese Schriftstücke alsdann in eine Blechbüchse eingelöthet und in den Grundstein versenkt. Nachdem der Schwiegersohn des verstorbenen Haindorf, der Herr Rittergutsbesitzer I. Löb aus Caldenhof hiernach eine schöne und warm empfundene Ansprache gehalten, vollzog der Herr Oberbürgermeister die ersten 3 Hammerschläge Namens der städtischen Behörde und es folgten in der Handhabung des blumenumkränzten Hammers Herr Prediger und Curator M. Blumenfeld aus Essen für das Curatorium, der erste Vorsteher Herr I. Steinberg für die Synagogengemeinde, der Seminardirigent Herr Dr. Steinberg für das Lehrercollegium und die Schüler und zum Schluß der Präses F. Blumenfeld und Herr F. Feibes von hier als die zwei ältesten anwesenden Schüler des Haindorf'schen Instituts, das sie im ersten Jahre seiner Gründung (1826) besucht hatten. Der Munisicenz des Herrn Löb und vieler Gönner der für das Judenthum hochwichtigen Anstalt ist es zu verdanken, daß der Bauplatz angekauft und das Werk begonnen werden konnte; noch aber fehlt viel, um den Bau nebst der inneren Einrichtung fertig zu stellen und die jüdische Wohlthätigkeit wird gewiß auch hier wieder nicht erlahmen, wo es gilt ein eigenes Heim der Stiftung zu geben, die seit nahezu 60 Jahren für die Provinzen Westfalen und Rheinland die Lehrer der Jugend bildet, welche unsere heilige Lehre in den Gemeinden verbreiten und unsere Kinder zu wahrer Gottesfurcht und zu tüchtigen, braven Menschen erziehen sollen. L . .. . n. Anzeigen. Ty* «nyift <^/\ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeiie berechnet und müssen für die nächst- JL. 11 k)v/1 wv folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. 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