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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-06 · Heft 19 (6.4.1884) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 19 (6.4.1884)
Date
1884-04-06
Page
Seite 306 (sequence 14)
Language
German
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306 sehend, die nicht eine Knechtung zu Sklaven und Leibeigenen, sondern die völlige Vernichtung und Ausrottung zur Absicht hatten. Und immer gingen diese von Einzelnen aus, welche die Massen aufregten und erhitzten, Anschuldigungen erhoben und blutige Verfolgung predigten, die Leidenschaften der Menge, selbst die niedrigsten, anfachten, bis sie sich auf die Wehrlosen warf und sie in wilder Wuth erschlug oder auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Aber von der anderen Seite die unverwüstliche Zuversicht auf die verheißene Hilfe Gottes, | auf den Beistand jener höheren Macht, welche dem Menschen die Freiheit des Wollens und Thuns gewährt, aber die Geschicke leitet durch Fügung und Führung. Diese Zuversicht lebte kräftig in dem Herzen des jüdischen Stammes, erhielt! ihn aufrecht in jedem Sturme und sie log nicht. So viele! Opfer auch der menschlichen Wuth fielen, die Rettung kam! immer wieder für den niedergetretenen Stamm, immer wieder! öffnete sich ein Ausgang, und es kam eine Zeit der Ruhe^ und Sicherheit, während derer, mochte sie kürzer oder länger! währen, die Gebeugten sich wieder aufrichteten. So lebte! im Bewußtsein des Volkes die stete Wiederkehr der Verfolgungen,! das stete Auftreten von Hassern und Todfeinden, aber auch die unerschütterliche Zuversicht auf die Rettung durch den göttlichen Beistand! Es waren dies keine -theoretischen oder dogmatischen Gedanken, sondern selbst durchlebte, selbst erfahrene Ereignisse und Thatsachen. Und diese Zuversicht rettete den jüdischen Stamm über die Jahrhunderte des.Angriffs und des passiven Widerstandes hinweg, und seine Lebenskraft entzündete sich immer von Neuem, wenn man in seiner Mitte Jahr für Jahr den Becher erhob und die Worte der Verheißung und Zuversicht laut aussprach. Vermischtes. Das Stammhaus der Familie Rothschild. Frankfurt a.M., 24. April. Das bekannte Stammhaus der Familie Rothschild in der Judengasie wird in einigen Wochen demolirt. Die Stadtvertretung hat den vollständigen Umbau der Judengasie beschlosien. Die Familie Rothschild weigerte sich, ihr Stammhaus zu opfern und rekurrirte. Das Gesuch wurde abgewiescn und das alte Haus expropriirt. In kurzer Zeit wird dasielbe dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Frankfurter Maler Göbel hat das Haus in einem meisterhaft durchgeführten Oelbilde „ verewigt". Neuere Marannen. Bor ungefähr dreißig Jahren wurden nach der Aussage des jüdischen Reisenden Jacob Obermaier, jetzt Lehrers des jungen Prinzen, eines Bruders des Schah's von Persien, fast zwei Tausend Juden in Khorayan zum Islam überzugehen gezwungen. Das Volk hatte sie beschuldigt, am Jahrestage des Todes von Hussein einen todten Hund durch die Straßen getragen und so das Andenken der heiligen Person beleidigt zu haben. Der Mufti ordnete ein allgemeines Masiacre der Juden an, von denen eine große Zahl Muselmanen wurden, um dem Tode zu entgehen. Aber sie sind! Juden geblieben im Innersten wie die Marannen in Spanien j und verkehren wenig mit der übrigen Bevölkerung. Das i Volk nennt sie G'didal-Jslam. Anzeigen. Ty% werden mit 20 Ff. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- ■1 11 mvA CTi IC folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. In Folge längerer, vielleicht dauernder Dienstunfähigkeit eines der bisherigen Beamten wird in unserer Gemeinde zum sofortige» Antritt ein kräftiger Schächter gesucht, der auch als HülfScautor und Religionslehrer fungiren kann. Geeignete Bewerber, welche in den einschlagenden Fächern gründliche Kenntnisse besitzen, streng religiös leben und durch zuverlässige Zeugnisse sich darüber ausweisen können, wollen dieselben in beglaubigte» Abschrifte» nebst den nöthigen Angaben über ihre bisherige Wirksamkeit schleunigst an den Unterzeichneten gelangen lassen. Geprüfte Elementarlehrer, welche obigen Bedingungen entsprechen, werden bevorzugt Anfangsgehalt 1200 M. Bei entsprechenden Leistungen Aussicht aus baldige Erhöhung. [H. 8472] Düsseldorf, April 1884. Der Rabbiner deS Synagogen-Bezirks. Dr. A. TTedell. An unserer RcligionS- Avfj-AVi *u besetzen, die mit 1500 Mk. jährlich schule ist die Stelle eines vtUvll 'V.vl/lvlv dotirt ist. Bewerber, welche mindestens die Qualifikation eines Mittclschullehrers besitzen und im Stande sind eventuell den Dirigenten der Schule zu vertreten, wollen ihre Gesuche, unter Beifügung ihrer abschriftlichen Zeugnisse, bei dem Unterzeichneten Vorstand einreichen. skr. 6823] Pose», den 20. April 1884. Der Vorstand der israelitische» Brüder-Gemeiade. __Haeniseh._ Pensionat und Höhere Töchterschule von [L. 859] Frau Dr. Leverson in Hannover,! Miergartenjtraße 3 und 4. I Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit. — Das neue Semester beginnt am 1. Mai. Suche sofort bei hohem Lohn eine l W Ein anständiges junges Mädche» tücktiae versecte Kackin l I (Israelitin) findet im Ladengeschäft meiner : * IT> oRmi I Farben- und Lackfabrik und Droguen- | Haloerstaot. [B. 8601] I ■ Handlung dauernde Stellung. [F. 8139] i Hermann Cohn. i I Hessen-Cassel. L. J. Rosenzueig.

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