Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1884)
- Date
- 1884-04-29
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227520--41690-3310181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
288 feste des Blutes bedürften. "Alsbald stürzten Tumultuanten! Mängel nicht entgangen, namentlich was die Anordnung nach auf die zufällig auf der Straße sich befindlichen Juden, auf den eigenthümlichen Ansichten des fel. Fürst über die Wurzeln die jüdischen Häuser, deren Fenster sie zertrümmerten, und betrifft, so daß es oft sehr schwer fällt, ein Wort aufzufinden, singen auch an, jüdische Läden zu plündern. Da die Polizei Daß, was Mandelkern rügt, und dies ist in den meisten dem Aufruhr zu steuern nicht stark genug war, rückte Militär Fällen von nicht zu unterschätzender Bedeutung, richtig ist, aus und stellte die Ordnung wieder her. Biele Tumultuanten kann nach den angeführten Belegen nicht zlveifelhaft sein, sammt dem katholischen Geistlichen wurden verhaftet, zwei Ob es ihm gelungen ist, diese Fehler vollständig zu verbessern, Szotnien Kosaken wurden vom Gouverneur nach Czenstochau geschickt und müssen von den christlichen Bewohnern der Stadt unterhalten werden. — Auch in Turek versuchte man eine Ostergeschichte aufzuführen. Aber die Polizei fand das verschwunden sein sollende Mädchen in einem nahe gelegenen Orte im Dienste eines Bauern. — Moses Feinkind. Bonn, 20. April, (Notizen.) Die Advokaten von Aix in der Provence haben ihrem College» Bvdarrides (Israelit) zu dessen 50 jährigem Jubiläum als Advokat ein Festmahl bereitet. Bsdarrides ist auch Bürgermeister der Stadt. — Bon Philadelphia (Nordamerika) berichtet man den Tod des letzten Gliedes der Familie Gratz, nämlich jener Rebekka Gratz, welche, wie wir in einem früheren Feuilletonartikel ausführlich erzählten, das Borbild der Rebekka in Jvanhoe von Walter Scott nach der Schilderung, die ihm Washington Irving von ihr gemacht hatte, geworden. Sie ist im 02. Lebensjahre verschieden, bis zu ihrem Lebensende all' die Tugenden übend, welche sie so sehr ausgezeichnet haben. — Der in Cincinnati vor Kurzem verstorbene Jacob Seasongood hat letztwillig 3000 Dollars dem dortigen jüdischen Hospital, 3000 Dollars der jüdischen Nnterstützungsgesellschaft, 2500 Dollars dem jüdischen Waisenhaus in Cleveland, 1000 Dollars dem Verband der Wohlthätigkeitsanstalten von Cincinnati, 2500 Dollars dem Hebrew Union College (Rabbiner-Seminar) in Cincinnati vermacht und 1000 Dollars zur Vertheilung unter den nichtjüdischen Armenanstalten. — Bonn, 20. April. (Literarische Notizen.) Wir haben heute auf eine sehr bedeutende Arbeit aufmerksam zu machen, deren Erscheinen nur noch von dem Auffinden eines Verlegers abhängt. Jedermann kennt die hebräisch-chaldäische Bibel- Concordanz von Buxtorf in der Bearbeitung von Dr. Julius Fürst, welche letztere dem Buxtorf'schen Werke wesentliche Verbesserungen und Vervollständigung brachte. Jndeß machten sich auch bei dieser und der von B. Bär noch viele Mängel fühlbar, und Dr. S. Mandelkern unterzog sich mit größtem Fleiße und vieler Umsicht der mühevollen Arbeit, diese Mängel und Lücken auszufüllen und das ganze, für den Bibelforscher unentbehrliche Werk zu bearbeiten. In einem desfallsigen Programm war er im Stande, 18 Punkte aufzuzählen und mit zahlreichen Beispielen zu beweisen, in welchen Fürst'S Concordanz mangelhaft und fehlerhaft ist. Jedem, der die Concordanz von Fürst benutzte, waren gewiß einige dieser darüber bringt er eine Reihe von Gutachten christlicher und jüdischer Fachgelehrten aus Leipzig und Berlin, denen er seine Arbeit vorgelegt hatte, bei, die einstimmig in der Anerkennung seiner Leistungen sind. Bon Gewicht ist hierbei auch das Urtheil des Prof. Franz Delitzsch, der an der Bearbeitung der Fürst'schen Concordanz mitbetheiligt gewesen, und die lateinischen Worterklärungen in derselben verfaßt hat. Er sagt: „Mit riesigem Fleiße und großer Accuratesse hat M. sein Exemplar der Fürst'schen Concordanz durchcorrigirt und vervollständigt." Es wäre daher sehr zu wünschen, daß sich recht bald ein Verleger für das großartige Werk, das freilich ein bedeutendes Anlagekapital erfordert, fände. — Von der Bibliotheea Rabbiniea d. h. von der Uebersetzung des Midrasch-Rabba von Dr. August Wünsche (Leipzig, Otto Schulze, 1881) ist die 29. Lieferung erschienen, welche den Midrasch Bemidbar Rabba beendet, den „^Nachweis der Quellen und Parallelen" zu diesem Buche und Noten von Rabb. Dr. I. Fürst anfügt. Hiermit ist der Midrasch Rabba zu den 5 Büchern Mosis vollendet, sowie schon früher derselbe Midrasch zu den 5 Megilloth mit Ausnahme von Ruth in der Uebersetzung von Dr. Wünsche erschienen ist. Wir können dem Berf. wie dem Verleger unsre ganze Anerkennung für die mit vielen Opfern verbundene Ausführung des Werkes aussprechen, sowie den Wunsch, daß sich der Absatz desselben mehre. — Jakob B. Brandeis in Prag hat seinen „Jllustrirten israelitischen Volkskalender" für das Jahr 5645 bereits herausgcgeben. Das hübsch ausgestattete Büchlein enthält außer den zum Kalender gehörigen Artikeln eine recht interessante Erzählung von S. Kohn „Aus den Erinnerungen eines jüdischen Veteranen, Rückblick auf das Jahr 1883", und andere hübsche Piecen. Die beigegebenen Portcaits der hervorragendsten Juristen, die bei dem Tißa-Eßlaer Prozeß thätig gewesen, sind recht gut. — — Mit dem Beginne des April hat Herr Karl Emil Franzos, der sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit einen sehr geachteten Namen in der deutschen Literatur erworben hat, die Redaktion der „Neuen Jllustrirten Zeitung", die zu Wien im 12. Jahrgang erscheint, übernommen. Die bereits unter seiner Redaktion erschienenen Nummern liegen uns vor und zeichnen sich dieselben durch die Mannigfaltigkeit und Gediegenheit des Inhalts, wie durch die künstlerische Trefflichkeit der Illustrationen aus. Wir empfehlen daher gern dieses vorzüglich ausgestattete Blatt unseren Lesern. —