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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-04-29 · Heft 18 (29.4.1884) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 18 (29.4.1884)
Date
1884-04-29
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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Kippur find zu beseitigen". § 12: „Zwischen Schacharith und Mußaph oder zwischen Mußaph und Mincha soll die feierliche Hascorath Neschamoth (Seelengedächtniß) abgehalten werden"- 13: „Die Aboda ist beizubehalten, jedoch sind die Zwischenstücke zu überarbeiten und zu kürzen." Aus dem 6. Titel. Im Allgemeinen wurden noch §§ 16 und 18 einstimmig angenommen: „Es soll vorzugsweise auf einstimmigen Ge meindegesang gehalten werden. Mehrstimmiger Chorgesang und weitere musikalische Aufführungen sind nur da zu empfehlen, wo hinreichende Kräfte vorhanden sind". — Alle noch übrigen Paragraphen, Amendements und Anträge wurden der Commission für die nächste Synodalversammlung überwiesen. — In der achten d. i. Schlußsitzung wurden noch die nöthigen Formalien berathen und beschlossen. Unter ihnen erregte eine längere Debatte ein Antrag, der den Lehrern, auch wenn sie nicht von den Gemeinden delegirt sind, den Eintritt in die Synode gewähren sollte. Schließlich wurde ein Bermittelungsantrag angenommen, daß diejenigen Lehrer, welche an den Volksschulen mit öffentlichem Charakter angestellt und bereits seit zehn Jahren im Amte sind, zuzulaffen seien. — Als charakteristisch wollen wir noch folgenden Umstandes erwähnen. Der Vertreter der Gemeinde Gleiwitz Di-, med. Wollner hatte gleich bei Beginn der Verhandlungen beantragt: „die Synode wolle erklären: daß sie bei Heilung der Uebelständc, die vorliegen, vor Allem den Zusammenhang mit Bibel und traditionellem Schriftthum aufrecht zu erhalten bemüht sein will". Die Versammlung, von der viele Mitglieder in diesem Anträge nur eine Gelegenheit sahen, die Versammlung auf den dornigen Boden dogmatischer Streitfragen zu versetzen und Spaltung herbeizuführen, lehnte die sofortige Berathung ab, um den Antrag erst später auf die Tagesordnung zu bringen. In der Schlußsitzung erklärte nun Dir. Wollner wörtlich: „Ich legte einen besonderen Werth darauf, daß mein Antrag von der Synode bei Beginn ihrer Thätigkeit diskutirt werde, weil ich durch diese Diskussion festgestellt sehen wollte, ob die Versammlung destruktive Tendenzen verfolge. Ich konstatire aber mit Genugthuung, daß die Versammlung den Boden der positiven Anschauung nicht verlaffen hat, und werde dieser Ansicht in meiner Gemeinde Geltung zu verschaffen suchen. Ich ziehe nunmehr meinen Antrag zurück." — Die Versammlung beschloß noch, daß die nächste Synode im folgenden Jahre (1870) abgehalten werdet) (Schluß folgt.) 2) Wir erhalten mit Bezug auf die 2. Rabbinerversammlung, besprochen in Nr. 15, von Herrn Elias Ullmann in Franks, a. M., Aktuar der dortigen Gemeinde, eine Zuschrift mit Erinnerungen an die „erhebende" Zeit jener Versammlung. Herr Ullmann war eines der 16 Mitglieder des Orts Comitös — der einzige, der von diesen noch lebt. Als Buchhändler gab er die Protokolle der Versammlung heraus, und da er noch eine größere Anzahl Exemplare davon vorräthig hat, so ist er bereit, das Exemplar für 1 Mark abzugeben früherer Ladenpr. 4 M.), und die Hälfte der desfallsigen Einnahme;u einem wohlthätizen Zwecke zu bestimmen. Die Galizischen Juden. Den Kulturverhältniffen der Galizischen Juden und dem Streben, dieselben womöglich zu bessern, hat sich gegenwärtig die Aufmerksamkeit zugewendct. Wir erhalten soeben aus Wien das Protokoll einer Conferenz, die dies zum Gegenstände hatte, und am 31. Oktober 1883 unter dem Vorsitze des vr. Philipp Mauthner stattfand. Man sieht, seit der Aufnahme dieses Protokolls ist eine geraume Zeit verflossen. und wir hätten gewünscht, daß zugleich wenigstens über die weitere Thätigkeit und Wirksamkeit der Conferenz Einiges berichtet worden. Hierüber hat noch nichts verlautet. Jndeß bringt das Protokoll ein Expose über die galizischen Zustände, das vom allgemeinsten Interesse ist, und aus welchem wir deshalb das Hauptsächlichste entnehmen wollen. Der Conferenz wohnten an: Baron Henry Worms aus London für die ^L§l0-3sv?-i8d-^8Loeisti0L, Prof. Lazarus und Reichstazsabgeordneter Ludwig Löwe für das Berliner Hülfscomite, Emanuel Baumgarten, Moriz Ritter von Borkenau, Armin Kohn, Wilhelm Ritter von Gutmann, Baron Albert Rothschild und Kammerrath Bernhard Singer für die Wiener Allianz. Das erwähnte Expose des Herrn Singer lautet nach den einleitenden Bemerkungen in seinen Hauptstellen folgendermaßen: Am 31. Dezember 1880 war die Einwohnerschaft in Galizien 5,058,907, darunter Juden 686,596 -- 11.52 Prz., in der Bukowina 571,671 darunter Juden 67418 ---- 11.79Prz. In ganz Oesterreich (außer Ungarn) leben 1,005,394 Juden 4.54 Prz. der Gesammtbevölkerung, wovon aber auf Galizien und die Bukowina 754,014 Juden ----- 75 Prz. der jüdischen Bevölkerung entfallen. Sohin vertheilen sich auf die Bevölkerung der anderen diesseitigen Kronländer bei einer Gesammtseelenzahl von 15,613.666 nur 251,380 Juden -- 1.61 Prz. Unter der Gesammtbevölkerung gab es des Lesens und Schreibens Unkundige: in Galizien 2,312,245 — 78.79 Prz. männliche, 2,523,038 83.43 Prz. weibliche, in der Bukowina 249,051 86.99 Prz. männliche, 263,647 92.41 Prz. weibliche. An Volks- und Bürgerschulen werden verzeichnet in Galizien 2667 öffentliche, 180 private, zusammen 2847, in der Bukowina 193 öffentliche, 13 private, zusammen 206. Es sind hiernach, wenn selbst angenommen würde, daß die vorhandenen Schulen einzeln in Gemeinden vertheilt sind, politische Gemeinden ohne jede Schule im Minimum in Galizien 8130, in der Bukowina 314. Charakteristisch genug für ein Land, in welchem das Gesetz, wie in den andern Grönländern, den Schulzwang vorschreibt. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder (das Berhältniß der Knaben und Mädchen ist annähernd 1:1) betrug 1880

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