Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1884)
- Date
- 1884-04-15
- Page
- Seite 258 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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258 sich und an seinem Geschicke verzweifelte, sondern die Standarte nicht blos seines Glaubens, sondern auch seiner zuversichtlichen Hoffnung aufpflanzte und hoch über den Scheiterhaufen leuchten ließ, die für ihn errichtet und angezündet wurden! (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Die muselmännische Wohlthätigkeit. Wir haben schon mehrere Male zu bemerken Gelegenheit gehabt, daß, nach dem Urtheile und den Berichten unparteiischer Reisender, die Wohlthätigkeit von den Mohamedanern in einem so reichen Maße ausgeübt wird, daß sie darin die Europäer weit übertresfen. Wir finden dafür einen abermaligen Beleg in dem von uns schon einmal citirten Buche Edmond About's „Le fellah, Souvenirs d’Egypte “ (Paris, Hachette), S. 226, einem Buche, welches in höchst interessanter Form eine genaue Schilderung des heutigen Aegyptens, namentlich der Sitten seiner verschiedenartigen Bevölkerung enthält. Ein koptischer Mönch war schwimmend an die den Nil pasfirenden Fahrzeuge gekommen, um zu betteln. Es heißt da: „Die Mitglieder der Gesellschaft von St. Vincent de Paul, die ihre Wohlthätigkeit nur mit einer sehr bekannten Unterscheidung ausüben, werden ein Aergerniß darin finden, zu erfahren, daß der muselmännische Fellah trotz seiner Dürftigkeit den Christen Almosen spendet. Die Schüler Mahomefs sind mindestens ebenso großmüthig und sicherlich viel toleranter als die Bekenner von Jesus. Hier zu Lande sind alle Pforten offen, wer auch in den Hof des Reichen oder des Armen eintritt. Die Religion und die Sitten befehlen, daß man speise und tränke jeden Fremden, aus welchem Lande und von welchem Glauben er sei: stets die antique Gastfreundschaft!" — „Die Großmuth ist hier von strenger Verbindlichkeit für alle Männer, die reich sind oder scheinen. Es folgt hieraus, daß der Preis der Güter und der Dienste nach den Personen sich verschieden stellt. Das türkische Bad z. B. erhält der Bettler gratis; der Bauer und Arbeiter bezahlen es mit einem oder zwei Piaster, der Bürger mit 5 Frcs., der Gentleman mit einem Louisd'or, die Beys und Paschas fünf oder sechs mal theurer; es ist der Rang des Consumenten, der den Preis der consumirten Dinge bestimmt. Immer nur Erfindung! Wir haben jüngst bemerkt, daß wohl in Nichts so viel gelogen werde, als auf Kosten der Juden! Hier finden die Reporter bei dem großen Publikum, das nach pikanten Anekdoten begierig ist, stets ein offnes Ohr und bereitwilligen Glauben. Da die Wuchergeschichten nicht mehr interessiren, und zu viele dergleichen, von Christen verübt, in die Oeffentlichkeit gelangen, so hat man sich neuerdings auf die jüdischen Eheschließungen geworfen. Vor Kurzem erwähnten wir des erfundenen GeschiHtchens aus Oran. Dann kam eine Entführungsgeschichte aus Odessa an die Reihe und in diesen Tagen machte eine ähnliche aus Birmingham die -Runde durch die Tagesliteratur. In der dortigen Synagoge sollen Nachmittags die zahlreichen Gäste und der Bräutigam zur Trauung versammelt gewesen sein, aber vergebens auf die Braut gewartet haben, da diese bereits früh morgens aus dem väterlichen Hause mit einem christlichen Commis ihres Vaters entfloh, sich civiliter hat trauen lassen und mit ihrem jungen Mann sich nach unbekannter Ferne verflüchtigte. Es werden natürlich, um die Sache glaubhaft zu machen, Namen wie Salomon und Cohn genannt. Das Geschichtchen aber ist erfunden, wie man schon daraus sieht, daß eine Civilttauung gar nicht ohne Zustimmung des Vaters geschehen darf und man bei solchen Umständen doch nicht Nachmittags die Synagoge zur Trauung öffnet und herrichtet und die Gäste sammt dem Bräuttgam sich dahin verfügen läßt. Wir sind begierig, auf was man verfallen werde, wenn auch dieser Gegenstand erst sein Interesse verloren haben wird, da er schließlich nicht viel Mannigfaltigkeit bietet. Anzeigen. T-|i qpyfl werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- XllPt/X d tv folgende Wocbennnmmer bis spätestens Donnerstag eingeben. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Die erste Lehrerstelle an unserer ReUgionS-Schnle mit eine« jährlichen Gehalt von 1500 Mark ist znm 1. Juli er. zu besetzen Seminaristisch gebildete Lehrer, die zugleich musikalische Bildung besitzen, um im Synagogen-Chor (Tenor oder Baß) Mitwirken zu können, wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Mai er. bei dem Unterzeichneten Borstand melden. ]L. 6468a) Der Borstand der Shnagogen-Gemeinde zu Bromberg. Louis Aronsohn. Die zweite Lehrerstelle an unserer RcligiouS-Schule mit einem jährlichen Gehalt von 1050 Mark ist znm 1. Juli er. zu besetzen Seminaristisch gebildete Lehrer, die zugleich musikalische Bildung besitzen, um im Synagogen-Chor (Tenor oder Baß) Mitwirken zu können, wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse bis zum 15. Mai er. bei dem Unterzeichneten Vorstand melden. ]B. 6468b] Der Vorstand der Synagogrn-Temeinde zu Bromberg. Louis Aronsohn. Für ein wohlerzogenes gebildetes Fräulein (Waise), aus einer den besiern Ständen angehörizer israel. Familie, wird eine Stelle gesucht, entweder als Bonne, oder zu einer einzelnen Dame als Gesellschafterin, Vorleserin rc. rc. [M. 6509] Vorzügliche Empfehlungen stehen zur Seite. Gefl. Offerten unter Z. 3827 bittet man an Rudolf Masse, Manchen zu richten.