Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1884)
- Date
- 1884-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Hudenthums. Em unparteiisches Orgm für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig s Mart. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. »L) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KzepeöiLiorr: Leipzig, Woßplah 18. | In redactionellcn Angelegenheiten I toenbe man sich an vr.L. PhiliPpson in I Bonn direct, in allen übrigen an die > Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere ein» I zusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 1. April 1884. 14. Inhalt. Leitende Artikel: Geschichte der deutschen Rabbinerversammlungen. I. — Verfolgung — Duldung. Bon M. Mannheimer in Darmstadt. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., Dortmund, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Prag, Pest. — Rußland: Petersburg, Aus Rußland, Aus Polen. — Amerika: Washington. — Bonn: Notizen, Knnstnotiz. — Feuilleton: Vermischtes: Luther und der Synagogenbrand. — Bon deu Juden in Indien. Seifende fitzti£ef. Bonn, 26. März. Geschichte -er -eatscheu Rabbiuerverlammluageu. I. Am 8. Januar dieses Jahres waren es vierzig Jahre, daß wir die Aufforderung „An alle Rabbinen und jüdische Geistliche Deutschlands zur Abhaltung jährlicher Versammlungen" in Nr. 3 des Jhrgs. 1844 dieser Zeitung erließen. Sie hatte zur Folge: vier Rabbinerversammlungen (zu Braunschweig, Frankfurt a.M., Breslau und Cassel) Synoden (Leipzig und Augsburg). Diese Jährigkeit hatte in uns den Gedanken geweckt, die Geschichte dieser Versammlungen in unparteiischer Weise darzustellen, rtm eine gerechte Würdigung derselben herbeizuführen. Hierin bestärkte uns der vor wenigen Tagen eingetretene Tod des Landrabbiners vr. Herzfeld, welcher in Verbindung mit uns am 12. Juni 1844 die erste Rabbinerversammlung zu Braunschweig er öffnete. Unsere Zeit ist eine schnell lebende; das Andenken an kaum vorübergegangene Ereignisse schwächt sich rasch ab, und aus diesem flüchtigen Dasein vererbt sich oft ein Urtheil, das nicht zutreffend und nicht gerechtfertigt ist. Unsre Leser schen jüdischen Gemeinden, das Bedürfniß eine solche Verbindung anzuftreben, vielfach bemerklich gemacht. Eine lebhafte Bewegung der Geister hatte sich im Judenthume nach einer langen Zeit der dlpathie erhoben und bedurfte eines gewissen Mittelpunktes, um nicht zu einer völligen Zerfahrenheit zu führen. Literarisch gab die Allgem. Ztg. des Judenthums seit 1837 einen solchen Mittelpunkt ab. Aber das genügte nicht: nur die persönliche Zusammenkunft derer, welche an der Spitze der Gemeinden standen, unmittelbare Besprechungen und Verhandlungen konnten eine einheitlichere Richtung, eine Verständigung über die Disserenzpunktc, eine Förderung gemeinsamer Unternehmungen erzielen. Dies und zwei drängte dem Schreiber dieses sich ganz besonders auf; hieraus entsprang sein Plan und wurde er ausgcmuntert durch die Zuschriften mancher College», wie des vr. Lilienthal in Peters bürg, vr. Levi in Gießen. Wie bemerkt erließen wir am 8. Januar die Aufforderung. In derselben heißt es: „Das Erste, das Nothwendigste ist, daß keine Meinungsverschiedenheit, keine Nuancirung allein repräsentirt oder ausgeschlossen werden darf. Alle find geladen, Alle sind verpflichtet. Alle ausgenommen." Alsbald liefen auch die Zustimmungen und Anmeldungen ein, die auf 33 stiegen. Bei der Bcurtheilung dieser Zahl und der Zahlen derer, die an den Versammlungen wirklich Theil genommen, muß in Betracht gezogen werden. werden uns wohl daher gern in jene Zeit eifrigen Strebens! daß es damals in Deutschland, besonders aber in Preußen und Ringens folgen. verhältnißmäßig nur wenige Rabbinen gab. Die Gemeinden Wie bei den Männern der verschiedenen Wissenschaften,! halten vielfach die Rabbinatsflühle nicht wieder besetzt, weil welche sich in jährlichen Versammlungen vereinigten, hatte! ihnen Rabbiner alten Schlages nicht mehr zusagten, die sich auch bei den Rabbinen und geistigen Führern der deut-^jüngeren Rabbinen noch geringzählig waren und das religiöse