Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1884)
- Date
- 1884-03-04
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 größeren Verwunderung mußte ich daher eine Mittheilung in der Nr. 6 dieser Zeitung sehen, welche besagt, daß der Senat diese Befehle gar schon aufgehoben habe! Bon einer gänzlichen Aufhebung derselben durch den Senat kann schon deswegen keine Rede sein, da dies ihm gesetzlich gar nicht einmal zusteht; was derselbe allerdings in derartigen Fällen thun kann, ist, seinerseits, nach vorheriger Beschlußfassung, höheren Orts die Aufhebung resp. Modificirung eines Gesetzes zu beantragen, wobei freilich diese oder^ jene vom Senate abgegebene Begutachtung über das fernere j Bestehen eines solchen Gesetzes in der Regel entscheidend i zu sein pflegt. Und eine solche Beschlußfassung seitens des; Senats war es auch, wovon ursprünglich in der angef. Miti theilung der Blätter die Rede war, was allerdings als ein einigermaßen lichter Punkt an unserem gegenwärtig so dicht umschleierten Lebenshorizont gelten konnte. Diese Mittheilung hat sich jedoch gegenwärtig als eine völlig aus der Luft gegriffene erwiesen, und muß die den Juden aufs äußerste feindselige „Nowoje wremja“ (die Neuzeit), aus welcher ursprünglich diese Nachricht stammt, sich blos mit den ihr verhaßten Juden einen kleinen „Scherz" haben machen wollen, was ihr auch völlig gelang. — — Die Herausgeber der in Petersburg seit sechs Jahren in russ. Sprache erscheinenden jüdischen Wochenschrift „KusKij Ewrey“ haben es unternommen, vom Beginn lauf. Jahr., außer der bisherigen wöchentlichen Ausgabe, unter dem Titel „Jewreiskoje Obosrienie1“ (die jüdische Rundschau) eine! Monatsschrift erscheinen zu lassen. Dieselbe soll nach ihrem Programm Artikel und Aufsätze culturhistorischen, wie auch belehrenden Inhalts aufnehmen, das jüdische Leben charakterisirende, originale sowohl, als auch aus anderen Sprachen übertragene Romane und Novellen bringen, wie auch objcctiv gehaltene kritische Berichte über diejenige Literaturerzeugnisse geben, die ihrem Inhalte nach auf Judenthum und Juden Bezug haben. Das erste Heft (Jannas), welches bereits vor uns liegt, liefert den genügenden Beweis, daß dies Unternehmen mit würdigem Ernst geführt und von tüchtigen Kräften unterstützt sein wird. Unter Anderem finden wir darin in einer vortrefflichen Uebersetzung den Anfang Ihrer historischen Novelle „Sepphoris und Rom", *) ferner eine Fortl) Bekanntlich stehen Rußland, Holland und Nordamerika in keinem literarischen Vertrage mit Deutschland. Man ist also in setzung der bekanntlich unter der Redaction unseres berühmten Archäologen und Hebraisten, A. Harkawi unternommenen Herausgabe in russ. Sprache der „Geschichte der Juden" von Grätz mit sehr werthvollen Bemerkungen des Uebersetzers versehen. Auch seinem übrigen Inhalte nach ist das vorliegende Heft sehr interessant und bietet dasselbe reichhaltigen Stoff zu einer angenehmen und zugleich lehrreichen Lectüre, wozu es sich auch äußerst empfiehlt. H. B. Bonn, 24. Febr. (Notizen.) In Paris verschied Herr Hauser, früher Professor der Mathematik an der Universität, Ritter der Ehrenlegion, Mitglied des israelitischen Consistoriums, des Schulcomites, des Ueberwachungsrathes für die Waisenanstalt Rothschild u. s. w. Er hatte das! Alter von 71 Jahren erreicht und hinterläßt einen Sohn,! der Marincingenieur ist. — In Nancy verschied ein Mann, der. für die metallurgische Industrie Frankreichs von großer Bedeutung war. Herr Dupont, Mitbesitzer der großen Eta-! blissements für Eisenindustrie von Ars-sur-Moselle. Dupont! war in Metz geboren und verlegte nach der Annection von Elsaß-Lothringen seitens des deutschen Reiches seinen Wohnsitz nach Nancy. Er war Ritter der Ehrenlegion und Präsident des israelitischen Consistoriums von Nancy. Er hinterläßt ein sehr ehrenvolles Andenken, das sich an seinen achtungswerthen Charakter und feine gemeinnützige Thätigkeit knüpft. — G. Mayer in Paris, Bnreauchef in der Schifffahrtsdirection im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, ist zum Tivisionschef in der Verwaltung der Eisenbahnen ernannt worden. — Aus Kaposvar (Ungarn) wird geschrieben: Den 15. d. M. starb hier der praktische Arztvr. Joseph Bergl im Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene, welcher hier durch 5l Jahre seinem Berufe lebte, war in den letzten Jahren seines Lebens auch schriftstellerisch thätig. Von ihm! erschienen eine „Geschichte der Juden in Ungarn", „Die! naturwissenschaftliche Äenntniß der Talmudistcn" und andere 1 Schriften, welche in dieser Zeitung nach ihrem Werthe gewürdigt wurden.; btcicn Ländern gesetzlich nicht verpflichtet, die Verfasser bctresss , Uebersetzung ihrer Werke zu befragen. Eigenthnmlich ist es jedoch, daß man dort nicht einmal die Artigkeit beobachtet, den Autoren ein Exemplar der Uebersetzung znzusenden. So erging es uns wieder- > holt in Holland und Nordamerika mit belletristischen und wissenschaftlichen Werken, und nicht minder in Rußland, was uns aber nicht l hindert, dergleichen Uebersetzungen sehr gern zu sehen Rcdakt. A e u i l l e t o n. Dirmifriiits i Franchetti, Deputirter, der andere Eisner aus Triest, kamen im Club in Streit und fochten diesen im Duell aus. Man Ein Duell zwischen zwei Juden. sieht, wie gerechtfertigt die Klage ist, daß die Israeliten sich In Florenz machte in diesen Tagen ein Duell zwischen den modernen Sitten nicht angepaßt hätten, zwei Israeliten, beide Barone, viel Aussehen. Der eine