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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-04 · Heft 10 (4.3.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 10 (4.3.1884)
Date
1884-03-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ( Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mar!. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. S2) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippsou in Bonn. GXpeöiLiorr: Leipzig, Hr<?ßpk<rh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.PHUippson in Bonn direct, in allen übrigen an die > Berlagshandlung- Beilagen (Gebühr I 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. I 48. Jahrgang. Leipzig, den 4. März 1884. 10. Inhalt. Leitende Artikel: Die fortschreitende Entwickelung. VI. Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Aus Rußland. — Bo .Sei eUttflcf. Bonn, 27. Februar. Die fortschreitende Entwickelung. VI. Je mehr sich die Menschheit von dem Ursprünge des Paganismus entfernte, je mehr das Leben sich entfaltete und die Verstandesbildung fortschritt, sich zur Wisienschaft und Philosophie gestaltete, desto leerer wurde der Polytheismus an Inhalt und desto mehr verlor er die Befähigung, die Geister zu befriedigen. Der Gottesbegriff vermenschlichte so sehr, daß es nicht auffiel, wenn schon Alexander d. Gr., dann die römischen Cäsaren sich als Götter verehren, Altäre und Tempel bauen und Opfer darbringen ließen, so daß also die Gottheit in Menschen erschien, Menschen zu Göttern wurden. So nahete die Zeit, wo der Monotheismus in die allgemeine Menschheit eindringen und den Kampf gegen den Polytheismus anheben konnte. Hatte hierzu die im Abendlande und in Borderasien verbreitete literarische und philosophische Bildung vorgearbeitet, so trug die weite Verbreitung der Juden, die schon vor der zweiten Zerstörung Jerusalems stattgefunden und nach derselben sich über alle Länder ausgedehnt hatte, nicht wenig dazu bei, den Boden des absterbenden Alterthums für den Monotheismus empfänglich zu machen. Dieser hatte, der ganzen alten Welt gegenüber, seit anderthalb Jahrtausenden in der jüdischen Nation Wurzel gefaßt und dieselbe nach einem tausendjährigen inneren Kampfe sich — Eduard Lasker. II. — Eine Antwort auf unser „Sendschreiben". — : Berlin, Glogau, Pelplin. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Bonn, nn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. in der nachexilischen Zeit völlig angeeignet, so daß sie ihre monotheistische Lehre und als Consequenz derselben ihr Gesetz mit treuester Anhänglichkeit in ihre Zerstreuung über den Erdkreis mit sich nahm. Die neueste Forschung hat es klar gemacht, wie viele Anhänger die jüdische Lehre unter Römern |unb Griechen gewonnen hatte, sowohl in den aristokratischen Kreisen als in der Masse, so daß ein Theil völlig zum Judenthum übertrat, der andere, wahrscheinlich viel größere Theil, die Lehre anerkannte, von den Satzungen aber nur j wie den Sabbath, oder keine annahm. Daß hier- - durch dem Christenthume der Eingang erleichtert, vielleicht ermöglicht worden, ist jetzt eine anerkannte Thatsache. Was aber bis jetzt nur im Einzelnen vor sich gegangen, nämlich daß der Monotheismus seinen Gegensatz aus den Geistern verdrängte, das geschah nunmehr in großen geschloffenen Körperschaften, welche nach und nach die ganzen Völker in sich ausuahmen. Der Monotheismus wurde nicht mehr die Einsicht der Individuen, sondern das allgemeine Bekenntniß der Kationen. Es ging dies durch das Christenthum und sechs! Jahrhunderte später durch den Islam vor sich. Aber diese! große Umgestaltung konnte nur dadurch geschehen, daß der > Monotheismus von seiner consequenten und vollständigen strenj gen Auffassung, wie sie in der israelitischen Religion und! in dem aus ihr entwickelten Judenthume bestand, sich löste, dem Geiste der Völker nach ihrer damaligen Entwickelung sich anpaßte und nach ihrer bisherigen religiösen Anschauung polytheistische Elemente in sich aufnahm. Wir wollen hier nur aus den Dualismus Hinweisen, in welchem der Gottesmacht das böse „Prinzip", in dem Teufel personifizirt, 10

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