Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 133 (6.11.1838)
- Date
- 1838-11-06
- Page
- Seite 538 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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538 fann ich nicht anerkennen, da gewiß auch beinahe jedes Mitglied der Versammlung auf Fragen stoßen kann, die außerhalb seiner Sphäre liegen. ES werden doch nur eigentliche geistliche Angelegenheiten sein, von denen die Juden auS diesem Grunde sich enthalten muffen. Daß Alles, wo die Heiligkeit deS Eides in Frage steht, ihnen entzogen werden sollte, würde höchst sonderbar sein, wenn man bedenkt, daß es unter ihnen achtbare Sachwalter giebt; der Eid wird bei ihnen nicht weniger hoch geachtet, wie bei den Christen, nur wird er auf eine verschiedene Art, vielleicht mit noch mehr Feierlichkeit, abgelegt. Wenn angeführt wurde, daß die Juden nicht zum Volke gehören, nicht sein Interesse theilen, nie ihre Nationalität aufgeben können, so muß man die Ursache davon darin suchen, ''daß inan bis vor wenigen Jahren durch zwangvolle Gesetze sie vom Volke entfernt gehalten, ihnen mehrere Beschäftigungen und Erwerbsquellen des Volkes versagt und sie dadurch gezwungen hat, sich aneinander anzuschließen, unter sich die Mittel zur Erhaltung aufzufinden und auszuführen, und so das Ansehen einer Nation für sich zu erhalten. Das wiffen sie aber sehr wohl, daß sie keine Nation mehr ausmachen, daß ihr Eigenthum zur See-gleiches Schicksal mit dem Eigenthum deö Volkes theilt, unter dessen Flagge es fährt, und ihre Besitzungen auf dem festen Lande das Schicksal mit dem Lande theilen, in welchem sie liegen. Sie wissen und müssen wissen, daß sie sich von dem übrigen Volke nur durch ihre Religion unterscheiden und in Allem daS Schicksal jeder Nation theilen muffen, unter der sie Bürger sind. WaS überspannte Phantasien von einem künftigen Judenreiche träumen könnten, kann keinen Grund abgeben, ihnen entweder daS einzuräumen oder zu versagen, was die Gesellschaft, unter welcher sie wohnen, an Lasten und Gütern, Pflichten und Rechten mit sich bringt. Daß die Mosaiken durch das Recht, an dem Rathe deS Volkes Theil zu nehmen, in Besitz dieses Ehrenpostens kommen sollten, ohne in jeder Hinsicht durch ausgezeichnete Eigenschaften dazu geeignet zu sein, dafür ist daS gegen sie noch herrschende Vorurtheil Bürge; und ich kann nicht die Ansicht der Majorität theilen, daß ihre Handelsverbindungen in den Städten, ohne triftigen Grund in ihrer Achtbarkeit, ihnen Eintritt in die Versammlung verschaffen würden, und solcher Einfluß unter ihren Mitbürgern, der diesen nur wenig zur Ehre gereichen würde, hat sich auch nicht bei der kürzlich in allen Städten vorgenommenen Wahl zu eligirten Bürgern gezeigt. Ich kann nicht unterlassen mich darüber zu äußern, inwieweit die Religion der Juden ihre Aufnahme in die Ständeversammlung hinderlich sein könnte. Die Grundlage dieser Religion, daS alte Testament, kennen wir Alle, seinen göttlichen Ursprung bezweifeln wir nicht, ohne die Grundlage unserer eigenen', die Verheißungen, zu erschüttern. Alle auf Religion gegründete Moral haben wir mit den Mosaiten gemein, und ihr Talmud, oder heiligen Bücher, sind im Judenthum nichts anderes, als bei unS die Schriften der sogenannten Kirchenväter, enthalten so nun ihre Meinungen und Auslegungen der Schrift, deren einer Theil ihren und deren beide Abtheilungen unsern Glauben enthalten. DaS vorgelegte Lehrbuch der Religion muß Bürge für die fernere Ausbildung der jüdischen Jugend in einer religiösen und moralischen Richtung sein, die immer mehr die Schranken durchbrechen wird, welche bis jetzt sie von uns entfernt hielten, so daß jetzt nur der Glaube, worauf sie ihre Hoffnung auf die Zukunft gründen, und nicht mehr die Regeln, nach denen sie ihren Wandel in dem Zeitlichen einrichte», unS trennt. Sind nun ihre Lehren und Pflichten gegen Mitbürger und Staat nicht mit den unfrigen streitend, so muß auch kein Unterschied im Genuß voller staatsbürgerlichen Rechte länger Statt finden. In Bezug auf das Vorstehende erlaube ich mir vorzuschlagen, daß die Versammlung bei Sr. Majestät petitionire: Daß No. 2. im §. 4. der Verordnung vom 15. Mai 1834 wegfallen möge." (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Sagan, September. Seit fünfzig Jahren Schullehrer, den Geist der Jugend und der Zeit wahmehmend und folgend, gewahre ich aus Ihrem so heilverbreitenden Blatte mit nicht geringem Interesse die gegenwärtigen Bestrebungen der Juden, und bewußt, daß mit dem Beginnen Ihrer Zeirfchrift neues Leben und frische Tbatkraft hineingekommen, begrüße ich Sie Herr Redacreur mit Vielen, die Menschenwohl im Herzen zu bewahren gewohnt sind, und wünsche Ihren Bemühungen den schönsten Erfolg. Gort wird Ihnen auch denselben werden lassen, da dem Schooße deS JudenrhumS jetzt Männer erblühen, die da wohl wiffen was demselben frommt. Zu diesen Gedachten kann ich unbedenklich den seit 2 Jahren bei der hiesigen Israel. Gemeinde fungirenden, durch einen Corresp. im ersten Jahrgange Ihrer Zeitschrift zum Theil bekannten Lehrer, Herrn Kuttner, rechnen. Voll Eifer und Pädagogik und dem daraus hervorgehenden Triebe zur Vorwarrsstrebung, erglüht für den Glauben ferner Väter, begeistert für Judenthum, geachtet von Vorstehern und Collegen, indem er an unsere monatlichen Conferenzen und jährlichen General-Versammlungen Theil nimmt, so wie durch Vorbereiren der hiesigen Seminaristen im Denkrechnen, hat er sich besonders die vollkommne Liebe des um unser Schuld wesen hochverdienten König!. Superintendenten Herrn Nedmih erworben. Voll Beharrlichkeit zu seiner Gemeinde und Liebe wußte er durch Einführung von Confirmationen sich die Achtung derselben noch mehr zu verdienen; zwei solche wurden an diesem Jahre in der hiesigen Synagoge, im Beisein sämmtlicher jüdischen und vieler christlicher Einwohner gehalten: da hörte man Worte der tiefsten Ergreifung die vom Herzen gingen und tiefsten Anklang fanden. Indem ich Ihnen gewissenhaft über Herrn Kuttner im Namen meiner Amtsbrüder referire, um ihm für den uns bereiteten Genuß zu danken, bedaure ich zugleich, daß er sich bei den hier spärlich vorhandnen Kräften schwerlich einen Wirkungskreis bilden wird, der seiner angemeffen, und wünsche von Herzen, daß die Vorgesetzten seiner Nation auf ihn reflektiren und aufmerksam werden möchten. Schmalz, evangel. Lehrer. Redacteur Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I« B Hirschfel-.