Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 133 (6.11.1838)
- Date
- 1838-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n. zah-g-»g. AllgemriNe m 133. Zeitung des Zudenthums. Ein lmparlheiischeS Organ für alles jüdische Interesse (Mit König!. Sächsischer allergnöidigfter Conceffion.) Leipzig, den 6. November 1838. Zeitungsnachrichten. Amsterdam, 21. Oktbr. (Privatmitth.). Die letzten Aufstände der Drusen gegen Mehmed Ali haben tiefe Spuren in den Verhältnissen der palästinensischen Israeliten hinterlaffen. Ihre Raubsucht, ihre barbarische Grausamkeit hat jedes Maaß erschöpft, hat den letzten Rest ihres Besitzstandes zerstört, und sie der Verzweiflung mehr als je preis gegeben. Wann werden sich die Verhältnisse dieses unglücklichen Landes ordnen? wann wird es, wenn nicht Freistätte, doch Friedensstätte werden? Aller Bewegungen Opfer sind aber stets die wehrlosen Israeliten, welche die Beschützer erdrückten, und die Gegner zermalmen. Ich sende Ihnen heute wieder die neuesten authentischen Berichte über die letzten Vorgänge. Uebersetzung des Auszugs eines Briefes vom königlich Niederländischen Vice-Consul Herrn Pietro Laurella zu Beyrouth an Herrn H. Lehren, Präsidenten der Pekidim und Amarkalim sämmtlicher Israelitischen Gemeinden im heiligen Lande zu Amsterdam, battet Beyrouth, den 6ten August 1838. Von Neuem hatten die Israeliten von Saffet und Liberias unter den, durch den Aufstand der Drusen des Hauran verursachten Unruhen zu leiden. Nach einer Affaire mit den Egyptern überfielen dieselben genannte beiden Städte, und erpreßten in der Ersteren 52,(MO und in der Andern 50,000 Piaster, wenn die mir erstatteten Berichte genau sind. Als die Araber der Umgegend von Saffet von dieser Erpressung Nachricht erhielten, wollten auch sie ihren Theil daran haben; sie kamen daher nach Saffet, plünderten es aus, und schändeten, wie man sagt 3 Frauen „. Ich überlaste es Ihnen, mein Herr, sich die Lage des unglücklichen heiligen Landes vorzustellen, und was Ihre armen Glaubensbrüder seit 3 oder 4 Jahren auszustehen hatten. Genehmigen Sie, mein Herr, die erneuerte Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. (gez.) Pietro Laurella. Auch der Sachwahrnehmer der Israeliten im heiligen Lande, Herr P. I. Alphandari in Beyrouth hat sich unterm 15. Ab an Herrn H. Lehren mit einem Schreiben gewandt, worin er die früher mitgetheilten Nachrichten bestätigt, und die traurigsten Details über das bektagenswerthe Ereigniß giebt. Die Drusen hatten die würdigen Vorsteher Abraham Beer Rabbinen von Awrir der russisch deutschen Gemeinde und den Rabbine Harm Nahum Misrahr der portugiesischen Gemeinde in Saffet auf das fürchterlichste mißhandelt, , ihnen das Messer an die Kehle gesetzt und bereits einen tiefen Einschnitt in den Hals gemacht, so daß sie nur durch das Versprechen einer Zahlung von 52,000 Piastern dem Tode entrannen. Dieses Geld befand sich aber nicht in den Gemeinde-Kasten vorräthig, und so mußten denn die bedrängten Israeliten all ihre baare Habe zusammenbringen, um die Beutegier ihrer Verfolger zu befriedigen. Als die Rebellen das Geld erhalten hatten, überfielen sie die Wohnungen der Israeliten, raubten oder zerstörten all' ihr weniges Gut, mißhandelten die Männer und schändeten Weiber und Kinder, kurz begingen die empörendsten Ausschweifungen, so daß die Israeliten von Saffet gezwungen waren, sich in die benachbarten Städte zu retten u. s. w. Herr Alphandari schließt mit der dringenden Bitte, sich für die Unglücklichen, die im äußersten Elende schmachten, zu verwenden, und zu suchen, ihnen Unterstützungen von ihren glücklicheren Glaubensgenossen in Europa zu verschaffen. Arad,*) 17. Oktbr. (Privatmitth.). Es ist ein nicht geringes Verdienst der A. Zeit, des Jud., Gelegenheit zu geben, so manchem verdienten Ehrenmanne, der in der Stille seines Wirkungskreises die Früchte der Humanität zur Reife zu bringen sucht, eine öffentliche Anerkennung zu verschaffen, die ihm zur Befriedigung, Andern zum Sporne und zur Anregung dienet. Nur Bosheit könnte diese edelen Zwecke verkennen, die von jeder Persönlichkeit fern ist, und mit Partheilichkett Nichts zu schaffen hat. Ich übersende Ihnen daher heute in diesem Sinne die Fortsetzung des Berichtes, den Sie in No. 114 gegeben, und zwar abermals aus der Oest. K. priv. Wiener Ztg. No. 230. Die dießjahrigen Prüfungen der Zöglinge an der königlichen Araber Israelitischen Haupt-Realschule nahmen am 16. September ihren Anfang, und wurden am 19. September, zur Zufriedenheit aller Anwesenden, beendigt. Bei dem auf den nachfolgenden Tag verlegten solennen Schluffe wurde die von Hrn. MoiseS Hirfchl, hiesigen Großhändler, bei Gelegenheit seiner Bekleidung mit der ihm von der Allerhöchsten Gnade verliehenen goldenen Civil-Ehren-Medaille, funbirte Schenkung von 1000 fi. zu Stipendien für arme Schüler, zum ersten Male öffentlich vertheilt. Gemäß dem, von gedachtem Hrn. Moises Hirfchl, Großhändler und Besitzer der goldenen Civil-Ehren-Medaille, in die Hände der Schul-Commission übergebenen Reverse, soll die eine Erträgnißhälfte seiner Schenkung zur Bekleidung deö an Fleiß, Fortgang *) Ungarn.