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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-26 · Heft 9 (26.2.1884) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 9 (26.2.1884)
Date
1884-02-26
Page
Seite 142 (sequence 14)
Language
German
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142 fehlt, ihren tiefen und mächtigen Eindruck zu machen, aber! die Stadt Göttingen einen ihrer besten Bürger, der Lehrerbei aller Würdigung des großen Mannes wären doch die {stand ein wackeres, würdiges Mitglied, das Judenthum einen zarteren Saiten der persönlichen Freundschaft und Liebe weniger berührt geblieben. Anders ist's, wie es nun gekommen. Es war uns vergönnt, in seiner schönen Seele zu lesen. Unverlöschlich ist der Eindruck, den seine erhabene Persönlichkeit auf uns machte; unvergeßlich jedes Wort, das er in unseren Versammlungen sprach. Und wie sein Erscheinen zauberhaft auf uns gewirkt, so verfehlten auch dieses Land und seine Bewohner den Eindruck nicht auf sein empfängliches Herz; der große Fortschritt im Erziehungswesen, treuen und wahren Bekenner verloren. — Man schreibt aus Berlin vom 15. d.: Di. Aaron Bernstein ist heuteNachmittag \23 Uhr auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee unter überaus zahlreicher Betheiligung zur letzten Ruhe bestattet, nachdem bereits Tags vorher die sterbliche Hülle aus dem benachbarten Lichterfelde hierher geführt war. Zahlreiche Kränze waren von der Fortschrittspartei des Abgeordnetenhauses, der Volkszeitung, dem Berliner Handwerkeroerein, dem Verein Berliner Presse, dem Verein Waldder ausgesprochene Rechts- und Wohlthättgkeitssinn, den er j eck, dem liberalen Verein zu Groß-Lichterfelde, der deutschen hier im Volke fand, die Schwung- und Thatkraft in allen Kreisen, sie erfüllten ihn mit begeisterter Freude. Die Schätze der neuen Erfahrungen, die er hier gesammelt, er wollte sie heimbringen, auf ihrer Grundlage wollte er ein engeres und einigeres Verhältniß zwischen seiner und unserer Heimaih herbeiführen. Jetzt kehrt nur seine sterbliche Hülle nach der alten Heimath." Gesellschaft für Mechanik und Optik und anderen Vereinen, sowie vielen Privatpersonen gespendet, um Zeugniß abzulegen von der Verehrung, deren sich der Verstorbene in den weitesten Kreisen erfreute. Unter der großen Menge der Leidtragenden, die erschienen waren, dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen, bemerkte man die Abgeordneten Birchow, Ludwig Löwe, Langerhans, Löwe-Calbe, Westerburg, Wiß- Bonn, 17. Febr. (Notizen.) Man schreibt uns: mann, Schmidt, Phillips, Goldschmidt u. A., den früheren Am 12. Februar wurde der Lehrer Baruch Schlesinger Abgeordneten Franz Duncker, den Vorsteher der jüdischenGezu Göttin gen nach einer 55jährigen segensreichen Wirksam-! meinde Justizrath Meyer, die Rabbiner Di. Frankl und keit zu Grabe bestattet. Bei seinem Begräbnisse zeigte es sich, wie es der Verewigte verstanden, sich die Liebe und Verehrung Aller zu erwerben, die ihn kannten. An seinem Grabe sprach Herr Landrabbiner Dr. Guttmann aus Hildesheim und schilderte in beredten, innig empfundenen Worten das Leben und Wirken des Entschlafenen. In dem Heimgegangenen hat eine Familie ihren Mittelpunkt, ihren Stab Dr. Maybaum, die Stadtverordneten Dr. Neumann und Heilmann, Dr. Guido Weiß und andere bekannte Persönlichkeiten. Die „Volkszeitung" war durch sämmtliche Redactions- und Expeditionsmilglieder, der 2. Berliner Reichstagswahlkreis durch Herrn Pincussohn, der Verein Berliner Presie, der Handwerkerverein und die jüdische Reformgemeinde durch zahlreiche Mitglieder vertrelen. Der Prediger der letzteren, Dr. Ritter, und ihre Stütze, die Synagogen-Gemeinde Göttingen ihren hielt die Gedächtnißrede. Alsdann wurde der Sarg zur Gruft treuen Führer, ihren gewissenhaften und pflichttreuen Lehrer, getragen, wo die Einsenkung unter rituellen Gebeten stattfand. Ieuilleton. White und Lasker. Der Zurückweisung der Beileids-Adresse des Nordamerikanischen Kongresses durch den Reichskanzler gegenüber erscheint es nicht unangebracht, noch einmal darauf zurückzukommen, wie Lasker jenseits des Oceans gefeiert worden ist. Am Sarge Lasker's im Immanuel-Tempel in New-Aork hat bekanntlich neben Karl Schurz der frühere Gesandte der Vereinigten Staaten in Berlin, A. D. White, gesprochen, ein Mann, der auch in weiteren Kreisen bekannt ist durch seine deutsch-freundlichen Gesinnungen und die geistvolle Art, wie er denselben bei mehrfachen Gelegenheiten in Wort und Schrift Ausdruck gegeben hat. Einem Briefe, den White an einen hiesigen Freund geschrieben' entnimmt „Die Nation" Folgendes: „Es war für mich sehr schwer, bei der Leichenfeier in New-Z)ork gegenwärtig zu sein, da ich den ersten Tag des Wintersemesters (A. D. White ist zur Zeit Präsident der Cornell University) versäumen mußte und eine Reise von sechshundert Meilen in einem der heftigen Schneestürme, welche dieser Winter aufwies, zurückzulegen hatte; aber ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, einem Manne, den ich so hoch geachtet und bewundert habe, meinen Tribut zu zollen. Ausgenommen das Leichenbegängniß des Kaisers Nikolaus, welchem ich vor ungefähr dreißig Jahren in St. Petersburg beiwohnte, habe ich keine in gleichem Maße imponirende Leichenfeier gesehen. Es waren dreitausend Personen im Immanuel-Tempel, einem der schönsten Gebäude der Vereinigten Staaten, anwesend und die dreifache Anzahl befand sich außerhalb desselben. Auf dem Emporium waren auserwählte Bertteter der verschiedensten Berufszweige versammelt, darunter einige der hervorragendsten Mitglieder der christlichen Geistlichkeit. Die Musik war vorzüglich, Alles war feierlich nnd ergreifend."

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