Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
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62 Hoffnung, war es auf die treueste Pflege des Geschlechts der Zukunft gewiesen, auf die pünktliche Ueberlieferung des altväterlichen Glaubenssegens an die Kinder" (Zezschwitz). Nach Hesekiel 16, 4 wurde das neugeborene Kind geberührt, so daß auch die Schreibkunst ihm bekannt wird. Aber das gemeine Volk hängt sich auch an die ausländische Abgötterei, so daß eine neue Erziehung desselben durch Gott in der Einsamkeit der Wüste beginnt. Es soll ein heiliges badet, dann mit Salz gerieben, wodurch vielleicht wegen der Bolk werden. Das stellt sich zuerst äußerlich dar dadurch, vor Fäulniß schützenden Kraft des Salzes symbolisch die' daß es von den Weltvölkern abgeschlossen sein soll, daß von Hoffnung und der Wunsch des lebenskräftigen Gedeihens angedeutet wurde, und endlich in Windeln gewickelt. Die religiöse Weihe und Aufnahme in den Gottesbund cmpstng das ihm selber alle Glieder von makelhafter Geburt ausgeschlossen und alle, die sich sonst verunreinigt haben, auf bestimmte Zeit von ihm abgesondert werden. Zur Erreichung innermännliche Kind am achten Tage durch die Beschneidung, i licher Heiligkeit dient die Gemeinschaft mit Gott, die sich in Sie ist ein Leibesopfer, bei dem der Theil für das Ganzes Wort und Thal und durch die Bundesordnung offenbart, in eintritt, so daß sie die Hingabe des neuen Menschen an Gotti welche Offenbarungen der Geist Gottes mehr und mehr hinbezeichnet. Sie sichert dem einzelnen Antheil an den Berj einsührt. Heißungen und Heilsgütern, die dem Volke verliehen sind,! Zu solcher Erziehung dient das Gesetz, durch welches stellt aber auch an ihn sittliche Forderungen, indem sie ihn der Wille Gottes dem Volke offenbart wird, daß es nämlich zum Gehorsam gegen Gott, dessen Bundeszcichen er am Leibe! wie Gott heilig sein soll in allen Lebensverhältnisscn. Es trägt, und zum unsträflichen Wandel vor ihm verpflichtet, so fordert unbedingte Unterwerfung unter den göttlichen Willen, daß sie ein Symbol der Erneuerung und Heiligung des! von dem nichts abzuhandeln ist, und fördert dadurch die Erinneren Menschen wird. Mit der Beschneidung war die Er-! kenntniß der Sünde, über welche das Gewiffen hier stärker theilung des Namens verbunden, in rvclchem häusig die per-1 als anderswo Zeugniß abgeben lernt und den Sinn des Ge sönliche Bedeutung und Lebensstellung des Kindes, oder die fetzes immer tiefer erfaßt. Mit dem äußerlichen Gehorsam Erinnerung an Wünsche und Hoffnungen der Mutter oder! ist es nicht gethan, daS Herz muß ganz dem Herrn gehören an Ereigniffe, die für die Geburt bedeutungsvoll waren, aus- und: „Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst'." So gedrückt wurde. Das weibliche Geschlecht tritt allerdings! wird der Sinn von dem äußeren Werk auf die innere Heizurück, aber als Gattin und Mutter hat das Weib große ligung gelenkt. Dieser innere HeiliguugSprozeß wird abge- Bedeutung für das Volksleben, so daß die Mutter überall ’ bildet durch die Ceremonien, welche das Gesetz in den Opfern, fast gleichberechtigt neben den Vater tritt, nicht nur im vierj Waschungen u. s. w. vorschreibt. Antrieb, das Gesetz zu erten Gebote, sondern auch in andren Stellen (Spr. I, 8; füllen, sollte das Bolk entnehmen aus den Wohlthaten Gottes 31, 28), so daß Gott selbst das Mutterherz würdigt, ein! an dem Volke und aus der Vortrefflichkeit des Gesetzes selbst, Abbild seiner Liebe zu sein (Jes. 4L, 15). Wie die Söepfo daß Dankbarkeit und Liebe gegen Gott, Einsicht in das schneidung, so war auch die Entwöhnung nach zwei bis drei: Gesetz und Wohlgefallen am Gesetze die Quellen des Gehor- Jahren ein Familienfest. Neben der Mutter erscheinen in; samS sind. Durch Glück und Unglück weckt der Herr selbst der ersten Pflege des Kindes auch Amme und Wärterin, die! die Einsicht, daß, wie in der Natur von der Erfüllung der als Glieder in der Familie angesehen wurden. Ucberhaupt Lebensgesetze Gedeihen oder Verderben abhäugt, so auch das war die Stellung des Gesindes und der Sklaven in Israel | Volksleben sich nach der Erfüllung oder Uebertretung seiner ihm viel besser als bei den Heiden. Knechte und Mägde genossen! eingepflauzten Gesetze segensreich oder verderblich gestalten wird vielfach Kindesrechte. Das Haupt der Familie und der Prie-! und daß dieser göttlichen Vergeltung auch das Leben des einzelnen ster des Hauses, der über die Reinheit desselben wacht, dem unterworfen ist. Die Schuld für Strafen hat daher jeder alle Glieder in Ehrfurcht gehorsam sein müssen, ist der Haus- > in sich und seiner Sünde zu suchen. Da aber der einzelne vater. In diesem patriarchalischen Hause sollen nun nach nicht allein natürlich, sondern auch geistig im innigsten Zu Gottes Willen die Kinder zum Gehorsam gegen den göttsammenhange mit der Familie, dem Geschlecht und dem Volke lichcn Willen und zu einem Leben in Gerechtigkeit erzogen steht, so wird, wie in diesen Gemeinschaften Heiligkeit oder werden, damit ein Volk aufwachse, au dem die großen Ver- Sünde zur Macht wird, unter der alle, mehr oder weniger heißuugen Gottes sich erfüllen können. Tie Kinder sind, das bewußt, mitstehen, auch Lohn oder Strafe nicht allein den liegt in diesem Erziehungswcrk ausgesprochen, vor allem einzelnen treffen, cs wird in ihm die Familie und das Ge- Gottes Eigenthum, so daß diesem Recht Gottes das mensch schlecht mit gesegnet oder gestraft. Diese Erkenntniß von liche Baterrecht, wie die Opferung des Isaak zeigt (1 Mos. 22), dem Walten der göttlichen Gerechtigkeit (2. Mos 20, 5) soll sich unterzuordnen hat. namentlich das Familicnhaupt antreiben, aus Liebe zu den 2. In Aegypten machte das Bolk die ersten Fortschritte Kindern in der Familie eine solche sittliche Ordnung zu stisim'Ackerbau, blieb auch von der ägyptischen Cultur nicht unten, die als Segensmacht auf die Kinder fortwirkt, so daß