Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227506--41433-3309904- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
"Allgemeine Zeitung des Judmthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig L Mark. Abonnei ment in Deutschland (Postzeitungsliste > iltr. SS) und Oesterreich bei allen Post- I äintern, autzcrdem Lurch den Buch- Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. G-epeöitiorr: Leipzig, Woßptcrh 18. | In redactionellcn Angelegenbe wende man sich an Or.L. Philippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die l Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr I 12«.) sind gleichfalls an letztere ein- , zusenden. 48. Jahrgang Leipzig, den 22. Januar 1884. JNTo. 4. Inhalt. Leitende Artikel: Die fortschreitende Entwickelung. I. — Eduard Lasker. — Literarische Analekten. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Darmstadt, Colberg. — Oesterreich-Ungarn: Pest. Schweden: Stockholm. — Rußland: Petersburg, Odessa. — Amerika: New-Pork, Washington. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Weg zum Sinai und die Amalekiterschlacht. (Fortsetzung und Schluß.) — Die Erziehung bei dem Volke Israel. ücitwCdc öifißcf. Bonn, 17. Januar. Die fortschreitende Entwickelung. i. „Siehe, Finsterniß decket die Erde, Dunkel die Völker, aber Dir strahlt auf der Ewige und seine Herrlichkeit wird über Dir sichtbar. Da ziehen Nationen Deinem Lichte zu, Könige Deinem aufstrahlenden Glanze. Erhebe ringsum Deine Augen, und schau, sie allesammt sammeln sich, kommen zu Dir." (Jesaias 60, 2—4.) „Nicht böse, nicht verderblich handeln sie auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll wird sein die Erde der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser bedecken den Meeresgrund. ') Ein Panier ersteht den Völkern, Elationen suchen es auf." (Jes. 11, 9. 10.) In meiner Jugend stand ich einst auf dem höchsten Gipfel eines Mittelgebirges, von welchem man aus ringsum über zahlreiche Bergkuppen und in die Thäler und Schluchten hinabsah. Damals war die an Schönheiten reiche Landschaft für Touristen noch wenig wegsam gemacht, und ich hatte in der Hütte eines armen Waldhüters zu übernachten. Als die Sonne untergegangen war und ich auf die Höhe hinaustrat, hatte sich ein dichter weißer Nebel über alle i) Daß 2' hier „Meeresgrund" bedeutet, bemerkt schon Rdak, und erweist Hitzig mit Recht aus nrnjr; 3' (t Kön. 7, 26), wo die eherne Schale, nicht das darin enthaltene Wasser bezeichnet. Niederungen ausgebreitet, und nur die dunklen Basaltkuppen ragten in die Höhe wie Inseln aus schaumbedecktem Meere hervor. Noch kurze Zeit und das Dunkel der mondscheinlosen Nacht hatte sich über Nebel und Kuppen gelegt. Frühmorgens, bevor die Sonne aufgegangen, war ich wieder oben. Es war noch derselbe Anblick; ein scharfer Morgenwind rauschte durch die Wipfel des Waldes und zog frostig über die Höhen hinweg. Allmälig lichtete es sich und ich sah das weite Nebelmeer wieder mit den aufragenden dunklen Kuppen.!Dann erschien am östlichen Himmel ein breiter rothglühen-! der Lichtbalken, und über den Nebel breitete sich ein rosiger i Schein, und die Kuppen erschimmerten violet. Tann aber erhob sich der Sonnenball über die Grenzlinie des Horizontes, feurige Strahlen fuhren herab und durchrisien das Nebclmeer, und warfen ihr Licht in die beschatteten Thäler und auf die rothen Dächer der zerstreuten Menschenwohnungen. Doch nicht lange: die zerrissenen Nebel ballten sich an den Waldungen, welche an den Bergwänden Hinanstiegen, und von dem breiten Strome, der das Gebirge durchzieht, stiegen dichte Dünste herauf und breiteten sich über die Landschaft ' aus. Die Sonne verschwand wieder meinem Blicke, der! Himmel überzog sich mit grauem Gewölk, und trübe lag die -Landschaft, die Tiefen und die Höhen, um mich her. Aber! es war doch Tag geworden und ich konnte meinen Wander-; stab weiter setzen. Es rieselte leise von oben her und aus dem Walde strömte ein feuchter Dunst heraus. Aber als ich in die Ebene gekommen, da war der Nebel allmälig geschwunden, der Himmel wölbte sich blau über die Erde, die Sonne (strahlte hell hernieder und ihr Licht überzog die grünen Fluren 4