Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-25 · Heft 52 (25.12.1883) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 52 (25.12.1883)
Date
1883-12-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227500--41357-3309832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

■KBBSBHP Allgemeine Zeitung des Zudenlhums. Cm nn-atteiischrs Organ fiir alles indische Interesse. I DieseAeitrmg erschein! wöchentlich. H erausgegeben V0N | Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- I SSnriffbffSiS«8«® Rabbiner Dr. Ludwig philipvfon in Bonn. ämterri, außerdem durch den Buchi Handel. “ GXpeörtiorr: Leipzig, "glofepZak 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Zahrgaug. Leipzig, den 25. December 1883. ^No. 52» Inhalt. Leitende Artikel: Das Jahr 1883. — Die Schöpfung des Gebetcultus. III. — Das ungarische Oberhaus und das Ehegesetz zwischen Juden und Christen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Lemberg. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg, Tuckum. — Türkei: Konstantinopel. — Palästina: Jerusalem. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Heinrich Heine über Moses. Mit dem 1. Januar 1884 beginnt die „Allgemeine Zeitung des .Judenthums" ihren 48. Jahrgang. Wir ersuchen um baldige Bestellung bei allen Postämtern und Buchhandlungen, damit keine Störung in der Zusendung ersolge. Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. ZcitcrxDc Bonn, 19. December. Das Jahr 1883. Das eben ablaufende Jahr gehört noch den Kampfeszciten an, die seit einem Lustrum über die Bekenner des Judenthums im östlichen und Mitteleuropa gekommen. Nachdem in Rußland mit einigen wenigen Ausnahmen die barbarischen Exceffe, die gegen die Juden angestiftet worden, durch die ernste Haltung der Regierung aufgehört und einflußreiche Preßorgane den Ton der Gerechtigkeit und Besonnenheit angeschlagen hatten, war es Ungarn, das sich zum Mittelpunkte des Antisemitismus hergab, der auch hier einen nicht geahnten Höhepunkt erreichte. Es war allerdings ein Sieg von großer Tragweite, den die Wahrheit und das Recht in dem berüchtigten Tißa-Eßlarcr Proceß gewannen, da selbst der königliche Gerichtshof in Nyiregyhaza seinen Untersuchungsrichter Vary dementiren und die Unschuld der angeklagten Juden mit ihrer Freisprechung anerkennen mußte, wozu gerade die Staatsanwaltschaft wesentlich beigetragen — ein Sieg, denn bei diesem Proccsie kamen die scheußlichen Ränke, Lügen und Gewaltthaten der Antisemiten und ihrer Organe in der Beamtenwelt vor den Augen der ganzen civilisirten Welt an den Tag. Aber gerade diese schwere Niederlage reizte die gegnerischen Führer zu den höchsten Anstrengungen auf, um das verlorene Terrain durch eine wüste Bolksaufregung wieder zu erlangen. Was sie an öffentlichem Ansehen durch die Rechtspflege verloren, wollten sie durch rohe Gewaltthätigkeiten, an Furcht und Schrecken vor denselben wieder erlangen. Es gelang ihnen, und in einigen Comitaten fanden Ueberfälle, Plünderungen und selbst Mordthaten statt, denen die Regierung mit Verkündigung des Standrechts, mit Bajonnetten und Flintenschüffen eine Grenze setzen mußte. Hiermit war auch in Ungarn die Krise überstanden. Auch hier mußte die Gesellschaft einsehen, daß sie im Antisemitismus einen vor keiner Gewaltthat zurückschreckenden Feind habe, der bei fortgesetzter Duldung ihre Grundvesten erschüttern und Ordnung und Gesetz in den Staub treten würde. Dies erwies sich denn auch in den Verhandlungen und Beschlüssen des ungarischen Abgeordnetenhauses, das ein Gesetz über die Ehen zwischen Christen und Juden fast einstimmig votine, und zwar mit dem ausgesprochenen Zwecke, den Antisemitismus zu verurtheilen und die Gleichstellung der Juden zu vervollständigen. Zwar verwarf das Oberhaus dieses Gesetz, jedoch nur mit einer Mehrheit von 6 Stimmen und durch die größten Anstrengungen der katho-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.