Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1883)
- Date
- 1883-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein impartcnschcs Organ für alles jüdische Interesse. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne-! ment in Deutschland (Postzeitungsliste Sir. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern. außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. In redaktionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr.L.Philtppson in l Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsalls an letztere einzusenden. Expedition: Leipzig. Woßptah 18. 47. Jahrgang. Leipzig, den 18. December 1883. ^No. 51. Inhalt. Leitende Artikel: Die Schöpfung des Gebetcultus. II. — Die Specialdebatte über den die Ehe zwischen Juden und Christen betreffenden Gesetzentwurf im ungarischen Abgeordnetenhause. — Die Winkel - Rabbinerschulen vor dem ungarischen Abgeordnetenhause. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn, Leipzig, Frankfurt a. M., Köln, Münster. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Rußland. Moskau. — Amerika: Washington. — Bonn: Notizen. Mit dem 1. Januar 1884 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren 48. Jahrgang. Wir ersuchen um baldige Bestellung bei allen Postämtern und Buchhandlungen, damit keine Störung in der Zusendung ersolge. Baumgärtuer's Bachhaadlang in Leipzig. Bonn, 12. December. Die Schöpfung des Gebetcultus. H. Wie wir schon angedeutet, hat die Untersuchung, mit welcher wir uns beschäftigen, mit der sogen, biblischen Kritik fich nicht zu befassen. Es kommt uns allein darauf an, die Entwickelung, Ausdehnung und Vertiefung des Gebetes bis zu einem selbstständigen Gebetcultus, der zuerst neben dem Opfercultus erstand und diesen dann später vollständig ersetzte, aus den Andeutungen und Mittheilungen nachzuweisen, die wir in den biblischen Büchern finden. Wir thun dies zu dem Zwecke, um zu zeigen, daß der Gebetcultus, welcher den Gottesdienst der großen positiven Religionen ausmacht, eine Schöpfung des israelitischen Geistes ist und daß die Erzeugnisse des letzteren jenen noch jetzt erfüllen und beherrschen. Da kann es nun bei diesem Gegenstände uns gleichgültig sein, ob der eine Kritiker dieses oder jenes biblische Buch oder Theile desselben in diesem oder jenem Jahrhundert verfaßt sein läßt, oder ein anderer zu einer anderen Zeit. Denn da schließlich sämmtliche Bücher der heiligen Schrift auch nach der extremsten Kritik nicht später als anderthalb Jahrhunderte vor der christlichen Aera abgeschlossen sind, so ist es auch nicht von wesentlicher Bedeutung für uns, ob einzelne Daten, die nur kleinere Züge in dem großen Ganzen betreffen, aus einer etwas früheren oder späteren Zeit stammen sollen. Wir glauben dies bemerken zu müssen, um kleinlicher Mäkelei an dem Resultate unserer Untersuchung vorzubeugen und ohne der Kritik ihr Recht zu benehmen, ihr doch diesmal einen wesentlichen Anspruch abzuerkennen. Wir haben in der mosaischen Schrift den Opfercultus von seinen Anfängen an zu einer genau geordneten Organisation mit bedeutungsvollem symbolischem Charakter gelangen sehen und zwar so, daß in demselben vom Gebetcultus noch keine Spur vorhanden. Wir trafen dann in derselben nach Jahrtausenden der geistigen Entwickelung des Menschen ans kurze Gebete, entstanden in individuellen Situationen als natürlicher Erguß des Menschenherzens in Gefahr und Notb, und neben diesen aus einen feierlichen Sang, der bereits die Grundzüge der Hymnologie nach Inhalt und Form in sich trug, und zwar selbstständig, ohne Begleitung von Opfern. Die weitere Entwickelung des Opfercultus in ihrem Detail, nachdem Kanaan von den Israeliten erobert und besetzt worden, braucht uns hier nicht zu beschäftigen. Er hat seine Stabilität erst unter David erhallen und knüpfte fich bis dahin an das von Moses errichtete Heiligthum, das in der si