Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 785

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 785 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227496--41301-3309766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

785 Kämpfe der griechischen und römischen Christen am heiligen Grabe in Jerusalem; oder an die widerwärtigen Beweise von gehässiger Unduldsamkeit, dre wir selbst gegenwärtig noch jedes Jahr in unserem Baterlande erleben müssen." — Ja, das sind aber auch in den Augen der Europäer uncivilisirtc, rohe Völker, die gar nicht das Recht haben, über Glaubenssätze zu hadern, da sie nicht die „Wahrheit" und die „Gnade" besitzen und nicht die „Liebe" üben. Aus Rußland. Winnizy, 10. November. Die Zeitung „Wolyni" schreibt: In der Volksschule zu Tscherossaschizk ist neulich folgender betrübender Fall vorgekommen. Bei einem Lehrer dieser Schule lebten zwei Schüler, 13 und 11 Jahre alt. Ter Lehrer war eines Tages sortgefahren und hatte die geladene Flinte an der Wand zurückgelasscn. Ein jüdischer Knabe kam während dessen in die Schule und fragte nach dem Lehrer. Da nimmt einer der Knaben die Flinte von der Wand und wendet sich an seinen Kameraden mit den Worten: „Komm, wir wollen den Juden ermorden." Es fällt ein Schuß und der Judenknabe sinkt tobt zu Boden. Um nun die Spuren ihrer That zu verwischen, warfen die kleinen Mörder die Leiche in den Canal. Als der Lehrer Abends heimkehrte, erzählten die jugendlichen Verbrecher ihm ihre That, worauf Letzterer sofort die Polizei von dem Vorfälle benachrichtigte. Was nun weiter geschehen wird, weiß man nicht; so viel steht fest, daß der Lehrer die Schule und den Kreis verlassen hat und die Väter der Kinder verhaftet sind. Pawlograd (Gouvernement Jekaterinosslaw). Die Geistesgegenwart des Dieners der Synagoge verhinderte kürzlich eine Katastrophe, wie sie sich leider in Sinkowo ereignet hat. Um 9 Uhr Abends des „Kirmes-Festes" war die ganze Synagoge dicht gedrängt von den Juden sowie auch von den Christen des Ortes besetzt. Es mochten an 2000 Personen daselbst versammelt sein. Plötzlich ertönte die Feuerglocke und eine schreckliche Katastrophe wäre unvermeidlich gewesen, wenn nicht rechtzeitig ein besonnener, energischer Diener in die weibliche Abtheilung geeilt wäre, wo er den einzigen, ziemlich schmalen Ausgang mit seinem Körper füllte, den andrängenden, von Entsetzen ergriffenen Weibern tapfer Widerstand hielt und sie dabei nach Kräften zu beruhigen suchte, indem er ihnen zurief, daß absolut keine Gefahr zu fürchten sei, da die Brandstätte sehr weit entfernt sei. Hierauf ließ er sie einzeln passiven, bis kein Gedränge mehr zu fürchten war. In der männlichen Abtheilnng forderte derselbe umsichtige Mann die Anwesenden auf, sich ruhig und ohne Ueberstürzung zu entfernen, da es in der Nähe brenne. Viele der Betenden blieben längere Zeit in Bezug auf den Brand im Unklaren, inzwischen fanden die Uebrigen Zeit sich ohne sonderliche Anstrengung zu entfernen. Ganz ohne Gedränge ging es zwar nicht ab, doch hat in demselben kein Mensch Schaden erlitten. Alexander v. Humboldt und die Antisemiten. In seiner geistreichen Gedächtnißrede auf Alexander v. Humboldt bei der Gelegenheit der Enthüllung von dessen Denkmal im Vorgarten der Berliner Universität, die der derzeitige Rector Du Bois-Reymond am 3. August d. I. in der Aula hielt, warf dieser unter anderem die Frage auf, was wohl der große Forscher und Menschenfreund A. v. H. zu den gegenwärtigen Verhältnissen sagen würde? Er schiloert mit beredten Worten die Befriedigung, die er über die Gründung des Deutschen Reiches, den Schmerz, den er über die Feindschaft der Franzosen und ihr Rachegelüste gegen Deutschland empfinden würde, seine Freude über die Abschaffung der Sclaverei, und fährt fort: „Wie aber würden wir vor ihm bestehen, wenn er von der bei uns eingerissenen Rassenverfolgung hörte, er, der Freund des Mendelssohn'schen Hauses, der mit Henriette Herz in jüdischer Currentschrift eorrespondirte?" (Rundschau Nr. 2, S. 114.) — Nun, die 1 Herren Stöcker, Henrici und ihre Anhänger würden sich wenig um die Mißbilligung Humboldts kümmern; aber die vielen Deutschen, die diesem Treiben müßig oder gar mit geheimer Schadenfreude zusahen, sie würden sich doch eines | Schamgefühls vor der Berurtheilung und Brandmarkung! nicht erwehren können, die jener große und edle Bekenner der Humanität über sie ausgesprochen hätte! Anzeigen. «awa 4p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- A 11 od dftv folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Colillon u. Car ne Tal-Gegenstände, Masken : u. Costüme aus Stoff, Orden, Touren, Mützen etc. empfiehlt die Fabrik von . Celbke & Beuedictus, Dresden. Illustr. deutsche u. franz. Preiscour, j gratis u. franco. [Dr. 17469]; TLkliiige und solide Hgenfeu an größeren Plätzen werden für unsere Buchdruckerri gesucht. — Lohnende Provision. — Offerten beliebe man an uns einzusenden. B. L. Monasch & Co. in Krotoschin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.