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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 784

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 784 (sequence 14)
Language
German
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784 so mehr Verurtheilung im Westen Europa's und jenseits des Oceans. Jedes patriotische Herz muß sich doch darüber betrüben, daß ein Blatt wie die „Times" sich veranlaßt sah, j den Deutschen eine Warnung zuzurufen, daß sie nicht v er-! suchen sollten, in London eine „Judenhetze" insceniren zu! wollen, da dieses Beispiel leicht eine „Deutschenhetze" zur Folge haben könnte — und das englische Weltblatt hat aller- ' dings hierzu eine Veranlassung gehabt, da die Absicht der! Herren Rauch, Feldmann und Consorten in der Berufung1 gerade Stöckers eine solche Absicht voraussetzen lasten konnten. Giebt es nicht bedeutende Männer in Deutschland genug, die einer Lutherfeier in London zur höchsten Zierde gereichen würden? Bonn, 18. November. (Notizen). Bei dem Begräbniß des jüngst in Rouen verstorbenen Cardinals von Bonnechose wurde einer der Cordons des Sargtuches von einem Israeliten gehalten, dem Herrn E. Hendle, Präfekten des Departements der unteren Seine, und in dem Gefolge bemerkte man den Rabbiner der Stadt, Herrn Benjamin Cahen. — In der jüngsten Woche verstorben drei bedeutende Pariser israelitische Finanziers: Armand Heine von dem Hause A. & M. Heine, ehemals Fould; Antoine Königswarter, ehemaliger Chef des Hauses dieses Namens, Mitglied des israelitischen Centralconsistoriums, und Charles Montraux, einer der bedeutendsten Wechselagenten. — Man schreibt uns aus Luxemburg vom 15. November: Heute fand hier in seiner Geburtsstadt unter Betheiligung der Minister, des Staatsrathes, der Deputirtenkammerdes Stadtrathes in eorxors! und der auserlesensten Bürgerschaft das Leichenbegängniß des in Amsterdam am 12. d. M. im Alter von 76 Jahren verstorbenen Großh. Luxemburg'schen Generalconsuls, Herrn!§eo Lippmann, eines der Chefs des großen Bankhauses Lippmann, Rosenthal & Comp., Dekan der niederländischen Consuln, statt. Nekrolog in nächster Nummer. Aeuitteton. Vermischtes. Der Adams-Pike auf Ceylon. Professor Ernst Häckel beschreibt in der „Rundschau" seine Besteigung dieser berühmten Felsenspitze, welche unter den hervorragenden Berghohen, die seit grauem Alterthum besondere Gegenstände der Verehrung für zahllose Menschen gewesen, eine der ersten Stellen einnimmt. Auf der schmalen Kuppe dieses über 7000 Fuß hohen steil aufragenden Berges befindet sich ein kleines Becken, welches mit einiger Phantasie für den Eindruck eines menschlichen Riesenfußes genommen werden kann. Hier hat man Gelegenheit, den über alle Welttheile ausgebreiteten Einfluß wahrzunehmen, den die mosaische Schrift und ihr Inhalt geübt hat. Zwar die Buddhisten glauben in jenem Becken den Eindruck zu finden, den der Fuß des zum Himmel auffahrenden Buddha hinterlassen, sowie die Brahmanen des Gottes Siwa. Die Mohammedaner aber erklären ihn für den heiligen Fußtapfen Adams, den auch sie als Stammvater des Menschengeschlechts verehren. Als derselbe nach dem Sündenfalle aus dem Paradiese vertrieben wurde, ergriff ihn ein Engel beim Arm und setzte ihn auf den Gipfel des nunmehr allgemein nach ihm benannten Ceylon-Pikes nieder. Sein stehender Büßerfuß bohrte sich tief in den harten Gneisfelsen der Bergspitze ein und seine Thränen der Reue bildeten einen kleinen See, aus welchem die Pilger trinken, da sie dem Wasser wunderthätige Heilkräfte zuschreiben. Uebrigens findet man diese Sage bereits in dem berühmten Koptenmanuskripte über „Die Glaubensweisheit", also in einer christlichen Schrift drei Jahrhunderte vor Mohammed. Auch der größte Theil der chinesischen Ceylon-Pilger erblicken hier den Fußtapfen des ersten Menschen. Ebenso besteht die Legende, daß früher das Festland und die Insel durch die „Adamsbrücke" verbunden gewesen sei. Das prachtvolle, blumenreiche Paradies, welches sich am Fuße des Berges ausbreitet, heißt „Adamsgarten", und „Adamsfrucht" wird die herrliche Paradiesfeige oder Banane genannt, die zu den edelsten Geschenken der reichen singhalesischen Flora gehört; sie bildete die Nahrung der ersten Menschenkinder. Die kostbaren Edelsteine, an denen die Insel reich ist, find „Adamsthränen"; eine dunkle Felsenhöhle unterhalb des Berggipfels ist „Adamshaus", von ihm selbst mit eigenen Händen aus Felsplatten erbaut; und die prachtvollen Rhododendronbäume, die dasselbe beschatten und mit ihren blutrothen Riesenblumen überschütten, find „Adamsrosen". Der schöne Teich endlich am Fuße des Berges, dessen krystallklares Wasser ein Felsenquell direkt aus dem Paradiese herleitet, ist das heilige „Adamsbad". So hat hier die von den Mohammedanern aus der heiligen Schrift gezogene und von ihnen erweiterte Adamslegende schließlich den Sieg über alle anderen gewonnen. — Im weiteren Verlaufe der Schilderung zeichnet Häckel die Andachtsübungen, welche die zu der Bergspitze aufklimmenden Pilger an den heiligen Fußtapfen verrichten: die Buddhisten, die Brahmanen und die Mohammedaner. Er sagt hier: „Die gegenseitige friedliche Duldung, welche diese drei ganz verschiedenen Religionen hier oben gegen einander seit mehr als tausend Jahren üben, ist in der Thal erhebend; sie ist in vieler Beziehung beschämend, namentlich für die blutigen

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